Ultraleichtgewicht: Das ST Book Notebook 
 
Atari ST Book

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits im März 1991 wurde auf der CeBIT in Hannover das für damalige Verhältnisse mit zwei Kilogramm ultraleichte Notebook ST Book vorgestellt, zusammen mit dem Schwesterprojekt ST Pad, einem frühen Vertreter des Tabletcomputers. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Modellaktualisierungen ging man hier recht radikale Wege. Alles für den Betrieb als Notebook nicht unbedingt Notwendige wurde weggelassen, darunter fielen zum Beispiel die Hintergrundbeleuchtung des Displays, das Diskettenlaufwerk und diverse Schnittstellen, alles andere wurde komplett überarbeitet. Eine stromsparende Version des 68000-Prozessors kommt hier zum Einsatz, ebenso eine 2½″-IDE-Festplatte mit 40 MB Speicherplatz und einer mittleren Zugriffszeit von 19 ms. GLUE und MMU wurden im COMBO-Chip zusammengefasst, daneben besitzt das ST Book einen pseudostatischen Arbeitsspeicher, der die Daten auch nach dem Ausschalten behält. Als Betriebssystem kommt TOS 2.06 zum Einsatz, das um eine ROM-Disk und das Datenaustauschprogramm ST-Trans erweitert wurde. Durch diese Maßnahmen erreichte man eine Akkulaufzeit von fünf bis zehn Stunden, abhängig vom Arbeitseinsatz und der Umgebung. Als Ersatz für die Maus kommt hier ein sogenanntes Vector Padzum Einsatz, welches in der Funktionsweise einem analogen Joystick nicht ganz unähnlich ist. Unter dem Vector Pad befindet sich noch ein Steckplatz für ein Faxmodem, welches jedoch nicht erschienen ist – genausowenig erschienen eine passende Maus und ein externes Diskettenlaufwerk, von letzterem existieren immerhin Gehäuse-Prototypen. Im Mai 1992 erschien das ST Book auf dem Markt und kostete mit 3498 DM einiges mehr als ein wesentlich leistungsfähigerer TT030-Computer. Die Nachfrage blieb recht schwach, und bei der Neuausrichtung der Produktpalette Ende 1992 wurde das ST Book bereits wieder eingestellt. Einigen Quellen zufolge sollen etwa 1000 bis 1200 Geräte produziert worden sein, was das ST Book heute natürlich zu einem gesuchten Sammlerstück macht.


Chefentwickler Tracy Hall am Block of Wood,
wie der ST Book-Prototyp intern genannt wurde.
Bild: Atari Explorer


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Aufbau des Systems
Atari Stacy Mainboard
Mainboard-Layout des ST Book

Prozessor
Die Hauptarbeit im ST Book verrichtet der weithin bekannte CISC-Prozessor Motorola 68000 (CISC steht für Complex Instruction Set Computer, zu deutsch etwa Rechner mit komplexem Befehlssatz), der bereits seit 1979 auf dem Markt ist. Er operiert intern mit einem 32-Bit-Register sowie einem 32-Bit adressierten linearen Adressraum (davon sind 24 Bit extern verfügbar), acht 32-Bit-Datenregistern, neun 32-Bit-Adressregistern, einem 15-Bit-Statusregister und besitzt einen 16-Bit-Datenbus. Hier kommt dabei mit dem 68HC000 eine stromsparende Version zum Einsatz, die wie alle ST-Computer außer dem Mega STE mit 8 MHz getaktet wird und eine Million Instruktionen pro Sekunde abarbeiten kann (1 MIPS).

Multifunktionscontroller
Der als MFP verwendete Motorola 68901 fängt im ST Book die Interrupt-Signale auf und ist mitverantwortlich für die serielle Schnittstelle.

Soundchip
Hier kommt meist der Yamaha YM2149F zum Einsatz, ein Derivat des General Instrument AY-3-8910, der auch in einigen ST-Modellen zu finden ist. Neben der Tonerzeugung ist er noch für die Parallelschnittstelle sowie die Signale RTS und DTR der seriellen Schnittstelle zuständig und verwaltet mittels Drive Select und Side Select, welches Diskettenlaufwerk und welche Diskettenseite angesprochen wird.

Asynchronous Common Interface Adapter (ACIA)
Der erste der beiden ACIA-Chips vom Typ Motorola 6850 regelt die Datenübertragung der MIDI-Schnittstellen und arbeitet mit einer Übertragungsrate von 31,25 kilobaud. Der zweite ACIA-Chip ist für die Übertragung von und zur Tastatur zuständig und arbeitet mit 7812 Bit/Sekunde.

Tastaturprozessor
Der Hitachi HD6301V1 überwacht Tastatur, Maus und Joystick.

Direct Memory Access (DMA)
Einer der von Atari entwickelten Spezialchips des ST ist der DMA, welcher innerhalb von nur vierzehn Tagen von John Hoenig fertig entwickelt wurde. Er steuert die Massenspeicher an und hängt mit 16 Leitungen direkt am Datenbus.

Floppycontroller
Der WD1772 von Western Digital kommt hier zum Einsatz, er wandelt die 8 Bit breiten Daten des ST Book in serielle Daten für die Diskettenlaufwerke um und vice versa. Zudem liefert er alle Steuersignale für die Diskettenlaufwerke.

Grafikchip
Der von Atari entwickelte Shifter verrichtet hier seinen Dienst, er ist hauptsächlich für den Bildaufbau verantwortlich. Dabei holt er sich die Bilddaten aus dem für die Bilderzeugung reservierten Teil des Arbeitsspeichers (32 kB) und gibt sie auf dem Monitor aus.

Memory Management Unit (MMU)
Die Speicherverwaltung übernimmt das Multiplexen der Adressen des Arbeitsspeichers, die Selektion des Bildschirmspeichers für den Grafikchip sowie die Selektion eines Arbeitsspeicherbereichs für die DMA. Die MMU befindet sich im ST Book im COMBO-Chip.

GLUE
Dieser Chip hat seinen Namen (zu deutsch Kleber oder Leim) nicht umsonst, denn er hält so ziemlich das ganze System zusammen. Er erzeugt beinahe alle Chip-Select-Signale von Arbeitsspeicher, Festspeicher und der Peripheriechips, die Taktfrequenzen mittels Teilerketten für die ACIAs und den Soundchip, die Synchronisations- und Austastsignale für den Monitor sowie die Signale für die Interruptsteuerung und den DMA-Betrieb. Der GLUE befindet sich im ST Book im COMBO-Chip.

Anschlussfreudig: Die Schnittstellen des ST Book
Dem ST Book stehen zahlreiche Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung:

Schnittstelle Ausführung
Power Spezial-Rundstecker, 3-polig
MIDI out MiniDIN-Rundstecker, 6-polig
MIDI in MiniDIN-Rundstecker, 6-polig
ACSI/FDD D-Sub-ähnliche Buchse 2-reihig 28-polig
Modem D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
Printer D-Sub-Buchse Typ DB25, 25-polig
Expansion (linke Seite) Stiftleiste, 120-polig
Mouse Mini-Version eines D-Sub-Ports, 10-polig


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Technische Daten

Prozessor Motorola 68HC000 (CISC-Architektur), 64 Pins
Taktfrequenz und Geschwindigkeit 8 MHz, 1 MIPS
Arbeitsspeicher (RAM) ab Werk 1 MB
Festspeicher (ROM) 256 kB
Betriebssystem-Versionen TOS 2.06 (ROM-Datum 10.03.1992)
Grafikchip Atari Shifter
Auflösungen (Farben) 640 × 400 (2)
Farbpalette nur monochrome Ausgabe möglich
Soundchip Yamaha YM-2149
Soundkanäle 3 programmierbare Soundgeneratoren (PSG) + Rauschgenerator
Tastatur Schreibmaschine, 85 Tasten + 10 Funktionstasten
interne Laufwerke ab Werk IDE-Festplatte 2½″ 40 MB
Ankündigung
Vorstellung März 1991
Im Handel Mai 1992
Eingestellt Dezember 1992
Neupreis in Deutschland bei Erscheinen 3498 DM (1788,50 €)

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Peripheriegeräte
Was ist ein Computer ohne die dazugehörige Peripherie? Genau, nutzlos. Für den ST gab es aus dem Hause Atari sogar eine ganze Palette an Peripheriegeräten. Nur wenig davon kann allerdings am ST Book verwendet werden. Eine Übersicht gibt es hier:
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Letzte Bearbeitung: 16. April 2019