
Mit der ST-Serie gelang Atari der wohl größte Erfolg nach dem Atari 2600. Entwickelt wurde der ST von C64-Erfinder Shiraz Shivji. Dem ST (steht für Sixteen/Thirtytwo, benannt nach dem externen 16-Bit- und dem internen 32-Bit-Datenbus des 68000-Prozessors) wurde die weltweit erste serienmäßig hergestellte Maus mit zwei Tasten mitgegeben. Als Benutzeroberfläche kommt GEM (Graphical Environment Manager) von Digital Research, als Betriebssystem TOS (The Operating System) zum Einsatz. Allen ST-Computern gemein ist, dass sie zwei MIDI-Schnittstellen eingebaut haben, wodurch die Serie schnell in Tonstudios und auf Bühnen einzog. Dies zog sich durch alle Genres, so arbeiteten unter anderem die britischen Bands Queen, Fleetwood Mac, 808 State und Depeche Mode mit einem ST, genauso die britischen Musiker Mike Oldfield und Fatboy Slim, der französische Musiker Jean Michel Jarre, die Sängerin Madonna, die österreichische Alpenrockband Schürzenjäger und die deutschen Gruppen Tangerine Dream, Atari Teenage Riot und Echt. Europa war Ataris stärkster Abnehmer der Computer, der Absatz dort machte drei Viertel des Gesamtabsatzes aus. Von den europäischen Märkten war der bundesdeutsche bei weitem der stärkste. Im Stammland Ataris dagegen waren die Computer recht unbeliebt. Der monochrome Monitor SM 124 war mit seiner Bildwiederholrate von 71,2 Hz seinerzeit einer der brillantesten Computerbildschirme. Atari stellte im Sommer 1985 mit dem CDAR 504 auch eins der ersten CD-ROM-Laufwerke vor.
Die Planungen des Atari ST begannen im Grunde schon bei Commodore. Deren Gründer Jack Tramiel (1928–2012) sah Ende 1983 die Konkurrenz auf dem Computermarkt und die ersten Erfolge des 16-Bit-Computers Apple Lisa mit wachsender Sorge und wollte einen 32-Bit-Computer entwickeln lassen. Mitinhaber Irving Gould war jedoch strikt dagegen, zumal das Zugpferd Commodore 64 nach wie vor unangefochten auf dem ersten Platz stand. Tramiel nahm daraufhin seine Söhne und einige Entwickler, darunter den C64-Erfinder Shiraz Shivji, verließ die Firma im Januar 1984 und gründete Tramel Technologies Ltd. (TTL) – die Schreibweise mit dem fehlenden „i“ im Namen wurde gewählt, um auf die richtige Aussprache des Familiennamens hinzuweisen. Die Führung der Firma besuchte in den folgenden Wochen mehrere Computerfirmen, darunter Mindset und auch Jay Miners Firma Amiga, der von Tramiel mitgeteilt wurde, dass er zwar sehr interessiert am Chipsatz der noch in Entwicklung befindlichen Spielkonsole Lorraine wäre, aber nicht an der Belegschaft. Es erübrigt sich eigentlich zu erwähnen, dass Miner das Angebot ablehnte. Amiga ging kurze Zeit später an Commodore, die aus Lorraine den Computer Amiga entwickeln sollten. Zwischenzeitlich beauftragt Tramiel Shivji mit dem Bau eines High-End-Computers zu einem niedrigen Preis. Als TTL im Juli 1984 Atari kaufte, war der ST schon zu 95% fertig.

Der Atari 130 ST (Januar 1985)
Bild © Atari Historical Society
Die ersten Computer aus dieser Serie, der 130 ST und der
520 ST, wurden im Januar 1985 auf
der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt und der 520 ST ab
Juni verkauft. Commodores Amiga 1000 kam nur wenige Monate
später
heraus,
doch
der ST beherrschte bereits den Markt, den der Oberklasse hatte
Apple fest im Griff. Commodore legte aber bald nach und baute ab 1987
den Amiga
500, der der Serie zum Durchbruch verhalf. Atari
brachte als Antwort im Frühjahr 1989 den 1040 STE
in die Läden, der mit dem Amiga technisch allerdings nur
gleichzog, ihn aber nicht überholte. Vor allem in Deutschland
scheute sich Atari, den 1040 STFM mit Erscheinen des STE einzustellen
und bot beide Systeme bis 1994 an, den STE aber zu einem deutlich
höheren Preis.


Wie so oft machte Ataris Firmenpolitik der Serie das Leben schwer. Nach anfänglichen großen Erfolgen bis Ende der 1980er Jahre verlor der ST auf Grund von Qualitätsproblemen, großartig angekündigten und dann doch nicht produzierten Computern (z.B. dem EST oder dem TT/X, die beide unter Unix laufen sollten) und nicht zuletzt der stark wachsenden Konkurrenz der x86-basierten Computer an Boden. Vom Falcon wurden weltweit nur etwa 14.000 Stück verkauft, davon 7.000 alleine in Deutschland, bei 520 ST und 1040 ST lagen die Verkaufszahlen zusammengefasst bei etwa sechs Millionen Geräten weltweit.