Mega STE 
 
Atari Mega STE

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Im September 1990 wurde in London der neue Mega STE vorgestellt, der die seit 1989 existierende STE-Serie nach oben abrunden und die mittlerweile fast vier Jahre alten Mega ST-Computer ersetzen sollte. Zu den schon beim STE vorgenommenen Änderungen kamen beim Mega STE weitere hinzu, so wurde beispielsweise der VMEbus bzw. Eurocard-Bus aus dem TT030 übernommen und der Prozessortakt auf 16 MHz erhöht (was aber softwareseitig wieder auf 8 MHz geändert werden kann, sollten Programme – beispielsweise alle Notator-Versionen vor 3.21 – dies erfordern). Eine Festplatte kann nun im Gehäuse eingebaut werden, ein Steckplatz für einen SCSI-Controller ist direkt auf dem Mainboard vorgesehen. Eine laut technischen Unterlagen AppleTalk-kompatible, jedoch auf Grund von Schwierigkeiten bei der Lizenzierung doch nicht genutzte LAN-Schnittstelle wurde ebenfalls integriert, ebenso zwei weitere serielle Schnittstellen, einen Low-Level-Cache und mit TOS 2 ein neues Betriebssystem. Die Extended Controller-Anschlüsse fallen bei diesem Modell allerdings weg. War ursprünglich eine Auslieferung ab Januar 1991 geplant, so mussten die Anwender jedoch bis zum Spätsommer warten. Ab September 1991 wurde wurde der Computer ausgeliefert, ab Mitte 1992 wurde das bisher integrierte DD-Diskettenlaufwerk gegen ein HD-Laufwerk ausgetauscht, dafür wurde auch der Wechsel vom Floppycontroller WD1772 zum Atari Ajax notwendig. Der Mega STE ist zudem der erste Atari-Computer, der nicht mehr von der Atari-eigenen Tochter ATMC, sondern vollständig von einem Drittanbieter produziert wurde, da die ATMC-Werke in Taiwan im Sommer 1991 geschlossen wurden. In einer internen Notiz vom 14. August 1992 wird der Mega STE bereits als eingestellt bezeichnet.

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Aufbau des Systems
Atari Stacy Mainboard
Mainboard-Layout des Mega STE

Prozessor
Die Hauptarbeit im Mega STE verrichtet der weithin bekannte CISC-Prozessor Motorola 68000 (CISC steht für Complex Instruction Set Computer, zu deutsch etwa Rechner mit komplexem Befehlssatz), der bereits seit 1979 auf dem Markt ist. Er operiert intern mit einem 32-Bit-Register sowie einem 32-Bit adressierten linearen Adressraum (davon sind 24 Bit extern verfügbar), acht 32-Bit-Datenregistern, neun 32-Bit-Adressregistern, einem 15-Bit-Statusregister und besitzt einen 16-Bit-Datenbus. In diesem Modell wird er als einziger der ST-Serie mit mit 16 MHz getaktet und kann so zwei Millionen Recheninstruktionen pro Sekunde abarbeiten (2 MIPS). Der 68000 kommt auch in den Konkurrenzprodukten Apple Macintosh, Sinclair QL und Commodore Amiga zum Einsatz.



Multifunktionscontroller
Der als MFP verwendete Motorola 68901 fängt im Mega STE die Interrupt-Signale auf und ist mitverantwortlich für die serielle Schnittstelle.



Soundchip
Hier kommt meist der Yamaha YM2149F zum Einsatz, ein Derivat des General Instrument AY-3-8910, der auch in einigen ST-Modellen zu finden ist. Neben der Tonerzeugung ist er noch für die Parallelschnittstelle sowie die Signale RTS und DTR der seriellen Schnittstelle zuständig und verwaltet mittels Drive Select und Side Select, welches Diskettenlaufwerk und welche Diskettenseite angesprochen wird.



Asynchronous Common Interface Adapter (ACIA)
Der erste der beiden ACIA-Chips vom Typ Motorola 6850 regelt die Datenübertragung der MIDI-Schnittstellen und arbeitet mit einer Übertragungsrate von 31,25 kilobaud. Der zweite ACIA-Chip ist für die Übertragung von und zur Tastatur zuständig und arbeitet mit 7812 Bit/Sekunde.



Tastaturprozessor
Der Hitachi HD6301V1 überwacht Tastatur, Maus und Joystick.



Direct Memory Access (DMA)
Einer der von Atari entwickelten Spezialchips des ST ist der DMA, welcher innerhalb von nur vierzehn Tagen von John Hoenig fertig entwickelt wurde. Er steuert die Massenspeicher an und hängt mit 16 Leitungen direkt am Datenbus.



Floppycontroller
Der WD1772 von Western Digital kommt hier zum Einsatz, er wandelt die 8 Bit breiten Daten des Stacy in serielle Daten für die Diskettenlaufwerke um und vice versa. Zudem liefert er alle Steuersignale für die Diskettenlaufwerke. Spät produzierte Mega STE-Modelle haben statt des WD1772 den Atari Ajax verbaut, der theoretisch auch HD- und ED-Diskettenlaufwerke mit 1,44 MB bzw. 2,88 MB unterstützt –.



Grafikchip
Der von Atari entwickelte Shifter verrichtet hier seinen Dienst, er ist hauptsächlich für den Bildaufbau verantwortlich. Dabei holt er sich die Bilddaten aus dem für die Bilderzeugung reservierten Teil des Arbeitsspeichers (32 kB) und gibt sie auf dem Monitor aus.



Memory Management Unit (MMU)
Die Speicherverwaltung übernimmt das Multiplexen der Adressen des Arbeitsspeichers, die Selektion des Bildschirmspeichers für den Grafikchip sowie die Selektion eines Arbeitsspeicherbereichs für die DMA. Die MMU befindet sich im Mega STE im GSTMCU-Chip.

GLUE
Dieser Chip hat seinen Namen (zu deutsch Kleber oder Leim) nicht umsonst, denn er hält so ziemlich das ganze System zusammen. Er erzeugt beinahe alle Chip-Select-Signale von Arbeitsspeicher, Festspeicher und der Peripheriechips, die Taktfrequenzen mittels Teilerketten für die ACIAs und den Soundchip, die Synchronisations- und Austastsignale für den Monitor sowie die Signale für die Interruptsteuerung und den DMA-Betrieb. Der GLUE befindet sich im Mega STE im GSTMCU-Chip.

Bitblock-Transfer-Chip (BLITTER)
Der Blitter sorgt für eine wesentlich flüssigere Grafikdarstellung und war eigentlich schon für die allerersten ST-Modelle geplant, jedoch konnte er auf Grund von Schwierigkeiten bei der Entwicklung und bei der Materialbeschaffung erst 1987 fertiggestellt werden.

Anschlussfreudig: Die Schnittstellen des STE
Dem STE stehen zahlreiche Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung:

Atari Mega STE Anschlüsse
Atari Mega STE Anschlüsse rechts
Schnittstelle Ausführung
Floppy Disk DIN-Rundstecker, 14-polig
Monitor DIN-Rundstecker, 13-polig
Television Cinch
Hard Disk D-Sub-Buchse 2-reihig 19-polig
Printer D-Sub-Buchse Typ DB25, 25-polig
Serial 2 D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
Serial 1 D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
Audio R Cinch
Audio L Cinch
Serial D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
LAN Mini-DIN Rundstecker, 8-polig
MIDI Out DIN-Rundstecker, 5-polig
MIDI in DIN-Rundstecker, 5-polig
Cartridge Steckkarte, 40-polig
Keyboard RJ11-Buchse, 6-polig
Maus / Joystick 0 (an der Tastatur) D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
Joystick 1 (an der Tastatur) D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig


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Technische Daten

Prozessor Motorola 68000 (CISC-Architektur), 64 Pins
optional: Coprozessor Motorola 68881/68882
Taktfrequenz und Geschwindigkeit 16 MHz, 2 MIPS
Arbeitsspeicher (RAM) ab Werk 2 oder 4 MB
Festspeicher (ROM) 256 kB
Betriebssystem-Versionen TOS 2.05 (ROM-Datum 05.12.1990)
TOS 2.06 (ROM-Datum 14.11.1991)
Grafikchip Atari Shifter, unterstützt vom Blitter
Auflösungen (Farben) 320 × 200 (16) – Farbmonitor oder Fernseher benötigt
640 × 200 (4) – Farbmonitor oder Fernseher benötigt
640 × 400 (2) – Display oder Monochrom-Monitor
Farbpalette 4096
Soundchip Yamaha YM-2149 oder GI AY-3-8910
Soundkanäle 3 programmierbare Soundgeneratoren (PSG) + Rauschgenerator
Tastatur Schreibmaschine, 85 Tasten + 10 Funktionstasten
interne Laufwerke ab Werk mind. Diskettenlaufwerk 3½″ 720 kB, SCSI-Festplatte 3½″ optional
Ankündigung
Vorstellung September 1990
Im Handel September 1991
Eingestellt August 1992
Neupreis in Deutschland bei Erscheinen

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Peripheriegeräte
Was ist ein Computer ohne die dazugehörige Peripherie? Genau, nutzlos. Für den ST gab es aus dem Hause Atari sogar eine ganze Palette an Peripheriegeräten. Eine Übersicht davon gibt es hier:
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Letzte Bearbeitung: 16. April 2019