Atari XE Game System 

Atari XE Game System

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Entwicklung
Zu den bereits am Markt befindlichen Spielkonsolen → 2600 und → 7800 kam im September 1987 noch das XE Game System dazu. Die Konsole ist vollständig mit den Computern der → XE-Serie kompatibel und kann auch zu einem solchen ausgebaut werden. Nach Aussage von Ataris Kommunikationschef Neil Harris im Mai 1987 war die Konsole gleichermaßen als hochentwickelte Spielkonsole und als Einsteigercomputer gedacht, so wollte Atari mehr Händler für sich gewinnen und die XE-Serie so noch weiter verbreiten. Das System konnte bei Erscheinen bereits auf eine große bestehende Softwarebibliothek zugreifen. Trotzdem war das XE Game System – ebenso wie das zwei Jahre später erschienene Commodore 64GS – nur mäßig erfolgreich. Im Jahr 1989 liefen die letzten Geräte vom Band, außerhalb der Vereinigten Staaten wurde das System dann durch die Konsole 7800 ersetzt.

Atari XE Game System mit Tastatur und Modul Barnyard Blaster

↑ Nach oben


Aufbau und technische Daten
Allgemeines
Beim XE Game System handelt es sich eigentlich lediglich um einen 65XE-Computer, dem die Tastatur sowie der Expansion Bus fehlen.

Prozessor
Zum Einsatz kommt eine Modifikation des weit verbreiteten 6502 von MOS Technologies unter dem Namen SALLY. Der Prozessor kann auf einen Adressraum von 65536 Bytes zugreifen. Der Systemtakt beträgt 1,77 MHz bei PAL-Modellen bzw. 1,79 MHz bei NTSC-Modellen.

Atari SALLY

Spezialchips
Die wichtigeren Chips sind jedoch die drei Spezialbausteine ANTIC, GTIA und POKEY. ANTIC und GTIA erzeugen das Bild, wobei das Betriebssystem oder der Benutzer Daten in die sogenannte Display List hinterlegen müssen. Der GTIA erlaubt das Hinterlegen von maximal acht unabhängigen und jeweils einfarbigen Grafikelementen (Sprites, im Atari-Jargon auch Player oder Missiles genannt). Diese werden gemäß definierbaren Überlappungsregeln in das Hintergrundbild kopiert, das vom ANTIC bereitgestellt wird, und einer Kollisionsprüfung unterzogen. Dabei wird festgestellt, ob eine Berührung der Sprites untereinander oder mit dem Hintergrund vorliegt. POKEY sorgt im Wesentlichen für den guten Ton auf vier Kanälen und kümmert sich auch um die Tastaturabfrage und die SIO-Schnittstelle.

Gehäuse und Anschlüsse
Gestaltet wurde das XE Game System von Atari-Industriedesigner Ira Velinsky, der auch schon die ST- und XE-Computer sowie einige PET-Computer von Commodore entwarf. Links und rechts befinden sich die Anschlüsse für die externe Tastatur (15-polig) sowie die Controller (jeweils neunpolig). Auf der Rückseite befinden sich TV-Anschluss, Audioanschluss, SIO, Monitoranschluss und Netzteilbuchse, dazu der Kanalwahlschalter bei den NTSC-Modellen. Oben sitzen der Modulschacht, vier Funktionstasten und der An-/Ausschalter.

Anschlüsse des XEGS



Technische Daten
Prozessor Atari SALLY
Taktfrequenz 1,79 MHz (NTSC)
1,77 MHz (PAL)
Arbeitsspeicher 64 kB
Festspeicher (ROM) 24 kB
Grafikchips Atari Alpha-Numeric Television Interface Controller (ANTIC) +
Atari Graphics Television Interface Adapter (GTIA)
Auflösungen 80 × 192
160 × 192
320 × 192
Farbpalette 256
Soundchip Atari Potentiometer and Keyboard Integrated Circuit (POKEY)
Soundkanäle 4 PSG
Tastatur Schreibmaschine
57 Tasten + 1 Funktionstaste (extern)
Vorstellung Januar 1987
Im Handel September 1987
Produktion eingestellt 1989
Preis bei Erscheinen in Deutschland

↑ Nach oben


Medien
In erster Linie verwendet das XEGS Steckmodule, hierbei können nahezu alle Module der Computerserien 400/800, XL und XE verwendet werden. Daneben lassen sich über die SIO-Schnittstelle auch Kassetten- und Diskettenlaufwerke anschließen. Bei den Kassetten handelt es sich dann um handelsübliche Musikkassetten, deren Speicherkapazität dann schlicht von der Bandlänge abhängig ist. Bei den Disketten werden üblicherweise die 5¼″-Varianten unterschiedlicher Dichte verwendet, abhängig vom jeweils verwendeten Laufwerk. 3½″-Laufwerke waren zwar in der Entwicklung, wurden aber nie auf den Markt gebracht.
→ Zur Spiele-Übersicht ←

↑ Nach oben


Controller und Zubehör
Hier wird nur auf die für die Funktion als Spielkonsole benötigten Controller und die Tastatur eingegangen, für die übrige XE-Hardware siehe die → XE-Seite.

Atari Standard Joystick (Modell CX40)
Der schon von der 2600-Konsole bekannte und in den 1980er-Jahren zur Ikone der Videospielindustrie stilisierte Atari Standard Joystick wurde im September 1987 mit einem farblich zum XEGS passenden Gehäuse erneut aufgelegt, die Funktionsweise unterscheidet sich nicht von der des schwarzen Modells.

Atari Standard Joystick CX-40


Atari Light Gun (Modell XG-1)
Die in grau gehaltene XG-1 Light Gun wurde im Januar 1987 mit dem XEGS vorgestellt und im September sowohl einzeln als auch in Verbindung mit dem ganzen System vertrieben. Die Light Gun funktioniert wie alle optischen Controller ausschließlich mit Röhrenbildschirmen, da sie über einen Fotosensor die Zeilen abtastet. Der Controller wurde wegen seiner mangelnden Genauigkeit oft kritisiert, findige Spieler bauten sich den Light Phaser vom Sega Master System oder den Zapper vom NES so um, dass diese am XEGS verwendet werden können. Von Atari gibt es nur sieben Spiele mit Light Gun-Unterstützung.

Atari XG-1 Light Gun


Atari XE System Keyboard
Mit dieser Tastatur wird das XE Game System zum vollwertigen Computer. Sie unterscheidet sich technisch nicht von der Tastatur der anderen XE-Modelle, lediglich vier der fünf Funktionstasten sind bereits auf der Konsole enthalten und entfallen somit auf der Tastatur. Das XE Game System merkt, ob eine Tastatur angeschlossen ist oder nicht, dazu wird vom GTIA Pin 11 der Anschlussbuchse abgefragt. Bei nicht angeschlossener Tastatur startet das System mit dem eingebauten Spiel Missile Command, bei eingesteckter Tastatur mit dem BASIC Interpreter.

↑ Nach oben
Letzte Seitenbearbeitung: 21. April 2019