Atari 5200 SuperSystem 

Atari 5200 SuperSystem

Inhaltsverzeichnis
   → Geschichte und Entwicklung
   → Aufbau und technische Daten
   → Modelle
   → Medien
   → Controller und Zubehör

Geschichte und Entwicklung
Das Atari 5200 SuperSystem wurde im Oktober 1982 als Antwort auf die technisch dem → Video Computer System weit überlegenen Spielkonsolen Mattel Intellivision und ColecoVision auf den Markt gebracht. Begonnen wurde mit der Entwicklung des Projekts Personal Arcade Machine (kurz PAM) im November 1981 unter der Federführung von Steve Bristow, der seit Juni 1981 Vice President Advanced Technology war. Eine zuerst angedachte 10-Bit-Spielkonsole unter dem Projektnamen Sylvia (Modellnummer CX-3200) wurde zu Gunsten von PAM wieder verworfen. Bereits im Januar wurde die noch Video System X genannte Konsole auf der Winter CES vorgestellt. Auf der Summer CES 1982 wurde das System erneut vorgestellt, diesmal schon unter der endgültigen Bezeichnung 5200, zeitgleich wurden ein Trackball-Controller, ein Adapter zur Verwendung von VCS-Spielen auf dem 5200 und ein Sprachsynthesizer angekündigt. Die Produktion startete im August 1982 in der Fabrik an der 1215 Borregas Avenue in Sunnyvale, die ersten Geräte wurden zusammen mit zwei Joysticks und dem Spiel Breakout im Oktober 1982 an den Handel ausgeliefert. Etwa zu dieser Zeit wurde dann auch entschieden, das VCS nicht auslaufen zu lassen, sondern parallel zum 5200 zu verkaufen. Weitere erhältliche Spiele bei Erscheinen waren Galaxian, Space Invaders, Missile Command und Star Raiders. Im Januar wurde die Produktion in El Paso als zweiten Standort aufgenommen, später wurde die Konsole dann auch bei ATMC in Taiwan gefertigt. Ein weltweites Erscheinen der Konsole wurde durch den Video Game Crash in Nordamerika verhindert, der Atari im Jahr 1983 mit voller Wucht traf. Die Produktion wurde im September 1983 dann komplett nach Taiwan verlagert. Bis zur Einstellung im Februar 1984 verkaufte sich die Konsole etwa eine Million Mal. Offiziell vom Markt genommen wurde das System am 21. Mai 1984, Spiele wurden noch bis etwa 1987 produziert.

Aufbau und technische Daten
Allgemeines
Das 5200-System ist im Prinzip nichts anderes als ein modifizierter → 400-Computer ohne Tastatur, ganz ähnlich wie der 400 eigentlich ab August 1977 unter dem Projektnamen Candy geplant war, als man erste Überlegungen zu Anwendungsmöglichkeiten des Grafikchips Stella A/N (dem späteren ANTIC) anstellte. In der Konsole arbeiten der Hauptprozessor SALLY sowie die schon von den Computermodellen bekannten Spezialchips ANTIC, GTIA und POKEY, dazu verfügt das 5200 über 16 kB Arbeitsspeicher. Die Verbindung zum Spieler gewährleisten vier, später nur noch zwei fünfzehnpolige Controlleranschlüsse an der Vorderseite. Beim Anschluss an den Fernseher und bei der Stromversorgung unterscheiden sich die beiden erschienenen 5200-Modelle erheblich (siehe Abschnitt → Modelle). In einigen Punkten unterscheidet sich die Architektur der Konsole jedoch wesentlich von der der Computer, so besitzt das 5200 statt dem 10 kB-Betriebssystem-ROM nur ein 2 kB-Boot-ROM, bei dem ein Kilobyte bereits vom Zeichensatz belegt wird. Wichtige Register der Spezialchips POKEY und GTIA sind an völlig anderer Stelle zu finden, was die Konsole damit inkompatibel zu den Computern macht. Zudem benutzt die Spielkonsole zur Eingabe analoge Controller, die Computer jedoch hauptsächlich digitale Controller.

Chips
Als Prozessor kommt Atari SALLY zum Einsatz, ein Derivat auf Basis des MOS Technology 6502-Prozessors. SALLY kann auf einen Adressraum von 65536 Bytes zugreifen und ist mit 1,79 MHz getaktet. Der Unterschied von SALLY zum Standard-6502 liegt in den Pins 35 und 36, diese sind beim Original nicht belegt, beim Atari-Modell liegt auf Pin 35 ein HALT-Signal an und auf Pin 36 ein zweites Lese-/Schreibsignal. Die wichtigeren Chips sind jedoch die schon von den Atari-Heimcomputern bekannten Custom-Chips POKEY, ANTIC und GTIA. Letztere erzeugen das Bild, wobei das System oder der Programmierer Daten in der sogenannten Display List hinterlegen müssen. GTIA erlaubt das Hinterlegen von maximal acht unabhängigen und jeweils einfarbigen Grafikelementen (den sogenannten Sprites, bei Atari auch gerne Player oder Missile genannt). Diese werden gemäß definierbaren Überlappungsregeln in das Hintergrundbild kopiert, das vom ANTIC bereitgestellt wird, und einer Kollisionsprüfung unterzogen. Dabei wird festgestellt, ob eine Berührung der Sprites untereinander oder mit dem Hintergrund vorliegt. Beide Chips zusammen erzeugen somit eine für damalige Verhältnisse unbekannte Flexibilität in der Darstellung. POKEY sorgt im Wesentlichen für den guten Ton auf vier Kanälen. Alles zusammen sorgt für eine Reduktion benötigter Chips in der Konsole und somit auch für eine Platz- und Kostenersparnis. Die Konstruktionspläne der Chips wurden nie veröffentlicht, so dass die damals gängige Praxis von zumeist illegalen Kopien zumindest wirtschaftlich nicht rentabel war.

Gehäuse
Für das Gehäusedesign zeichnet sich der Industriedesigner Regan Cheng verantwortlich, der auch schon die Gehäuse für die XL-Serie entworfen hat. Das Gehäuse ist vergleichsweise riesig, etwa vergleichbar mit der 2001 erschienenen Microsoft Xbox und damit doppelt so groß wie das VCS. Es beinhaltet neben der Elektronik auch noch einen Stauraum für maximal zwei Joysticks vom Typ CX-52, der mit einer semitransparenten Klappe versehen ist, sowie eine Aufwickelmöglichkeit für Kabel an der Unterseite des Gerätes. Links hinten sitzt zudem der Zugang zum ERweiterungsanschluss der Konsole.

Technische Daten
Prozessor Atari SALLY
Taktfrequenz 1,79 MHz
Arbeitsspeicher 16 kB
Modulgröße max. 32 kB
Grafikchips Atari ANTIC + Atari GTIA
Auflösung 320 × 200
Farbpalette 256 (8-16 gleichzeitig)
Sprites 8
Soundchip Atari POKEY
Soundkanäle 4 PSG
Controllerports 4, spätere Versionen 2

Modelle
5200 mit 4 Controllerports / Video System X / Personal Arcade Machine (PAM)
Das im Oktober 1982 erschienene Modell unterscheidet sich von seinem Nachfolger nur sehr wenig. Es besitzt wie die Computermodelle 400 und 800 vier Controlleranschlüsse – und dazu eine etwas kuriose Art, den Strom in das Gerät hinein- und das Bildsignal herauszuführen: Zur Konsole gehört eine Umschaltbox, wie sie damals bei vielen Geräten üblich war. Unüblich war jedoch, dass der Strom über diese Umschaltbox in die Konsole eingespeist wird. In der Entwicklungsphase zwischen November 1981 und Juni 1982 hieß die Konsole noch Video System X.

Atari 3200 Sylvia – Bild: atarimuseum.com


5200 mit 2 Controllerports
Diese Art der Stromversorgung wurde mit dem im Juni 1983 erschienenen Modell wieder abgeschafft und das Netzteil kann ganz normal direkt an der Konsole eingesteckt werden – die Umschaltbox wurde dann auch nicht mehr mitgeliefert. Die Anzahl der Controlleranschlüsse wurde auf zwei reduziert. Ansonsten gibt es keinen Unterschied zum 1982er-Modell.

Atari 5200


Unveröffentlicht: 5100 (5200 Junior)
Auf Grund des wegen seiner Größe von einigen Spielern bemängelte Gehäuses gab es 1983 Überlegungen, den Stauraum für die Joysticks wegzulassen und allgemein das Gehäuse zu verkleinern. Die Konsole sollte entweder als Atari 5100 oder als Atari 5200 Junior angeboten werden. Das Vorhaben wurde aus unbekannten Gründen eingestellt.

Atari 5100
Bild mit freundlicher Genehmigung von atarimuseum.com


Unveröffentlicht: 3200 Super-Stella / Sylvia / Video System X
Die ursprünglich geplante 10-Bit-Konsole 3200 hat mit der 5200-Konsole bis auf die Marke so gar nichts gemeinsam. Dennoch wurden einige Elemente wie das Design der Joysticks und der ursprünglich angedachte Name Video System X später von PAM bzw. der 5200-Konsole übernommen. Außer einer gerenderten Zeichnung und einigen Joystick-Prototypen existiert von der Konsole nichts.

Atari 3200 Sylvia – Bild: atarimuseum.com
Bild mit freundlicher Genehmigung von atarimuseum.com


Medien
Die Konsole arbeitet ausschließlich mit Steckmodulen mit einer Speichergröße von maximal 32 kB und einer 36-poligen Kontaktleiste. Meist befindet sich an den sehr griffig gestalteten Modulgehäusen (wie die Konsole ebenfalls von Regan Cheng entworfen) auf der Rückseite ein Einschub zur Aufbewahrung der Overlays für die Joystick- oder Trackball-Controller. Bei den Etiketten gibt es zwei leicht unterschiedliche Variationen: Die erste Version hat den Namen des Spiels auf einem durchgezogenen blauen Streifen über dem Bild, die zweite Version hat den Namen oder das Logo des Spiels direkt im Bild stehen. Wie beim 2600 auch wurden die Module, die ab 1986 von der Atari Corporation produziert wurden, nicht mehr mit einem glänzenden Etikett ausgeliefert, sondern aus Köstengründen mit einem einfachen grauen Etikett.

Atari 5200 Qix (CX-5212) Atari 5200 Berzerk (CX-5221)

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Controller und Zubehör

Atari 5200 Joystick (Modell CX-52)
Atari CX-52 Joystick Der Standard-Joystick der 5200 ist im Gegensatz zum digitalen Modell CX-40, das dem VCS beigelegt wird, ein analoger 360°-Joystick mit numerischem Tastenfeld, drei Funktionstasten und vier Feuerknöpfen. Der Joystick wurde oft kritisiert, da diesem die Selbstzentrierung fehlt und er zuweilen auch recht schlampig verarbeitet wurde. Vielen 5200-Spielen liegen Overlays bei, die einfach über das Tastenfeld gelegt und oben und unten mit jeweils zwei Laschen gehalten werden. Ein überarbeitetes selbstzentrierendes Modell schaffte es nicht mehr auf den Markt.



Atari 5200 Trak-Ball Controller (Modell CX-53)
Atari CX-53 Trak-Ball Controller Bereits im Sommer 1982 angekündigt, wurde der Trak-Ball Controller im Januar 1983 auf der Winter CES vorgestellt und im Juni 1983 in den Handel gebracht. Ausgestattet ist er mit einer Trackball-Elektromechanik, bei der die Bewegung des Balls auf zwei Walzen übertragen wird. An deren Ende sitzen kleine Räder, deren Bewegungen von Lichtschranken erfasst und an die Konsole weitergegeben wird. Das gleiche Prinzip nutzen auch die bis in die 2000er-Jahre gebräuchlichen Rollkugel-Mäuse. Daneben besitzt der Controller gleich zwei Tastenfelder, drei Funktionstasten und vier Feuertasten. Der Controller wurde zeitgleich mit der Konsole im Februar 1984 eingestellt, gerüchteweise sollen die Trackball-Kugeln von anderen Firmen zu Schaltknäufen oder Lottokugeln weiterverarbeitet worden sein.

Atari VCS Cartridge Adaptor (Modell CX-55)
Atari CX-55 VCS Cartridge Adapter Dieser Adapter, mit dem sich VCS-/2600-Spiele auf der 5200 abspielen lassen, kam im August 1983 auf den Markt, nachdem die Mitbewerber Mattel und Coleco bereits ähnliche Adapter für ihre Spielkonsolen im Sortiment hatten. Neben dem 2600-Modulschacht besitzt es zwei neunpolige Controlleranschlüsse und die Funktionsschalter des VCS (Select, Reset, Schwierigkeitsgrade). Im Inneren des Adapters befinden sich die VCS-Chips 6507, PIA und TIA. Das Design des Moduls ist nicht ganz optimal, doch für eine bessere Version, deren Gehäuse beispielsweise zum Gehäuse der Spielkonsole hin abgewinkelt ist oder die hinten am Erweiterungsbus eingesteckt werden könnte, fehlte wohl die Zeit oder das Geld. Es funktioniert zudem nur mit dem neueren Modell der 5200 mit zwei Controlleranschlüssen, beim Modell mit vier Anschlüssen muss erst eine Modifikation vorgenommen werden. Ein weiterer Adapter, der 7800-Spiele auf der 5200 spielbar machen sollte, befand sich 1984 in der Entwicklung, wurde aber wieder gestrichen.

Atari 5200 Voice Controller (unveröffentlicht)
Ebenso wie für das VCS sollte Milton Bradley für die 5200-Konsole ein Sprachcontroller-Modul entwickeln. Die Zusammenarbeit zwischen Atari und Milton Bradley wurde jedoch im Juli 1983 abrupt beendet, ohne dass man mit dem Controller nennenswerte Fortschritte gemacht hatte.

Atari 5200 Paddle Controller (unveröffentlicht)
Atari 5200 Paddle Controller Auf Basis des CX-52 Joysticks wurde auch ein Paddle-Controller entwickelt, der es allerdings nicht zur Marktreife schaffte. Es existieren auch keine Spiele mit expliziter Paddle-Unterstützung.
Bild: atarimuseum.com


Atari 5200 Paddle and Joystick-Controller (unveröffentlicht)
Atari 5200 Paddle Controller Wie beim Sears Video Arcade II bzw. Atari 2800 sollte es einen Controller geben, der Paddle und Joystick in einem Gerät vereinigt. Das von Linda Whitten gestaltete Modell weist im Gegensatz zu allen anderen 5200-Controllern kein Tastenfeld und keine Funktionstasten auf.



Atari 5200 Kid's Controller (unveröffentlicht)
Atari 5200 Kid's Controller Auch hier sollte ein weiterer VCS-Controller zur 5200 umgesetzt werden. Overlays wurden für die Spiele Alpha Beam With Ernie und Cookie Monster's Garden angefertigt. Aus technischer Sicht handelt es sich bei diesem Controller schlicht um den CX-52 ohne den Joystick und die Feuertasten.




Letzte Bearbeitung: 21. Oktober 2018