Atari XL-Serie 

Atari XL

Inhaltsverzeichnis

Geschichte
Mit den Arbeiten an Nachfolgern für die Heimcomputer 400 und 800 begann man im zweiten Quartal des Jahres 1981. Übernommen wurde die Entwicklung zunächst vom externen New Yorker Forschungslabor Steve Mayer's Research Lab, welche dem Projekt Liz die vorläufige Modellnummer Z800 verliehen. Im Februar 1982 wurde der Arbeitsspeicher von Ataris Marketingabteilung auf 16 kB festgelegt und Liz in Sweet-16 umbenannt. Zwei der bislang vier vorhandenen Controller-Anschlüsse wurden dabei gestrichen. Neue Steckmodule sollten 16 kB Festspeicher enthalten, wodurch die Notwendigkeit eines zweiten Modulschachts für manche Programme wie beim 800 entfiel. Auch das Betriebssystem sollte nun so angepasst werden, dass es unabhängig von jeder Fernsehnorm funktioniert. Durch die von der Federal Communications Commission nach Protesten mehrerer Hardwarehersteller stark gelockerten Funkentstörungsvorschriften war es nun möglich, alle bisher vorhandenen Platinen auf eine einzige Platine zusammenzufassen, die massive Aluminium-Druckguss-Abschirmung durch ein einfaches Blech zu ersetzen und es konnte auf das bislang notwendige, aber aufwändige Verschlusssystem des Modulschachts verzichtet werden. Letztlich wurden Sweet-16 doch noch zeitgemäßere 64 kB Arbeitsspeicher zugestanden, nachdem der 800 bereits nur noch mit der Maximalkonfiguration mit 48 kB RAM ausgeliefert wurde, dafür wurde aber der teure neuentwickelte Erweiterungsport gestrichen. Im Juli 1982 war man mit den Arbeiten soweit, dass die Vorbereitungen zur Serienproduktion anlaufen konnten und der Rechner der FCC zur Abnahme der elektromagnetischen Verträglichkeit übersendet werden konnte – diese erfolgte dann im November 1982. Das Design zur XL-Serie stammt von Industriedesigner Regan Cheng. Im Gegensatz zu den schreibmaschinenähnlich aufgebauten Vorgängermodellen sollte sich das flache XL-Gehäuse besser in ein High-Tech-Wohnzimmer der 1980er Jahre einfügen. Zwischenzeitlich benannte man Sweet-16 erst in Atari 1000 um, dann sollte es plötzlich zwei Modelle geben (1200 mit 16 kB RAM und 1200X mit 64 kB). Schließlich einigte man sich dann doch auf ein Modell mit 64 kB und die Modellnummer 1200XL. Aufgrund interner Kommunikationsprobleme wurde die endgültige Nummerierung aber nicht an alle Abteilungen weitergegeben, sodass die Peripheriegeräte nach dem Atari 1000 benannt wurden. Am 13. Dezember 1982 wurde der 1200XL im New Yorker Hotel Plaza auf einer Pressekonferenz erstmals als Nachfolger des Atari 800 vorgestellt, der aber noch einige Zeit parallel dazu vermarktet werden sollte. Ab März 1983 war der 1200XL dann in den USA zum relativ hohen Preis von 899 Dollar erhältlich, vorwiegend wurde er an große Ketten wie J.C.Penney, K-mart und Sears ausgeliefert. Die Produktion der ersten Serie (ca. 78.500 Geräte) fand noch im Stammwerk in Sunnyvale statt, die übrigen 26.500 produzierten Geräte wurden ab April 1983 bei ATMC in Taiwan gefertigt. Grund für die Verlegung der Produktion waren die stark gestiegenen Speicherpreise zu dieser Zeit, rund vierzig Prozent der Herstellungskosten entfielen allein auf die Beschaffung des Arbeitsspeichers. Jedoch stellte sich schnell heraus, dass der 1200XL zu seinem Vorgänger teilweise inkompatibel war. Schuld war das neue Betriebssystem XL-OS: Bei Änderungen am System wurden ganze Bereiche in andere Speicheradressen verschoben und konnten nun von einiger auf die Modelle 400 und 800 ausgelegte Software nicht mehr gefunden werden. Zwar wurden von Atari Vorkehrungen getroffen, dass die Kompatibilität gewahrt bliebe, doch die meisten unabhängigen Programmierer nutzten diese entweder aus Kopierschützgründen oder aus Unwissenheit nicht. Marketingtechnisch gesehen war dies natürlich ein Desaster, blieb doch der 1200XL daraufhin bei den Händlern in den Regalen liegen und die Kunden hielten sich lieber an das alte Modell. Nur vier Monate nach Verkaufsstart wurde daher der 1200XL vom Markt zurückgezogen und die Modelle 600XL und 800XL vorgestellt.

Vorgenannte Modelle wurden seit März 1983 unter der Leitung von Mark Lutvak entwickelt, der 600XL sollte dabei die Nachfolge des 400 antreten. Die beiden Computer wurden bei Atari zunächst unter den Bezeichnungen Crazy-8, S-8 und Surely geführt, bevor sie ihre endgültigen Modellbezeichnungen erhielten. Wie schon beim 1200XL wurde der ursprüglich eingesetzte 6502 durch eine angepasste Version namens SALLY ersetzt – ein Speicherverwaltungschip namens FREDDIE wurde zwar entwickelt, aber aus produktions- und entwicklungstechnischen Gründen erst ab Sommer 1984 im 800XL verbaut. Erstmals wurde das BASIC (hier in der Revision B) im Computer integriert und musste nicht mehr als Zusatzmodul eingesteckt werden, der beim 1200XL eher ungünstig gelegene Modulschacht wurde bei den beiden Modellen wieder auf der Oberseite angebracht. Auf der Summer CES 1983 wurde Surely dann als 600XL, Surely Plus als 800XL der Öffentlichkeit vorgestellt. Die direkte Konkurrenz zum 600XL stellten vor allem Sinclairs ZX Spectrum und der Commodore VC-20 dar, die des 800XL bestand vorwiegend aus Jack Tramiels Commodore 64 und dem Apple II. Die FCC gab beide Modelle im Juli frei und die Produktion konnte nach Fertigstellung aller Entwicklungsarbeiten schließlich im August anlaufen. Im September wurden PAL-Modelle zuerst in London vorgestellt, später auch auf der Internationalen Funkausstellung in West-Berlin. Die französischen SECAM-Varianten wurden im Oktober in Cannes präsentiert. Ende November 1983 wurden die beiden Rechner endlich auf den Markt gebracht. Die Werbung für den 600XL richtete sich hauptsächlich an Anwender mit schmalem Geldbeutel und an Kinder und Jugendliche. Eine Schlüsselrolle beim Marketing der XL-Serie hatte hierbei der für die Werbespots verpflichtete Schauspieler Alan Alda, unter anderem bekannt aus der Kriegsserie M*A*S*H. Im Januar 1984 wurden die Preise der beiden Geräte um jeweils 40 Dollar angehoben mit der Begründung, man wolle den ruinösen Preiskampf in der Branche beenden und fortan nur noch kostendeckend verkaufen. Zeitgleich wurden verschiedene Pakete in den Handel gebracht, so gab es das Atari Writing System (bestehend aus 600XL, dem Drucker 1027 und der Software Atari Writer), das Atari Programming System (600XL mit Kassettenlaufwerk 1010) und das Atari Entertainment System (600XL und zwei Spiele). Atari beteiligte sich dann durch groß angelegte Marketingbemühungen als alleiniger Sponsor für Homecomputer und Videospiele an den Olympischen Sommerspielen 1984 und erhielt somit auch das Recht, sämtliche Olympia-Logos und -Bezeichnungen für ihre Produkte einsetzen zu dürfen. Erst im April 1984 waren die beiden Computer dann in Westeuropa erhätlich, in Frankreich musste man wegen der Anpassung auf die SECAM-Fernsehnorm sogar bis Juni 1984 warten. Die Verkaufszahlen des 600XL waren da bereits wieder rückläufig und Gerüchte machten die Runde, Atari würde das Modell zu Gunsten des 800XL einstellen – das Erscheinen der neuen Spielkonsole 7800 trug ihr übriges dazu bei. Tatsächlich wurde der 600XL zwei Monate nach der Übernahme durch Tramel Technologies im Juli 1984 eingestellt. Der Preis des 800XL wurde nach der Übernahme wiederholt drastisch gesenkt und von massiven Marketingkampagnen begleitet, dennoch konnte er sich gegen den Platzhirsch Commodore 64 (der ironischerweise 1982 vom neuen Atari-Boss Jack Tramiel selbst auf den Markt gebracht wurde) nicht behaupten, er lag auf Platz 3 der meistverkauften Computer. Zum Vergleich: In Westdeutschland lag der Marktanteil des Commodore 64 im Jahr 1985 bei vierzig Prozent, der des 800XL lediglich bei sechs Prozent. Im September 1985 wurde der 800XL in den Niederlanden zum offiziellen Schulcomputer ausgewählt, im November die Produktion jedoch eingestellt – das Nachfolgemodell 65 XE war da bereits außerhalb der USA auf dem Markt. Ein Revival erlebte der 800XL dann aber in Osteuropa, da Ende 1984 die Exportbeschränkungen für Hochtechnologiegüter in den sozialistischen Ostblock gelockert wurden. Der 800XL erfreute sich danach besonders in Polen, der Tschechoslowakei und der DDR hoher Beliebtheit, in Polen erreichte er sogar die Marktführerschaft vor dem ZX Spectrum. In der DDR war der 800XL der erste offiziell importierte westliche Heimcomputer. Auch im Westen stiegen die Verkaufszahlen nach Einstellung der Produktion und der damit verbundenen nochmaligen Preissenkung merklich an, allein in der Bundesrepublik wurden 1986 eine halbe Million XL-Computer verkauft. Da die Produktion des XE die außergewöhnlich hohe Nachfrage nicht decken konnte, wurde der 800XL ab Juli 1988 zusätzlich zum XE erneut produziert. Im Sommer 1988 war ein fabrikneuer 800XL mit Kassettenlaufwerk XC 12 dann für gerade einmal 198 DM zu haben. Erneut eingestellt wurde der 800XL dann zusammen mit allen verbliebenen 8-Bit-Geräten zum Jahresende 1991.

Im Gegensatz zur Serie 400/800 gab es aber bei der XL-Serie einige Computer, die es nicht auf den Markt geschafft haben. Diese wurden speziell für professionelle Anwender entwickelt. Darunter fallen der 1400XL, der im Grunde ein 800XL mit Modem im Gehäuse des 1200XL ist, 850XLD und 1450XLD mit integriertem Diskettenlaufwerk, die Modelle 1600XL und 1650XLD (beides XL-Computer mit integriertem Hardwareemulator eines 80186-Computers) und der 1850XL auf Basis des von der Firma Amiga entwickelten Projekts Lorraine. Der 1400XL fiel im Juli 1983 durch die Prüfung zur elektromagnetischen Verträglichkeit und wurde dann zu Gunsten des 1450XLD eingestellt. Dieser wiederum wurde zuerst vom neuen CEO James Morgan im September 1983 gestoppt, taucht aber in den Planungen für die Jahre 1984 und 1985 erneut auf und wurde sogar auf der Summer CES 1984 erneut vorgestellt – nur um dann vom neuen Inhaber Jack Tramiel endgültig eingestellt zu werden. Von den anderen Modellen existieren nicht mehr als Designstudien und handschriftliche Notizen.


Modelle
1200XL
Das Urmodell der XL-Serie wurde ab 1981 entwickelt und durchlief verschiedene Bezeichnungen (Liz, Z800, 1000, 1200X), bevor man sich auf 1200XL festlegte. Abkömmling des 1200X sollte der 1200 werden, der statt mit 64 nur mit 16 kB ausgeliefert werden sollte, was selbst für 1982 schon recht wenig Arbeitsspeicher war. Ein weiteres Modell sollte der 1200XLS werden, dessen einziger Unterschied zum 1200XL darin zu bestehen scheint, dass die Oberfläche geriffelt ist und sich der Modulschacht auf der Oberseite befindet. Der 1200XL wurde am 13. Dezember 1982 in New York erstmals vorgestellt und kam ab März 1983 in den Handel. Durch sein neues Betriebssystem, welches in einigen Teilen zum Vorgängermodell 800 völling inkompatibel war, war der Computer aber bei den Anwendern nicht allzu beliebt und er wurde nach nur 105.000 produzierten Geräten Ende Juli 1983 bereits wieder eingestellt. Das Modell wurde nur in Nordamerika vertrieben und ist daher nur als NTSC-Version zu haben.

600XL
Dieses ab März 1983 entwickelte Modell wurde im Juni 1983 auf der Summer CES vorgestellt und erschien als Nachfolger des 400 im November 1983 auf dem nordamerikanischen Markt, nach Europa gelangte der Computer im Frühjahr 1984. Er weist mit nur 16 kB einen für diese Zeit schon knapp bemessenen Arbeitsspeicher auf, unterscheidet sich aber ansonsten nicht vom größeren Modell 800XL. Nach der Übernahme der Atari Consumer-Abteilung durch die Tramiels wurde das Modell im Juli 1984 eingestellt, da er mit der Ausstattung als nicht mehr zeitgemäß galt. Prototypen dieses Modells waren in orange oder komplett in braun mit einer nach hinten hin geriffelten Oberfläche gehalten, auch die Modellbezeichnung stand ganz zu Anfang noch nicht fest, der Computer hieß zuerst nur Shirley, dann 600, bevor man sich auf 600XL festlegte.

800XL
Dieses Modell wurde zusammen mit 600XL, 1400XL und 1450XLD auf der Summer CES 1983 als Nachfolger des unbeliebten 1200XL präsentiert und war ab Dezember 1983 in Nordamerika zu haben, Europäer mussten sich noch bis Frühjahr 1984 gedulden, den dortigen Nachfolger des 800 kaufen zu können. Wie bei den anderen Modellen wurde der originale 6502 durch das hauseigene Modell SALLY ausgetauscht, welches auf dem 6502 aufbaut. Ab Sommer 1984 wurde der 800XL zudem mit dem Speicherverwaltungschip FREDDIE ausgeliefert (interne Modellbezeichnung 800XLF), eine kostenreduzierte Version unter der Bezeichnung 800XLCR erschien jedoch nicht auf dem Markt. Im April 1985 wurde die Produktion des Computers eingestellt, in einigen Ländern war bereits der Nachfolger 65XE zu haben – der für den amerikanischen Markt produzierte Vorrat sollte allerdings noch etwa ein Jahr reichen. Im März 1988 wurde die Produktion des Modells auf Grund der stark steigenden Nachfrage in den Ostblockländern, die der 800XE nicht vollständig abdecken konnte, wieder aufgenommen, ab Sommer gab es neue 800XL samt Kassettenlaufwerk XC12 zu kaufen, in dieser Konfiguration wurde der Computer noch bis etwa 1993 ausgeliefert.

1400XL (nicht erschienen)
Hier handelt es sich im Prinzip um einen 800XL im Gehäuse eines 1200XL mit eingebautem 300baud-Modem (vergleichbar mit dem externen Modem 1030), es sollte das erste Modell der professionellen XL-Baureihe werden, die jedoch komplett verworfen wurde. Der 1400XL wurde der FCC zur Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit vorgelegt, bestand diese im Juli 1983 jedoch nicht. Anstatt das Modell zu überarbeiten, wurde es anschließend zu Gunsten des 1450XLD fallengelassen.

1450XLD (nicht erschienen)
Auch hier ist der 800XL die Basis, es gibt allerdings zwei technisch unterscheidbare Versionen des 1450XLD. Die erste wurde zusammen mit 600XL, 800XL und 1400XL auf der Summer CES 1983 präsentiert, durch den neuen CEO James Morgan allerdings eingestellt. Die Entwicklung der zweiten Version (Codename Tong) wurde jedoch schon kurz danach begonnen (handschriftliche Notizen vom Dezember 1983 existieren hierzu) und hatte ihre Premiere auf der Summer CES 1984, sie sollte im Lauf des Jahres 1985 auf den Markt kommen. Diesem Modell machte jedoch die Übernahme der Consumer Division durch die Tramiels einen Strich durch die Rechnung. Beide Modelle haben das gleiche Gehäuse, in dem auch maximal zwei Diskettenlaufwerke und ein 300 Baud-Modem Platz finden sollten. Auch eine kostenreduzierte Version unter der Bezeichnung 850XLD wurde wieder verworfen. Ein paar wenige funktionsfähige Geräte wurden offenbar an Softwareentwickler ausgegeben, bevor die Entwicklung eingestellt wurde.

1600XL (nicht erschienen)
Dieses Modell ist ein Hybrid aus einem XL-Computer mit 6502-Prozessor und einem IBM-Kompatiblem Computer mit 8088-Prozessor, es lief intern unter dem Projektnamen Shakti. Entwickelt wurde der Computer ab April 1983 von der Special Projects Division unter Federführung von Jim Tittsler und in Zusammenarbeit mit dem japanischen Elektronikspezialisten Toshiba. Im September 1983 wurde er vom neuen CEO James Morgan zurückgestellt und im Dezember 1983 endgültig fallengelassen. Teile des Entwurfs finden sich 1987 im Atari PC1 wieder, der von Tittsler mitentwickelt wurde.

1850XLD (nicht erschienen)
Dieser Computer gehört nur auf Grund seiner Modellbezeichnung in diese Serie, im Grunde ist er die frühe Version eines Computers mit dem von Amiga entwickelten Lorraine-Chipsatz. Dieser hätte laut der Lizenzvereinbarung mit Amiga frühestens im Sommer 1985 veröffentlicht werden können. Mehr dazu in der Sektion → Sierra, Gaza & Co..

Bilder
Atari 600XL Atari 800XL Atari 1200XL
Atari 1400XL

Bild © computer-history.org
Atari 1450XLD Atari 1600XL (Designstudie Juli 1983)

Bild © atarimuseum.com

Nach oben



Aufbau
Größter Unterschied zu den Vorgängermodellen ist, dass alle Komponenten nun von verschiedenen auf eine einzige Platine zusammengefasst wurden. Beim SIO-Anschluss fehlen auf Pin 10 die +12V, was ab diesem Modell die Regel wurde.

Zum 1200XL gibt es noch ein paar wichtige Details: Beim SIO-Port fehlen auf Pin 12 die +5V, was beim 1200 XL einzigartig ist.

Lampen L1 und L2: Diese sind im Normalfall beide aus - sollten sie leuchten, dann bedeutet: Funktionstasten:
Atari 1200XL Mainboard Atari 600XL Mainboard Atari 800XL Mainboard

Prozessor
Zum Einsatz kommt eine Modifikation des weit verbreiteten 6502 von MOS Technologies unter dem Namen SALLY. Der Prozessor kann auf einen Adressraum von 65536 Bytes zugreifen. Der Systemtakt beträgt 1,77 MHz bei PAL-Modellen bzw. 1,79 MHz bei NTSC-Modellen.

MOS 6502 Prozessor (Atari-Teilenr. C014806)

Spezialchips
Die wichtigeren Chips sind jedoch die drei Spezialbausteine ANTIC, GTIA und POKEY. ANTIC und GTIA erzeugen das Bild, wobei das Betriebssystem oder der Benutzer Daten in die sogenannte Display List hinterlegen müssen. Der GTIA erlaubt das Hinterlegen von maximal acht unabhängigen und jeweils einfarbigen Grafikelementen (Sprites, im Atari-Jargon auch Player oder Missiles genannt). Diese werden gemäß definierbaren Überlappungsregeln in das Hintergrundbild kopiert, das vom ANTIC bereitgestellt wird, und einer Kollisionsprüfung unterzogen. Dabei wird festgestellt, ob eine Berührung der Sprites untereinander oder mit dem Hintergrund vorliegt. POKEY sorgt im Wesentlichen für den guten Ton auf vier Kanälen und kümmert sich auch um die Tastaturabfrage und die SIO-Schnittstelle.

Atari POKEY C012294 Atari ANTIC C012296D Atari GTIA C014805

Schnittstellen
Neben den zwei neunpoligen Controllerschnittstellen, dem HF-Antennenanschluss, dem Monitorport und dem Parallel Bus Interface (PBI), welches eine direkte Verbindung zum Prozessor darstellt (nicht im 1200XL enthalten) ist die wohl wichtigste Schnittstelle der 8-Bit-Computer von Atari die SIO-Schnittstelle (SIO = Serial Input/Output), sie dient zum Betrieb von intelligenten Peripheriegeräten, die mittels Identifikationsnummern auseinandergehalten werden. Hierbei kommt ein spezielles Übertragungsprotokoll und ein einzigartiger Stecker zum Einsatz. Peripheriegeräte werden in einer Kette hintereinander an die SIO-Schnittstelle angeschlossen (sogenanntes „Daisy Chaining“), wobei manche Geräte als SIO-Endglied ausgeführt sind. Bei den Geräten mit zwei SIO-Buchsen dient eine der Kommunikation des Gerätes mit dem Computer (Serial Bus Input), die andere zum Anschluss und zur Verwaltung eines weiteren Gerätes (Serial Bus Extender). Entwickelt wurde die Schnittstelle von Joe Decuir, der Jahre später auch am USB-Standard mitarbeiten wird.
Atari 1200XL, Rückseite Atari 1200XL, linke Seite Atari 600XL
Atari 800XL, Rückseite Atari 800XL, rechte Seite Atari 1400XL
Atari 1450XLD

Nach oben


Technische Daten
Prozessor Atari SALLY (Variante des MOS 6502)
Taktfrequenz 1,79 MHz (NTSC)
1,77 MHz (PAL)
Arbeitsspeicher ab Werk (RAM) 16 kB (600XL)
64 kB (alle anderen Modelle)
Festspeicher (ROM) 16 kB (1200XL)
24 kB (alle anderen Modelle)
Betriebssystem Atari XL-OS
Grafikchips Atari Alpha Numeric Television Interface Controller (ANTIC)
Atari Graphics Television Interface Adapter (GTIA)
Auflösungen Grafikstufe 0: 40×24 Pixel, 2 Farben
Grafikstufe 1: 20×24 Pixel, 5 Farben
Grafikstufe 2: 20×12 Pixel, 5 Farben
Grafikstufe 3: 40×24 Pixel, 4 Farben
Grafikstufe 4: 80×48 Pixel, 2 Farben
Grafikstufe 5: 80×48 Pixel, 4 Farben
Grafikstufe 6: 160×96 Pixel, 2 Farben
Grafikstufe 7: 160×96 Pixel, 4 Farben
Grafikstufe 8: 320×192 Pixel, 2 Farben
Grafikstufe 9: 80×192 Pixel, 16 Farben
Grafikstufe 10: 80×192 Pixel, 9 Farben
Grafikstufe 11: 80×192 Pixel, 16 Farben
Farbpalette 256
Soundchip Atari Potentiometer and Keyboard Integrated Circuit (POKEY)
Soundkanäle 4 PSG
Tastatur Schreibmaschine, 57 Tasten + 5 Funktionstasten (600XL + 800XL)
Schreibmaschine, 57 Tasten + 11 Funktionstasten (1200XL, 1400XL, 1450XLD)
Entwicklungsbeginn 2. Quartal 1981 (1200XL)
März 1983 (600XL, 800XL, 1400XL, 1450XLD)
Ankündigung Dezember 1982 (1200XL)
Vorstellung 13. Dezember 1982 (1200XL)
Juni 1983 (600XL, 800XL, 1400XL, 1450XLD)
Im Handel März 1983 (1200XL)
November 1983 (600XL, 800XL)
August 1988 (800XL, erneut)
Einstellung der Produktion Juli 1983 (1200XL)
September 1984 (600XL)
November 1985 (800XL, erneut Dezember 1991)
Neupreis 899 $ (1200XL, USA, 3/83)
199 $ (600XL, USA, 11/83)
299 $ (800XL, USA, 11/83)

549 DM (600XL, D, 4/84)
798 DM (800XL, D, 4/84)

Nach oben


Peripherie
Massenspeicher
1010
Hauptunterschied des im Dezember 1982 vorgestellten und im März 1983 erschienenen Kassettenlaufwerks 1010 zum Vorgänger → 410 ist, dass das Laufwerk diesmal nicht als SIO-Endglied ausgeführt ist und somit nicht als letztes angeschlossen werden muss. Ansonsten sind die technischen Daten – Übertragungsrate 600 Bits pro Sekunde, Speicherplatz ca. 100 kB auf einer 60-Minuten-Kassette – unverändert. Zwei Versionen existieren vom 1010, die man durch genaueres Hinsehen auseinanderhalten kann: Die Tastenreihenfolge bei der von Chelco produzierten Version ist RECORD – PLAY – REWIND – ADVANCE – STOP – PAUSE, bei der von Sanyo produzierten Variante ist die PAUSE-Taste vor der STOP-Taste angeordnet. 1986 wurde das Laufwerk vom XC11 abgelöst.

Atari 1010


1050
Das Diskettenlaufwerk 1050 kann durch die im Modus 2 höhere Schreibdichte (256 statt 128 Bytes pro Sektor) bis zu 180 kB Daten auf einer Diskettenseite speichern, im Modus 1 arbeitet es wie das Vorgängermodell → 810 mit 90 kB Speicherkapazität. Der Motor dreht wie beim Vorgänger mit 288 U/min, um möglichst kompatibel zu bleiben. In den Handel kam die Diskettenstation im November 1983 zusammen mit dem Computern 600XL und 800XL, sie wurde zuerst von Tandon in Singapur produziert. Nach Übernahme durch die Tramiels sollte es erst durch das Laufwerk → XF521 abgelöst werden, dieses wurde jedoch vor Veröffentlichung wieder eingestellt und stattdessen die 1050 erneut produziert. Abgelöst wurde das Laufwerk durch das doppelseitig arbeitende Modell → XF551 im Dezember 1987.

Atari 1050


1053 (nicht erschienen)
Das Laufwerk 1053 steckt im selben Gehäuse wie das 1050 und hat auch fast die selben technischen Daten, mit dem Unterschied, dass das Laufwerk doppelseitig arbeitet und somit 360 kB statt 180 kB Speicherplatz auf einer Diskette bietet. Das 1053 wurde vor Veröffentlichung leider wieder eingestellt, ein doppelseitig arbeitendes Laufwerk erschien erst im Dezember 1987 mit dem → XF551.

1055 (nicht erschienen)
Das 1055 sollte ein Diskettenlaufwerk für das 1984 gerade neu erschienene 3½″-Format werden, auch dieses wurde jedoch noch vor Veröffentlichung gestoppt. Ein vergleichbares Laufwerk war zwei Jahre später mit dem → XF351 geplant, welches jedoch ebenfalls nicht über das Entwicklungsstadium hinaus gelangte. Die Modellnummern 1056 bis 1058 waren für weitere mögliche Diskettenlaufwerke reserviert worden, keins davon wurde jedoch entwickelt.

Atari 1055


Ausgabe
Auch zur XL-Serie wurden keine Bildschirme entwickelt oder in Auftrag gegeben, so dass sich die Ausgabegeräte auch hier auf Drucker beschränken.

1020
Mit dem 1020 erschien im März 1983 erstmals ein Plotter unter der Marke Atari. Der Plotter arbeitet mit vier Stiften (im Prinzip verkürzte Kugelschreiberminen in den Farben rot, blau, grün und schwarz), verarbeitet Papier von einer 114 mm breiten Rolle und wird über die SIO-Schnittstelle mit dem Computer verbunden. Er funktioniert auf Basis eines von der japanischen Firma ALPS produzierten Mechanismus, der auch in anderen Plottern wie dem Commodore 1520, dem Oric MCP-40 und dem Tandy/Radio Shack CGP-115 verwendet wurde. Pro Zeile sind 20, 40 oder 80 Zeichen möglich, eine Steuerung des Plotters über BASIC ist möglich.

Atari 1020


1025
Der Nadeldrucker 1025 erschien ebenfalls im März 1983 mit der XL-Serie und als Nachfolger des → 825, wurde aber nur in Nordamerika vertrieben. Produziert wurde der Drucker vom japanischen Hersteller Okidata, er basiert auf deren Modell Microline 80. Betrieben wird er wie alle Druckermodelle der XL-Serie über die SIO-Schnittstelle, das Druckwerk arbeitet mit einer 5×7-Matrix. Abgelöst wurde das Modell im Mai 1986 durch das Modell → XMM801.

Atari 1025


1027
Der im Oktober 1983 erschienene Briefdrucker 1027 stellt eine kleine Besonderheit dar. Er hat alle Zeichen auf einer Walze aufgereiht (Schriftart Prestige Elite 12), diese werden bei Ansteuerung nach vorne geschoben und aufs Papier gepresst. Die Farbe kommt von einem kleinen Rollkissen aus Schaumstoff, das Ganze funktioniert also ganz ähnlich wie bei einem Preisetikettendrucker im Supermarkt. Entwickelt wurde der auf dem Modell Tally Riteman LQ basierende Drucker beim schwäbischen Unternehmen Mannesmann Tally (heute Dascom Europe) in Elchingen, produziert wurde im englischen Kent.

Atari 1027


1029
Als absehbar war, dass der Drucker 1025 nicht auf den europäischen Markt kommen würde und der Vorrat an 825-Druckern ausging, gab die französische Atari-Landesgesellschaft beim japanischen Druckerhersteller Seikosha einen eigenen Matrixdrucker in Auftrag. Im Gegensatz zum 1025 ist der erst im April 1985 erschienene 1029 programmierbar und arbeitet mit einer 7×6-Matrix, der Anschluss erfolgt auch hier über die SIO-Schnittstelle. Der auf dem Seikosha GP500VC basierende Drucker wurde zuvor schon für Commodore unter der Modellbezeichnung MPS801 gefertigt.

Atari 1029


1027PLUS (nicht erschienen)
Ein weiteres geplantes Modell war 1984 der Typenraddrucker 1027PLUS. Leider sind hier keine technischen Daten bekannt. 1987 erschien ein Typenraddrucker unter der Bezeichnung → XDM121, ein weiteres für die ST-Serie geplantes Modell namens → SDM124 wurde nicht realisiert.

Atari 1027PLUS
Bild: atarimuseum.com


Weitere Peripherie
1030
Das Modem 1030 erschien 1984 als Nachfolger des → 835 und wurde von der amerikanischen Firma Penril aus Rockville hergestellt. Es wird mit der SIO-Schnittstelle des Computers verbunden und arbeitet mit einer Übertragungsrate von 300 Baud pro Sekunde. In Westdeutschland kam das Modem wegen der fehlenden Zulassung durch die Bundespost nicht in den Handel. 1985 wurde das Modem 1030 durch das → XM301 abgelöst. Eine interne Version des Modems war für die Computermodelle 1400XL und 1450XLD vorgesehen. Ein weiteres Modell unter der Bezeichnung 1035 und mit einer Übertragungsrate von 1200 Baud war zwar vorgesehen, existiert jedoch nur als Projektnummer. Ein gleichwertiges Modem wurde erst 1987 mit dem → SX212 veröffentlicht.

Atari 1030


1064
Diese Speichererweiterung ist ausschließlich für den 600XL konzipiert und wurde im Januar 1984 erstmals vorgestellt. Ein wenig kurios: Die darin enthaltenen 64 kB werden zu den im Computer vorhandenen 16 kB addiert, somit hat der Computer nun zwar satte 80 kB Arbeitsspeicher, diese können jedoch durch die begrenzte Fähigkeit des Prozessors nur bis maximal 64 kB genutzt werden. Der Parallelbus ist durchgeschleift, so dass noch andere Erweiterungen angeschlossen werden können.

Atari 1064


CP/M Module (1060) (nicht erschienen)
Das seit 1974 existierende Betriebssystem CP/M (Control Program for Microcomputers) von Digital Research sollte auch auf dem Atari 8-Bit-Computer nutzbar gemacht werden. Da der Atari aber mit einem 6502-Derivat arbeitet, mit dem CP/M nichts anfangen kann, entschied man sich zur Entwicklung eines externen Hardwareemulators auf Basis des Zilog Z80-Prozessors, auch ein Erweiterungsanschluss wurde eingeplant. Das Modul kam jedoch nicht in den Handel.

Atari CP/M Module
Bild: atarimuseum.com


Atari 1090 XL Expansion System (nicht erschienen)
Das Erweiterungssystem befand sich 1984 noch in der Entwicklung und wurde aus unbekannten Gründen wieder zurückgezogen. Verbunden wird die Box über ein kurzes Flachbandkabel direkt mit dem Parallel Bus Interface des Computers. Für das System sollte es diverse Steckkarten geben. Bekannt sind derzeit (Stand Juni 2019):
Atari 1090
Bild: computer-history.org


Atari Light Pen (CX75)
Der Nachfolger des Modells → CX70 erschien im April 1984 zusammen mit den Modulen AtariGraphics und Sky Writer. Der Light Pen arbeitet mit einem Fotosensor, der die Zeilen der Kathodenstrahl-Bildröhre abtastet und wird an einem der Controllerports angeschlossen.

Atari Light Pen
Bild: atarimuseum.com


Atari Touch Tablet (CX77)
Das kleine Grafiktablett wird am Controllerport angeschlossen und wandelt die Stifteingabe für den Computer um. Es erschien im Januar 1984 zusammen mit dem Modul AtariArtist.

Atari Touch Tablet


Atari Trak-Ball (CX80)
Der von den Arcadespielen bekannte Trackball erschien 1984. Er arbeitet mit einer Rollkugel und zwei Tasten und wird am Controllerport angeschlossen. Tramiels Atari Corporation brachte ab 1985 den Trackball nochmals auf den Markt, er wurde dahingehend modifiziert, dass man ihn auch am ST-Computer nutzen kann. Technisch ist er identisch mit dem → Atari 2600 Trak Ball Controller.

Atari Trak-Ball

Nach oben


Letzte Seitenbearbeitung: 16. Juni 2019