Bildungsprogramm:
Die AtariLab-Serie

Entstehungsgeschichte

Seit sich Atari bereits 1981 einen Namen mit Bildungsprogrammen der Talk & Teach-Reihe bzw. dem Atari Educational System für die Atari Heimcomputer gemacht hat, gab es überlegungen, weitere Programme zu entwickeln und zu vermarkten. Dr. Priscilla Laws, Physikprofessorin am Dickinson College in Carlisle, Pennsylvania, begann mit der Entwicklung, nachdem sie in einer teuren Laborumgebung sah, wie die Temperatur von einem Glas Wasser mit Hilfe eines Computers gemessen wurde und die Daten in Echtzeit grafisch aufbereitet wurden. Sie nahm diese Messung zum Anlass und wandelte es in ein Experiment für ihre Studenten um, wo der Arbeitsaufwand im Lauf der Zeit von einer guten Viertelstunde auf wenige Momente verkürzt wurde. Laws' Sohn besaß zu der Zeit einen Atari-Heimcomputer, auf dem Laws dann mit der Entwicklung eines Laborprogramms begann. Hier erwies sich der Atari-Computer als ideale Plattform, da er über einen hochauflösenden Grafikmodus verfügt und per BASIC einfach zu programmieren ist. Auch sind die Controlleranschlüsse seit jeher recht flexibel einsetzbar, was die Vielfalt der verfügbaren Controller, angefangen von Joysticks über Drehregler und Tabletts bis hin zu Lichtstiften zeigt. Der fünfzehnjährige Mittelschüler David Egolf half Laws bei der Programmierung und der Entwicklung einer einfachen Versuchsplatine. Mit Hilfe der Platine, den passenden Zubehörteilen und der Software können Anwender dann recht einfach verschiedene Experimente durchführen.

Mit der Software und der Platine im Gepäck suchte Laws dann das Gespräch mit Atari, wo sie auf die Atari Learning Systems-Produktmanager Leslie Wolf und Mike Nalblah traf, mit ihnen arbeitete sie dann ein Grundkonzept aus. Sie gründete zur Weiterentwicklung eine eigene Firma, die von ihrer Universität finanziert wurde. Gegen Ende des Jahres 1983 erschien dann das AtariLab Starter Set mit dem Temperature Module, das Light Module folgte im Februar 1984. Von der Fachpresse wurde AtariLab positiv aufgenommen und es erhielt den Software of the Year Award 1984 vom Magazin Classroom Computer Learning. Weitere Module waren in Planung, darunter laut Magazinberichten Module für Biofeedback, Zeit, Lügendetektor, Reaktionszeit und pH-Wert sowie diverse Mechanikmodule, in der Entwicklung befand sich zu der Zeit aber nur ein Bewegungsmodul mit Ultraschall-Bewegungssensoren. Das Problem für Laws und auch für Atari waren die Nachwirkungen des Video Game Crash – zu dieser Zeit verlor Atari über eine Million Dollar am Tag. Die Entwicklung für Atari-Systeme wurde daher schlicht eingestellt. Laws' Firma veröffentlichte die Serie dann zuerst für den Commodore 64, später erfolgreich für den IBM PC und Kompatible – eine ebenfalls angedachte Version für den Apple II erschien nicht am Markt.

Funktionsweise

AtariLab macht sich die acht Potentiometer-Pins des Pokey-Chips zu Nutze, die mit acht Kondensatoren verbunden sind und dann paarweise mit den Controlleranschlüssen. Ursprünglich waren diese Leitungen dazu gedacht, die bei Atari 400 und 800 bis zu acht, bei XL (und auch XE) maximal vier möglichen Paddles zu erkennen und entsprechend auseinanderzuhalten und auszuwerten. Paddles sind simple Drehregler mit einem Potentiometer im Inneren, das an den +5V-Pin (#7) und den Paddle-Detect-Pins (#5 für Paddle B, #9 für Paddle A) angeschlossen ist. Hier wird vom Pokey die Zeit abgefragt, die das Potentioeter benötigt, um wieder vollständig aufzuladen, und als Wert zwischen 0 und 228 über die POT0- bis POT7-Register ausgegeben.

Herzstück des AtariLab ist das AtariLab Interface im Starterset, von dem die einzelnen Anschlüsse als farbcodierte Cinch-Buchsen herausgeführt sind, die an der Controllerschnittstelle mit der entsprechenden Leitung verbunden sind. Die Platine ist in einem Gehäuse untergebracht, das zur besseren Bedienbarkeit einen ausklappbaren Ständer auf der Rückseite besitzt. Die benötigte Software für jedes Modul wird auf einem Steckmodul mitgeliefert. Die Software verfügt über verschiedene Modi, darunter eine Echtzeitdarstellung und eine Aufnahmefunktion.

Das Interface bietet folgende Anschlüsse:
Lieferumfang

AtariLab Starter Set AtariLab Starter Kit with Temperature Module Preis: $89,95 (12/1983)



AtariLab Light Module AtariLab Light Module Preis: $49,95 (2/1984)
Letzte Seitenaktualisierung: 15. November 2021