Atari Video Computer System 2600 

Atari Video Computer System 2600

Atari Video Computer System / Atari 2600 „Stella“ (1977-91)
1977, noch unter Bushnells Leitung, brachte Atari eine der bis heute erfolgreichsten und die am längsten produzierte Spielkonsole der Welt heraus: Das Video Computer System (Entwicklungsname „Stella“, nach der Marke des Fahrrads eines Mitarbeiters). Begonnen wurde mit der Entwicklung bereits 1975 bei Cyan Engineering, einer Tochterfirma Ataris. Technisch den späteren Konkurrenten weit unterlegen, hatte es durch die riesige Spieleauswahl aber die meisten Käufer angesprochen. Die erste Version mit dem Spitznamen „Heavy-Sixer“ wurde zusammen mit zwei Joysticks, einem Satz Paddles und dem Spiel „Combat“ ausgeliefert, wenig später wurden der Konsole neun Spiele beigelegt und für rund 250 Dollar verkauft.

Bereits 1978 kam eine optisch leicht modifizierte Konsole heraus. Zusammen mit dem Spielmodul „Space Invaders“ war diese Version der Renner des Weihnachtsgeschäftes 1978. 1980 folgte die dritte Version (Modellnummer CX-2600 A), hauptsächlich wurde die Elektronik überarbeitet und statt der Hauptplatine im dicken Alumantel und der zweiten Platine mit den Schaltern wurde nun alles auf eine Platine gesetzt und schräg im Gehäuse verbaut, die Schalter für die Schwierigkeitseinstellung wanderten dadurch auf die Rückseite und die Controlleranschlüsse nach oben auf die Rückseite des Höckers. Im ersten Halbjahr 1981 kam das VCS auch nach Westdeutschland. Ausgeliefert wurde hier anfangs das 6-Schalter-Modell. 1982 kam im Mutterland dann die vierte Version, die nach dem Erscheinen des 5200 jetzt offiziell „Atari 2600“ genannt wurde. Ihr Spitzname ist wegen der schwarzen Blende und wegen dem neu erschienen Spiel zum Film „Star Wars - The Empire Strikes Back“ Vader. Bis auf die glänzende schwarze Front an Stelle der Holzimitation und die fehlende orange Umrandung des „Höckers“ ist die Konsole identisch mit dem 1980er-Modell. Ausgeliefert wurde es entweder mit „Pac-Man“ (Namco) oder „Centipede“ (Atari)

Nur ein Jahr später wurde die Junior-Serie (Entwicklungsname „Bonnie“, Prototyp 2200) vorgestellt: Deutlich kleiner und kompakter, aber innen noch dieselbe Technik. Im selben Jahr kam der große Videospiele-Crash, nachdem Atari Prozesse gegen Activision und Imagic verlor und selbst mit Insidergeschäften an der Börse in die Schlagzeilen geriet. Atari wollte ausschließlich eigene Spiele für die Konsole veröffentlichen, musste aber nach Klagen der beiden Hersteller nachgeben und die Konsole für Drittanbieter öffnen, was zur Folge hatte, dass in den kommenden zwei Jahren eine Unzahl von Modulen von Dutzenden Herstellern den Markt derart überflutete, dass die Spiele teilweise unter einem Dollar verkauft wurden. In der Folge mussten auch die Konkurrenten Coleco und Mattel die Preise für ihre Konsolen und Spiele radikal senken, um mithalten zu können. Zum Schluss gingen viele Spielehersteller pleite und Konsolenhersteller verschwanden ebenfalls wieder vom Markt. Zudem waren die Heimcomputer mittlerweile erheblich leistungsfähiger als die Konsolen und die meisten Spiele bereits auch dafür erhältlich. Daher konnte sich das Modell mit dem schwarzen Streifen kaum durchsetzen und ist heute die seltenste Variante der drei Juniors. 1984, kurz vor der Übernahme durch die Tramiels, kam die sechste und 1986 die letzte Version des 2600 auf den Markt. Die Konsole wurde auf Grund eines sehr günstigen Preises – 99 Mark gegenüber der rund 300 Mark für ein NES – erneut zum Renner und wurde zusammen mit 32 Spieleklassikern auf einem Modul sowie anfangs mit einem ProLine-Joystick, später mit zwei Joypads ausgeliefert. Parallel dazu wurden auch die alten Geräte des schwarzen 2600A vermarktet. Eine Sonderedition des „Juniors“ erschien gegen Ende der 1980er mit einer anders gestalteten Verpackung und dem Spiel Centipede statt dem 32er-Modul. Ende der Produktion der 2600-Serie war dann im Januar 1992. Das letzte von Atari produzierte Spiel war „Secret Quest“, entwickelt von Nolan Bushnell, der in der Tramiel-Ära freiberuflich für Atari arbeitete.

Bis heute hielt sich keine Spielkonsole technisch unverändert so lange am Markt wie das Atari 2600. Insgesamt wurde die Konsole ca. 30 Millionen mal verkauft, es gibt mehr als 500 Spiele und fast fünfmal so viele Module. AtariAge ist eine Community, von der einige Mitglieder auch heute noch Spiele entwickeln und alte überarbeiten.

Atari 2800 „Cindy“ (1982-83)
Mit dieser speziell umgestalteten Konsole wollte man 1982 in Japan ins Geschäft kommen. Die Konsole wurde auch in Nordamerika verkauft - jedoch als „Video Arcade II“ unter dem Label der Firma Sears, die seit Mitte der 1970er Jahre von Atari speziell umgestaltete Systeme bezieht. „Cindy“ brachte ein paar neue Funktionen gegenüber dem 2600 mit. So ist der Controller wie beim 2700 gleichzeitig Paddle und Joystick. Die Umschaltung erfolgt auf der Konsole selbst. Anstatt den herkömmlichen zwei Controllerports sind beim 2800 vier vorhanden. Das System floppte allerdings in Japan, zu dieser Zeit begeisterte die in der Branche bislang nur als Spieleentwickler bekannte Firma Nintendō K.K. mit dem Famicom (dem späteren Nintendo Entertainment System) das ganze Land. Auch in den USA selbst wurde Cindy kein großer Erfolg, hier kam 1982/83 der Videospiel-Crash in Gang. 1983 wurde das System wieder eingestellt und das Gehäuse später beim Atari 7800 wieder verwendet.

Unveröffentlichte Modelle
Atari 2500 (1981)

Vermutlich Ataris erster Versuch, eine Low-Cost-Variante des Atari 2600 zu entwickeln. Im Inneren des bisher undokumentierten 2500 steckt ein ganz normales 2600A-Mainboard. Die Joysticks auf der Oberfläche sind sog. Mock-Ups, d.h. es ist nur das äußere fertig, Technik existiert noch nicht. Die langen roten Streifen stellen die Feuerknöpfe dar.

Atari 2700 „IR-Stella“ (1982)
1982 entstand das 2700, das mit kabellosen Controllern arbeitet. Die Controller selbst sind 8-Richtungs-Joystick und 270-Grad-Paddle zugleich und beinhaltet drucksensitive Knöpfe. Das ganze System war bereits fertig, Flyer wurden verteilt, verpackte Systeme wurden schon zur Auslieferung bereit gemacht, da fiel in der Qualitätskontrolle, durchgeführt von John Protsman, der Controller durch. Sein Signal konnte in etwa 300 Metern Entfernung noch empfangen werden. Atari 2700 Systeme in der Umgebung hätten beeinträchtigt werden können. Die Technik ist dem der Funkhandsender für Torantriebe auch nicht unähnlich, sodass eventuell sogar Garagentore während dem Spielen auf- und zugehen konnten. Die Controller neu zu entwickeln hätte bedeutet, das ganze System neu zu entwickeln. So wurden die 2700 Systeme wieder eingestampft. Beim Design des gesamten Systems wurde ein Bruch mit der bisherigen Linie begangen - das Design stammt von Roy Nishi und floss in die nachfolgenden Systeme 2800, 5200 und 7800 mit ein.

Atari 2000 „Val“ (1982)
Eine kompakte Version - hier ist alles, was man braucht, auf kleinstem Raum zusammengefasst. Die Konsole wurde 1982 vom WCI Atari New York Lab unter Leitung von Gregg Squires entwickelt. Vorlage für „Val“ war die ungleich größere Atari 2500 Konsole. Zu Marktforschungszwecken wurde ein brauner 2000 nach Sunnyvale geschickt, später noch eine blaue Variante. Beide wurden abgelehnt. Aus den Resten des Atari 2000 entstand ein Jahr später der Atari 2200, der Vorläufer des 2600 jr. 2000 Stück dieser Konsole, die als Entwicklerversionen oder Vorserienmodelle gedacht waren, sind im Jahr 1982 spurlos verschwunden.

Atari 2200 „Bonnie“ (1983)
Eine weitere von Regan Chengs Design-Studien, diese ähnelt stark der späteren 2600 jr. Wie das Atari 2000 wurde „Bonnie“ auch vom WCI Atari New York Lab unter Leitung von Gregg Squires und Steve Mayer entwickelt. Bonnie wurde ab 1983 als 2600 jr. produziert und im Sommer 1984 durch Tramiel eingestellt. 1986 wurde die Produktion erneut aufgenommen.

Atari 3000 „My First Computer“ / „Graduate Computer“ (1983)
Der Graduate Computer stellt eine Erweiterung dar, die den Atari 2600 zum Computer umwandeln soll. Anhand des Namens kann man darauf schließen, dass das Produkt speziell für Kinder und Jugendliche gedacht sein sollte. Die gesamte Serie ist jedoch, wohl aus der Sorge heraus, man könnte der hauseigenen XL-Serie Konkurrenz machen, nie erschienen. Ursprünglich sollte die Veröffentlichung im Oktober 1983, also zeitgleich mit den Heimcomputern 600 XL und 800 XL stattfinden.

Hardware:

Software:
Technische Daten
Prozessor MOS 6507
Taktfrequenz 1,19 MHz
Arbeitsspeicher 128 Bytes
Modulgröße max. 32 kB
Grafikchip Atari TIA
Auflösung 160 × 200
Farbpalette 128 (16 gleichzeitig)
Soundchip Atari TIA
Soundkanäle 2 Pulse Code Generated
Tonhöhe 5 Bit
Controllerports 2 (Atari 2800: 4)
Verkaufte Einheiten ca. 30 Millionen
Spiele ca. 500-600 (ohne Clones und Pirates)
Beginn der Entwicklung 1975
Vorstellung Juni 1977
Im Handel CX 2600: Oktober 1977
CX 2600 A: 1980
CX 2600 (jr.): 1983, erneut Juni 1986
Eingestellt CX 2600: 1980 (Europa: 1982)
CX 2600 A: 1986
CX 2600 (jr.): 24. Dezember 1991

Bilder
CX-2600A
Atari Video Computer System
CX 2600 „Heavy Sixer“, 1977-78


Wurde hauptsächlich in den Vereinigten Staaten verkauft, jedoch sind einige auf PAL umgerüstete Geräte auch nach Europa gelangt. Der Heavy Sixer ist heute ein gesuchtes Sammlerstück.
Atari Video Computer System
CX 2600, 1978-80


Die Produktion wurde aus Kostengründen nach Ostasien verlegt und das Design etwas abgeändert sowie die Abschirmung abgespeckt. Zu den Unterschieden zwischen Heavy Sixer und dieser Version siehe weiter unten. Die PAL-Modelle dieser Version kamen ab 1981 in Europa in den Handel.
Atari Video Computer System
CX 2600 A, 1980-82


Unterschiede gegenüber dem CX-2600 sind die reduzierte Anzahl der Schalter auf der Vorderseite – die Schalter für die Schwierigkeitsstufen sowie für die Kanaleinstellung sind nach der Zusammenlegung der bisher zwei Platinen zu einer auf die Rückseite des „Höckers“ gewandert, dadurch wurden auch die Joystick-Ports nach oben verlegt. Die Beschriftung wurde in Großbuchstaben angebracht.
Atari 2600
CX 2600 A „Darth Vader“, 1982-86


Die orangefarbene Umrandung der Schaltereinheit wurde weggelassen und die Holzoptik in glänzendes Schwarz geändert.
2600 jr
Atari 2600 „Junior“
CX 2600, 1983-84


Erste Junior-Variante, die 1983 auf den Markt kam. Sie war ursprünglich für den europäischen Markt gedacht. Mit der Übernahme durch die Tramiels verschwand die Konsole wieder vom Markt.
Atari 2600 „Junior“
CX 2600, 1984-88


Diese Variante kam noch kurz vor Übernahme durch die Tramiels auf den Markt.
Atari 2600 „Junior“
CX 2600, 1986-91


Dieser im Juni 1986 veröffentlichten Konsole wurde das Modul „32 in 1 Game Cartridge“ beigelegt und das Bundle für 49 Dollar (in Deutschland für 99 Mark) verkauft. Diese Version ist die am weitesten verbreitete Atari-Konsole überhaupt.
Atari 2600
CX 2600 „Junior“, 1988


Weißer Prototyp

Bild © Atari Historical Society
Atari Video Computer System
CX 2600, 1977–80


Mainboard
Atari 2600 „Junior“
CX 2600, 1983–91


Mainboard
Atari Video Computer System
CX 2600, 1977–80


Innenansicht, man sieht hier gut die massive Abschirmung des Mainboards
Atari 2600 „Junior“
CX 2600, 1983–91


Innenansicht
Atari Video Computer System
CX 2600, 1977-80


Unterschiede Heavy Sixer (links) zum Standard-CX 2600.
Atari 2800
CX 2800 „Cindy“, 1982-83
Atari 2000
CX 2000 „Val“, 1981


Bild © Atari Historical Society
Atari 2500
CX 2500, 1981
Atari 2500
CX 2500, 1981


Innenansicht des Mockups
Atari 2200
CX 2200 „Bonnie“, 1982


Bild © Atari Historical Society
Atari 2700
CX 2700 „IR Stella“, 1982
Atari 2700
CX 2700 „IR Stella“, 1982


Flyer
Atari 2700
CX 2700 „IR Stella“, 1982


Controller: Paddle und Joystick in einem Gerät, mit drucksensitiven Tasten

Bild © Atari Historical Society
Atari 3000
CX 3000, 1983


Links erkennt man den Anschluss für die Peripherie

Bild © Atari Historical Society
Atari 3000
CX 3000, 1983


Mainboard

Bild © Atari Historical Society
Atari 3000
CX 3000, 1983


Peripherie
Atari 2600 Tastatur
ca. 1983


Prototyp
Atari Standard Joystick
CX 40, 1978–91


Symbol der Videospielbranche der späten 1970er und frühen 1980er: Der Atari Joystick.
Atari Standard Joystick
CX 10, 1977–78


Urfassung des Standardjoysticks mit Atari-Logo auf dem Joystick und gelber Umrandung. Er wurde 1978 durch den CX 40 ersetzt
Atari ProLine Joystick
CX 24, 1983–88
Atari ProLine Joystick
CX 24


Semitransparenter Prototyp von 1983.
Atari Remote Control Joystick
CX 42, 1982–83


Kabellose Variante des CX 40
Atari Remote Control Joystick
CX 42, 1982–83


Receiver
Atari Space Ace Joystick
CX 43, 1982–83
Atari Joypad
CX 78, 1986–91


Der Ministick auf dem Steuerkreuz lässt sich abschrauben.
Sears Video Arcade II Controller
1982-83


Eine Kombination aus Joystick und Paddle. Die Sears Video Arcade II-Version ist identisch mit dem Controller des Atari 2800.
Atari Driving Controller
CX 20, 1977-84
Atari Paddle Controller
CX 30, 1977-84


Wird paarweise an einen Gameport angeschlossen.
Atari Video Touch Pad
CX 21, 1980-84


Mit Overlay zur Steuerung von „Star Raiders“.
Atari Kid's Controller
CX 23, 1983-84


Auch dafür gibt es Overlays, diese liegen den Spielen der Sesamstraße bei.
Atari Keyboard Controller
CX 50, 1978-84


Als Paar eingesetzt und mit Overlays versehen zur Eingabe in „BASIC Programming“.
Atari Track & Field Controller
1985–1986
Atari Trak-Ball
CX 22, 1982-84


In einer leicht anderen Version war der Trackball auch als Teil der XL-Serie erhältlich, technisch sind beide Varianten identisch.
Atari Light Gun
G-1, 1983


Prototyp, sie wurde 1987 in grau dem XE Game System beigelegt. Das hier aufgeklebte Logo wurde vermutlich nachträglich angebracht, es entspricht bereits der Corporate Identity der Tramiel-Ära.
Atari Mindlink
1982


Wurde bereits auf Messen vorgestellt und bot dem Spieler eine völlig neue Art der Steuerung per Gedanken. Wurde auf Grund auftretender starker Kopfschmerzen wieder eingestampft und angeblich Teile in der Wüste von Alomorgordo vergraben.
Atari Mindlink
1982


Headset

Letzte Bearbeitung: 27. Oktober 2015