Atari PC4 (Mitac-Version) 

Atari PC4 (Mitac)


Inhaltsverzeichnis

Geschichte
Neben dem Standard-PC4 von Atari wurde in Westdeutschland ab Mai 1988 noch eine weitere Version vertrieben, diese ist jedoch im Gegensatz zum Original nicht von Atari entwickelt und gefertigt worden, sondern vom taiwanesischen Hersteller Mitac und basiert auf deren Modell Paragon 286VE. Grund für diese Version war der Umstand, dass der ohnehin schon in Verzug geratene PC4 (der PC5 war da bereits seit zwei Monaten im Handel) noch immer nicht in ausreichenden Stückzahlen verfügbar war und die Kundschaft dementsprechend unruhig wurde. Um die Nachfrage decken zu könnnen, entschied sich die deutsche Atari-Landesgesellschaft daher zum Zukauf eines OEM-Gerätes. Allzu lange dürfte es diese Version jedoch nicht gegeben haben, es sind nur wenige existierende Geräte bekannt.


Aufbau des Systems
Gehäuse
Das Gehäuse wurde aus stabilem verzinktem Stahlblech gefertigt, die Außenseiten sind dabei zusätzlich pulverbeschichtet. An der Front ist eine Blende aus schlagfestem ABS-Kunststoff angebracht, in der sich Aussparungen für Laufwerke, Schalter und LEDs befinden. Im Gehäuse befindet sich neben dem Mainboard Platz für zwei 5¼″- und zwei 3½″-Laufwerke, das Netzteil und maximal sechs Steckkarten. Zum Einbau von Laufwerken an der Front müssen Winkelschienen eingesetzt werden, da die Laufwerke nicht wie üblich seitlich, sondern von vorne mit dem Gehäuse verschraubt werden. Das 3½″-Laufwerk im hinteren Teil wird an der Laufwerks-Unterseite befestigt. Der untere Teil des Gehäuses ist nicht zerlegbar, Laufwerks- und Netzteilkäfig und der Steckkartenhalter sind mit dem Bodenteil verschweißt. Um die hinteren Anschlüsse herum befindet sich eine Metallblende, die mit dem Mainboard und der Gehäuserückseite verschraubt ist.

Mainboard
Wie die originalen Atari PCs auch folgt das Mitac-Mainboard keinem festgelegten Standard, es ist mit 360×340 mm etwas größer als ein Standard-AT-Mainboard (330×305 mm). Auf ihm befinden sich neben aller für den Betrieb wichtigen Chips acht Steckplätze für SIPP-Speichermodule, fünf 16-Bit ISA-Steckplätze und ein 8-Bit XT-Steckplatz. Einige Funktionen des Systems können noch per Steckbrücke eingestellt werden, der Hauptteil der Einstellungen wird aber dank des NEAT-Chipsatzes im BIOS vorgenommen. Nach hinten herausgeführt sind der Anschluss für einen Analogmonitor, zwei serielle Schnittstellen, eine parallele Schnittstelle und die Schalter zur Einstellung des Monitortyps. Vorne rechts befindet sich der Anschluss für den mit der Gehäusefront verschraubten Tastaturadapter. Pfostenstecker zum Anschluss von Diskettenlaufwerken und eines Digitalmonitors befinden sich ebenfalls auf der Hauptplatine, im vorderen Bereich findet man auch die Stiftleisten zum Anschluss von Lautsprecher, LED-Anzeigen, Resettaster, Systemverriegelung und CMOS-Batterie.

Mainboard


Prozessor und Coprozessor
Intel N80286-12 Als Hauptprozessor dient der Intel N80286 mit einer Taktfrequenz von 8 MHz, im Turbomodus sind je nach Version 12 oder 16 MHz einstellbar. Der Turbomodus kann über die Tastenkombination [Ctrl]+[Alt]+[\] ein- oder ausgeschaltet werden. Der 16-Bit-Prozessor, der 1982 auf den Markt gebracht wurde, hat 134.000 Transistoren, einen internen 16-Bit-Datenbus, einen externen 16-Bit-Datenbus und einen gemultiplexten 24-Bit-Adressbus. Er kann bis zu 16 MB Arbeitsspeicher und bis zu 1 GB virtuellen Speicher unterstützen und beherrscht sowohl den Real- als auch den Protected-Mode. Die hier verwendete Version ist im 68-poligen PLCC-Gehäuse untergebracht und als N-Type Metal Oxide Semiconductor (NMOS) in 1,5 µm ausgeführt. Ein Sockel für einen mathematischen Coprozessor vom Typ Intel 80287 in DIL-Ausführung befindet sich direkt neben dem Prozessor.

Chipsatz
Der New Enhanced AT (NEAT)-Chipsatz CS8221 des Halbleiterunternehmens Chips & Technologies kommt hier zum Einsatz, er besteht aus den vier Chips:
Mit diesem Chipsatz ist es möglich, maximal 8 MB Arbeitsspeicher ohne EMS-Karte zu verwenden, außerdem erfolgt die Konfiguration des Systems nicht mehr wie zu dieser Zeit noch üblich durch das Setzen oder Öffnen von Steckbrücken auf der Hauptplatine, sondern per Software direkt im BIOS. Der Chipsatz zeichnet sich neben dem dank Bank-Interleaving hohen Soeicherdurchsatz durch ein in seinem Umfang bis dazo unbekanntes Upper Memory Block (UMB) Speichermanagement aus.

     
(Bilder des bis auf die Taktfrequenz identischen Chipsatzes aus einem ABC286/60)


Weitere Chips
Als Floppycontroller kommt hier der WD37P65 aus dem Hause Western Digital zum Einsatz, der Peripheral Interface Controller ist ein Intel P8242. Zudem befinden sich zwei Universal Asynchronous Receiver Transmitter-Chips (UART) vom Typ National Semiconductor NS16450N auf der Platine, die zur Ansteuerung der beiden seriellen Schnittstellen dienen.

   
P8242, NS16450N und WD37P65

On-Board Grafik
Paradise Systems PVGA1A Wie der originale PC4 auch setzt die Mitac-Version ebenfalls auf den Paradise Systems PVGA1A-Grafikchip, der alle damals gängigen Signale (MDA, Hercules, CGA, EGA und VGA) verarbeiten kann. Dem System stehen 64 kB Video-Arbeitsspeicher, ein Video BIOS und ein Video Digital-Analog-Wandler (DAC) zur Verfügung. Eine Schnittstelle für analoge VGA-Monitore ist fest auf der Hauptplatine integriert, zum optionalen Anschluss einer Digitalmonitor-Schnittstelle befindet sich eine zehnpolige Stiftleiste auf dem Mainboard.

Einstellung des Monitortyps
Schalterstellungen Monitortyp
1 2 3 4 5 6
Schnittstelle: Video Analog
VGA-Automatik
VGA-analog Farbe
VGA-analog mono mit MDA-Emulation
VGA-analog Farbe mit CGA-Emulation
Schnittstelle: Video Digital (falls vorhanden)
VGA-digital Farbe mit CGA-Emulation
VGA-digital Farbe
VGA-digital Farbe mit EGA-Emulation
VGA-digital mono mit MDA-Emulation
VGA-digital mono


Audiohardware
Wie bei allen IBM-kompatiblen Computern dieser Zeit ist die Audiohardware nur rudimentär ausgebildet. Lediglich ein kleiner 56 mm-Lautsprecher mit einer Leistung von 0,25 W und einer Impedanz von 8Ω steht zur Verfügung. Bessere Audiohardware kann aber über das ISA-System nachgerüstet werden.

Arbeitsspeicher
SIPP-Modul Ausgeliefert wurde der PC4 mit 512 kB Arbeitsspeicher, es werden bis zu acht Speichermodule im dreißigpoligen SIPP-Format (Single In-Line Pin Package) unterstützt, die mit ihren dünnen Beinchen beim Ein- und Ausbau allerdings sehr empfindlich sind, im Gegensatz zu ihren oft bis auf den Anschluss baugleichen SIMM-Kollegen. Maximal 8 MB Arbeitsspeicher können ohne EMS-Karte direkt eingesetzt werden.

Erweiterungsmöglichkeiten
Erweiterungssteckplätze Es stehen fünf 16-Bit ISA-Steckplätze sowie ein 8-Bit XT-Steckplatz zur Verfügung. ISA steht für Industry Standard Architecture und war noch bis Anfang der 2000er Jahre weit verbreitet. Der ISA-Slot ist ein zweiteiliger Platinensteckkontakt mit einem Kontaktabstand von 2,54 mm (1/10″), der ISA-Bus wird mit 8,33 MHz getaktet. Die 62-polige längere Steckleiste ist dabei baugleich zum XT-Bus, so dass die älteren XT-Steckkarten hier weiterverwendet werden können. Der kürzere, 36-polige Abschnitt liefert die AT-Signale zum Betrieb der 16-Bit-Steckkarten. Der XT-Bus wiederum basiert auf dem Steckkartensystem des Apple II und wird mit 4,77 MHz getaktet. Die Anwendung des Steckkartensystems umfasst vor allem Soundkarten, Grafikkarten, Netzwerkkarten und Festplattencontroller, jedoch sind die Fähigkeiten eigentlich recht unbegrenzt.

Massenspeicher
Im Gehäuse des Mitac-PC4 können maximal vier Laufwerke installiert werden, zwei davon im 5¼″- und zwei im 3½″-Format. Allerdings ist noch ein Y-Adapter für die Stromversorgung notwendig, da das Netzteil nur drei Stromkabel bereitstellt. Das BIOS unterstützt sowohl DD- als auch HD-Diskettenlaufwerke. Theoretisch sind mit entsprechenden Adapterkarten auch andere Laufwerke denkbar, beispielsweise CD-ROM, Kartenleser oder Wechselplattensysteme. Der Anschluss von externen Diskettenlaufwerken aus Ataris SF- und PCF-Serien ist dagegen bei diesem Modell mangels Anschlussmöglichkeit nicht möglich. Vom Werk aus sind bereits ein 5¼″-HD-Diskettenlaufwerk mit einer Speicherkapazität von 1,2 MB und ein Festplattencontroller vom Typ Western Digital WD1003-WA2 verbaut, der zwei MFM-Festplatten mit ST506/412-Schnittstelle und zwei Diskettenlaufwerke (DD und HD) unterstützt. Über drei Steckbrücken können Portadresse der Festplatte, Portadresse des Diskettenlaufwerks und die Leerlaufdrehzahl des Diskettenlaufwerks gewählt werden, auch ein Anschluss für die Aktivitätsanzeige der Festplatte ist vorhanden.

Basic Input / Output System (BIOS)
Als BIOS kommt hier das Phoenix Technologies BIOS in der Version 3.07 zum Einsatz. In diesem werden alle grundlegenden Einstellungen vorgenommen, die der PC benötigt, um überhaupt laufen zu können. Es führt beim Start des Systems zudem einen Selbsstest der Grundfunktionen und die Initialisierung der Hardware durch.

Betriebssystem
Ab Werk wurde der PC4 mit dem Betriebssystem MS-DOS in der Version 3.30A ausgeliefert, andere Systeme wurden von Atari nicht angeboten. Möglich ist jedoch auch der Einsatz anderer Systeme wie Novell NetWare, UNIX oder OS/2. Mit entsprechendem Speicherausbau ist auch der Betrieb der grafischen Benutzeroberfläche Microsoft Windows bis Version 3.0 möglich.

Schnittstellen des Mitac-PC4
Atari PC4 Anschlüsse
Schnittstelle Ausführung
Printer D-Sub-Buchse Typ DB25, 25-polig
RS232C (zweimal vorhanden) D-Sub-Buchse Typ DE9, 9-polig
Video analog D-Sub-Buchse Typ HD15, 15-polig
Keyboard (vorne) DIN-Rundstecker, 5-polig


Einstellmöglichkeiten auf der Hauptplatine via Jumper
Jumper gebrückte Pins Definition (fett: Standardkonfiguration)
JP1 1+2
2+3
Serielle Schnittstelle 2: IRQ4
Serielle Schnittstelle 2: IRQ3
JP2 1+2
2+3
Serielle Schnittstelle 1: IRQ4
Serielle Schnittstelle 1: IRQ3
JP3 offen (reserviert)
JP4 1+2
2+3
27128 EPROM
27256 EPROM
JP5 1+2
2+3
12 bzw. 16 MHz Taktfrequenz
8 MHz Taktfrequenz
JP6 1+2
2+3
Auto-Reset
Normal
JP7 1+2
2+3
Festplattencontroller außer Betrieb
Festplattencontroller in Betrieb
JP8 offen (reserviert)
JP10 offen (reserviert)
JP11 1+2
2+3
FDC-Schnittstelle 372–377
FDC-Schnittstelle 3f2–3f7
JP12 1+2
2+3
16-Bit VGA ROM
8-Bit VGA ROM
JP13 offen (reserviert)
JP14 1+2
2+3
offen
Serielle Schnittstelle 2: 2F8–2FF
Serielle Schnittstelle 2: 3F8–3FF
Serielle Schnittstelle 2 außer Betrieb
JP15 1+2
2+3
offen
Serielle Schnittstelle 1: 2F8–2FF
Serielle Schnittstelle 2: 3F8–3FF
Serielle Schnittstelle 1 außer Betrieb
JP16 1+2
2+3
offen
Parallele Schnittstelle: –27X
Parallele Schnittstelle –37X
Parallele Schnittstelle außer Betrieb
JP17 1+2
2+3
Frequenzgenerator
36 MHZ Generator (Modus 800×600)
JP18 1+2
offen (2-Pin) bzw.
2+3 (3-Pin)
VGA außer Betrieb
VGA in Betrieb
VGA in Betrieb
JP19 1+2
2+3
Parallelschnittstelle: –IRQ7
Parallelschnittstelle: –IRQ5
JP20 1+2
2+3
ECD-Bildschirm
Farb-/Mono-Bildschirm


Anschlüsse auf der Hauptplatine
Bezeichnung für
J1 – J12 I/O-Steckplätze (J1–J6: XT, J7: unbelegt, J8–J12: ISA)
J13 VGA Digital O/P
J14 VGA Analog O/P
J15 Serielle Schnittstelle 1
J16 Serielle Schnittstelle 2
J17 Parallele Schnittstelle
J18 Reset-Taster
J19 Lautsprecher
J20 Tastaturverriegelung (Schlüsselschalter)
J21 CMOS-Batterie (3,6V Lithium-Block)
J22 Tastaturanschluss
J23 Turbo-Taster (beim PC4 nicht vorhanden)
J24 interne Diskettenlaufwerke
J25 VGA-Features
U50–U57 SIPP-Steckplätze


Peripherie
Für die PC-Serie gab es einiges an speziell entwickelter Peripherie. Einige Geräte aus anderen Serien konnten ebenfalls genutzt werden, vice versa konnten auch PC-Peripheriegeräte an anderen Serien angeschlossen werden. Eine Übersicht der Hardware für IBM-Kompatible Computer aus dem Hause Atari gibt es hier:

Letzte Bearbeitung: 6. Oktober 2019