Atari und das Sega Genesis-System 

Ein Atari Genesis?
Ganz ähnlich wie sechs Jahre zuvor Nintendo war Sega um 1988/89 auf der Suche nach einem starken Partner, mit dessen Hilfe man die neu entwickelte Spielkonsole メガドライブ / Mega Doraibu (engl.: Mega Drive) auf den amerikanischen Markt bringen wollte. Sega-Chef David Rosen und Atari Electronic Entertainment Division-Präsident Michael Katz hatten im Lauf des ersten Quartals 1989 in dieser Sache immer mal wieder Kontakt. Geplant war, dass Atari die Konsole unter ihrer Marke in Nordamerika vertreiben würde und Sega die Konsole im Rest der Welt vermarktet. Letztendlich scheiterte das Vorhaben, da sich Rosen und Atari-Boss Jack Tramiel über den zu erzielenden Verkaufspreis der Konsole nicht einigen konnten. Katz verließ kurz darauf Atari und wechselte zu Sega.

Atari hatte zu dieser Zeit kein vergleichbares System im Portfolio. Verkauft wurden derzeit die Konsolen 2600, 7800 und XE Game System, finanziert wurde durch Atari zudem die Entwicklung einer Handheld-Spielkonsole der Firma Epyx (später Atari Lynx) und einer 32-Bit-Spielkonsole der Firma Flare Technology (Atari Panther).

Entwicklungsgeschichte des Mega Drive / Genesis
16-Bit-Computer liefen den 8-Bit-Modellen den Rang ab, gleiches konnte man im Arcadespiel-Sektor beobachten, wo ebenfalls die 8-Bit-Spiele von 16-Bit-Geräten langsam verdrängt wurden. Nintendo beherrschte zu dieser Zeit satte 95% des nordamerikanischen Heimkonsolenmarktes und 92% des japanischen Marktes, in Europa lagen Nintendo und Sega dagegen etwa gleichauf. Das 1985 erschienene Master System hatte keine wirkliche Chance, diese Marktstellung Nintendos in Japan und Nordamerika zu brechen. Die 16-Bit-Arcadespiele hatten Sega mittlerweile weltweit bekannt gemacht, daher entschied CEO Hayao Nakayama, die neue Spielkonsole ebenfalls auf Basis dieser Technologie zu entwickeln. Die Entwicklung von Arcadespielen und Spielkonsole wurde dabei eng verzahnt – Spiele, die in den Sega-Standards Megatech, Megaplay oder System C entwickelt wurden, konnten 1:1 auf die Konsole übertragen werden. Die Konsole, die zuerst die schlecht merkbare Modellnummer MK-1601 erhielt, wurde im Laufe der Entwicklung in Mega Drive umgetauft. Aufgrund von markenrechtlichen Problemen musste in Nordamerika jedoch ein anderer Name gewählt werden, die Wahl fiel dann auf Genesis. Am 29. Oktober 1988 wurde das Mega Drive-System in Japan für 21000¥ (entsprach zu dieser Zeit etwa 295 DM) auf den Markt gebracht, in Europa erfolgte die Markteinführung im Vereinigten Königreich am 30. November 1990 zum Stückpreis von £190. In Amerika und Japan hatte das System eher mäßigen Erfolg, in Europa hingegen konnte sich die Konsole als feste Größe in Konkurrenz zum Super Nintendo etablieren. Ataris Schwesterfirma Atari Games lieferte über ihre Tochter Tengen auch zahlreiche Titel für die Genesis/Mega Drive-Konsole.

Sega Genesis

Letzte Bearbeitung: 22. April 2019