

Ende 1992 stellte Atari seine neue Spielkonsole vor: Das Jaguar 64-Bit Interactive Multimedia System, kurz Jaguar. Wobei strittig ist, in wie weit die Konsole wirklich 64-Bit-fähig ist, da es keinen allgemein gültigen Standard dafür gibt, was eine solche Konsole dazu fähig macht. Fakt ist, dass der Systembus und der Prozessor TOM mit 64 Bit arbeiten, JERRY und der Modulschacht mit 32 Bit und der Motorola-68000-Prozessor mit 16 Bit extern und 32 Bit intern. Bei strengerer Auslegung ist die Konsole ein 16/32-Bit-System, gemessen am schwächsten Glied, dem 68000, der aber laut Atari nur kleine Aufgaben übernahm, bei lockerer Auslegung ein 64-Bit-System.
Den Grundstein der Entwicklung legten die Engländer John Mathieson und Martin Brennan, als sie 1986 einen Computer namens „Flare1“ mit Multiprozessoren entwickelte. Atari kontaktierte die beiden und das Projekt „Flare2“ wurde gegründet mit dem Ziel, eine Spielkonsole auf der Technik der Engländer zu entwickeln. Dabei arbeiteten sie simultan an den Konsolen Panther und Jaguar. Als die Entwicklung des Jaguars schneller vorankam als erwartet, wurde der Panther im Juni 1991 eingestellt. Gefertigt wurde der Jaguar von IBM in Amerika, was auch in der Werbung mit dem Slogan „Made in the USA“ kenntlich gemacht wurde.
Am 18. November 1993 gelangte der Jaguar in den USA in den Handel. Als das System auf den Markt kam, waren keine Spiele erhältlich, mit Ausnahme des beigelegten Spiels Cybermorph. In der Fernsehwerbung in den USA machte man einen – marketingtechnisch gesehen – großen Fehler: „Wenn Ihnen der Jaguar nicht den größten Spielespaß bereitet, bringen Sie es zurück und sie erhalten Ihr Geld zurück.“ In Anbetracht der anfangs äußerst geringen Spieleauswahl und deren Qualität ist es wohl klar, dass Atari an den nachfolgenden Tagen tausende Geräte zurücknehmen musste. Auf der Rückseite der Jaguar-Verpackung wurden zudem viele Spiele bereits bei Marktstart angekündigt und erst weit über ein Jahr später tatsächlich oder auch, wie zum Beispiel „Arena Football“ von V-Reel, gar nicht veröffentlicht. Wie frustriert viele Spieler waren und wie sie vor allem später über die Konsole und deren Hersteller dachten, kann an diesem Beispiel erahnt werden. Dennoch wurde der Jaguar vom Magazin „Game Informer“ als bestes neues System 1993 ausgezeichnet.
Auf Grund der schwierigen Programmierung der Konsole durch die Multiprozessor-Technologie gibt es eine überdurchschnittlich hohe Zahl an qualitativ schlechten Spielen, die besten Beispiele dürften hierbei die Atari-eigenen Spiele „Club Drive“ (Grafik) und „Supercross 3D“ (Spielbarkeit) sein, die beide in unabhängigen Wertungen die schlechtesten Wertungen einstecken mussten. Die besten Wertungen erhielten jeweils der Arcade-Port „Tempest 2000“ und die Shooter „Iron Soldier“ und „Alien vs. Predator“, welche auch die erfolgreichsten Titel wurden. Letzteres gilt sogar als Killer-Applikation des Jaguars.
Von Drittanbietern wollte Atari von jedem verkauften Spiel 5 US-$ Lizenzgebühren haben - nur waren viele Firmen nicht bereit, diese Gebühr zu zahlen und entwickelten erst gar keine Jaguar-Spiele. Nach mehreren Monaten verzichtete Atari auf diese Gebühren, woraufhin bei den anderen Firmen die Entwicklungen begannen, von denen jedoch auch viele nicht fertiggestellt wurden, siehe Spieleliste. Atari lebte bis dahin aber immer gut von solchen Gebühren, was jetzt natürlich zur Folge hatte, dass das Geld noch knapper wurde.
Der Titel „Worms“ von Team17 sollte ursprünglich exklusiv für den Jaguar erscheinen (über den Publisher Telegames), was Atari aber aus unbekannten Gründen ablehnte. So gibt es das Spiel heute für verschiedene Plattformen, zur Zeit des Jaguars auch für Sega Saturn, Commodore Amiga und Sony PlayStation.
Im September 1995 kam das bereits lange versprochene Jaguar CD-Laufwerk auf den Markt, mit dem auch Audio-CDs abgespielt werden konnten. Andere Zubehörteile wie das Jaguar VR wurden zwar angekündigt, aber wieder eingestellt. Zur Rettung des Jaguars war es bereits zu spät, da die Konkurrenz stark aufholte - der Sega Saturn war bereits erhältlich, Sonys PlayStation folgte am 5. September 1995 und der Nintendo 64 war in der letzten Stufe der Entwicklung angekommen. Bereits seit August 1995 wurden keine neuen Produktionsaufträge des Jaguars mehr an IBM geschickt und die geplanten Nachfolgeprojekte Jaguar 2 und Jaguar Duo wurden ebenfalls eingestellt. Gerüchten zufolge soll Jack Tramiel sich im November 1995 bei seinen Entwicklern gezeigt haben, um zu sehen was denn in den zwei Jahren passiert ist und welche Erfolge damit erzielt wurden. Vor Wut soll er – nachdem seine Untersuchungen nach einer Woche beendet waren – einen Jaguar gegen die Wand gedonnert haben und gerufen „Ihr könnt alle eure Koffer packen - Euer Spielzeug nehme ich Euch weg!“. Die Jaguar-Entwickler wurden in diesem Zeitraum tatsächlich entlassen, wie der Finanzbericht für das Jahr 1995 zeigte. Im Frühjahr 1996 wurde dann die Auslieferung gestoppt und 1998 der Support eingestellt.
Die Rechte am Jaguar System lagen bis Februar 1998 bei JTS, danach bei Hasbro Interactive. Am 14. Mai 1999 wurden die Rechte komplett freigegeben, somit ist der Jaguar heute „Public Domain“. Auf der Website von Telegames kann man sich heute noch Spiele kaufen (unter anderem Iron Soldier 2). Auch heute erscheinen noch Spiele für das System, das derzeit neueste ist „Mad Bodies“ von Terance Williams und Scott Walters, welches 2009 erschien.
Das Gehäuse des Jaguars fand sich später wieder im Dentalkamerasystem „HotRod“ von Imagin. Atari Games lizensierte 1995 die Jaguar-Hardware unter dem Namen „CoJag“ und baute auf dieser Basis mehrere Automaten, darunter „Area 51“.
| Prozessoren 1 und 2 | TOM
64-Bit RISC beinhaltet den DRAM-Speichercontroller, den Objektprozessor, den Grafikchip mit 4 kB SRAM und den BLiTTER |
| Prozessoren 3 und 4 | JERRY 32-Bit beinhaltet den DSP (Digitaler Signalprozessor) mit 8 kB SRAM, Timer, Zeitcontroller, Soundchip |
| Prozessor 5 | Motorola MC68000 16/32-Bit CISC @ 13,3 MHz |
| Controller | Jaguar PowerPad Jaguar ProController Jaguar VR (nicht veröffentlicht) von Drittanbietern und privaten Herstellern gibt es auch andere Controller wie z.B. den Rotary Controller auf Basis des PowerPads speziell für Tempest 2000. |
| Arbeitsspeicher | 2 MB |
| Auflösung | 680×450 |
| Farbpalette | 16,7 Mio. |
| Farbtiefe | bis 24 Bit |
| Sprites | unbegrenzt |
| Soundkanäle | variabel |
| verkauft | ca.
225.000 Jaguar-Einheiten und ca. 20.000 Jaguar CD-Einheiten (lt. Atari Finanzbericht vom Dez. 1995) |
| Start | Ankündigung
Juni 1991 Vorstellung Dezember 1992 Verkaufsstart in den USA am 18. November 1993 Verkaufsstart in Europa im Januar 1994 Jaguar CD Start im September 1995 |
| Stopp | Produktion
August 1995 (Jaguar) bzw. Ende 1995 (JaguarCD) Auslieferung März 1996 Support Februar 1998 |
| Einordnung | 5. Generation (1993-2002) |

Atari brachte im September 1995 schließlich für $ 149,95 den CD-Aufsatz heraus, der bereits 1993 auf der Rückseite der Jaguar-Verpackungen zu sehen war. Es wird in den Jaguar Modulschacht eingesteckt und besitzt selbst einen durchgeschleiften Modulschacht, so dass das Laufwerk auch draufbleiben kann, wenn man ein Modulspiel spielen möchte. Beigelegt wurden dem Paket die CDs „Tempest 2000: The Soundtrack“, „Vid Grid“, „Myst Demo“ und „Blue Lightning“. Zum Speichern der Spielstände der CD-Spiele gibt es das Modul „Memory Track“ (128 kB). Beim eigentlichen Laufwerk handelt es sich um ein Doublespeed-CD-ROM-Laufwerk. Die CDs können bis zu 790 MB Daten speichern, das Format der Jaguar-CDs basiert auf dem der Audio-CDs und kann von anderen Systemen nicht verarbeitet werden. Außerdem ist die VLM (Virtual Light Machine) von Entwickler Jeff Minter eingebaut, die, wenn man eine Audio-CD abspielt, auf dem Bildschirm verschiedene Effekte erzeugt. Hergestellt wurde das JaguarCD von Philips in Amerika, laut Atari wurde der Erstauftrag mit 20.000 Stück innerhalb von ein paar Wochen komplett verkauft. Laut Atari wurden daraufhin nochmals 20.000 Stück bei Philips bestellt - jedoch ist es auf Grund der Situation Ataris Ende 1995 gut möglich, dass diese erste Lieferung auch die einzige war.

Jaguar VR entstand in Zusammenarbeit mit der Firma „Virtuality“ und sollte die Spieler in eine völlig neue Welt abtauchen lassen. Der erste Prototyp in den Jaguar-Farben schwarz/rot mit niedriger Auflösung stellte die Atari-Verantwortlichen nicht zufrieden, so dass Virtuality an einem weiteren Prototypen arbeitete, diesmal mit höherer Auflösung (dieser in den Farben blau/schwarz). Bevor das Projekt wieder an Atari herangetragen werden konnte, hatte sich Atari bereits vom Videospielemarkt verabschiedet und plante die Fusion mit JT Storage. Virtuality bekam von Atari kein Geld für ihre Arbeit, was schließlich dazu führte, dass Virtuality selbst aufgekauft wurde. Es existieren auch Gerüchte, dass es Virtuality nicht möglich war, ein solches System zum angestrebten Verkaufspreis von Atari herzustellen. Aus dem Jaguar VR entstanden später der Philips Scuba Visor (Xbox, Xbox 360, PS2 und PC) und der Takara Dynavisor. Das einzige Jaguar-Spiel, welches die Hardware unterstützt, ist „Missile Command 3D“.
Jaguar VR besteht aus folgenden Komponenten:
Weitere Zubehörteile:
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