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„Atari Jaguar 64-Bit Interactive Multimedia System“

Atari Jaguar mit CD-Addon und Pro-Controller
Jaguar mit CD-Aufsatz J 8800, Spielmodul „Rayman“ (Ubi Soft C3669T) und Pro-Controller J 8907

Ende 1992 stellte Atari seine neue Spielkonsole vor: Das Jaguar 64-Bit Interactive Multimedia System, kurz Jaguar. Wobei strittig ist, in wie weit die Konsole wirklich 64-Bit-fähig ist, da es keinen allgemein gültigen Standard dafür gibt, was eine solche Konsole dazu fähig macht. Fakt ist, dass der Systembus und der Prozessor TOM mit 64 Bit arbeiten, JERRY und der Modulschacht mit 32 Bit und der Motorola-68000-Prozessor mit 16 Bit extern und 32 Bit intern. Bei strengerer Auslegung ist die Konsole ein 16/32-Bit-System, gemessen am schwächsten Glied, dem 68000, der aber laut Atari nur kleine Aufgaben übernahm, bei lockerer Auslegung ein 64-Bit-System.

Den Grundstein der Entwicklung legte die Firma Flare2, die bereits in den späten 1980er Jahren daran ging, ein System mit mehreren Prozessoren zu entwickeln. Atari erwarb 1990 die Rechte daran und arbeitete simultan an den Konsolen Panther und Jaguar. Als die Entwicklung des Jaguars schneller vorankam als erwartet, wurde der Panther eingestellt. Gefertigt wurde der Jaguar von IBM in Ataris Heimatland Amerika, was auch in der Werbung mit dem Slogan „Made in the USA“ kenntlich gemacht wurde.

Am 18. November 1993 gelangte der Jaguar in den USA in den Handel. Als das System auf den Markt kam, waren keine Spiele erhältlich, mit Ausnahme des beigelegten Spiels Cybermorph. In der Fernsehwerbung in den USA machte man einen – marketingtechnisch gesehen – großen Fehler: „Wenn Ihnen der Jaguar nicht den größten Spielespaß bereitet, bringen Sie es zurück und sie erhalten Ihr Geld zurück.“ In Anbetracht der anfangs äußerst geringen Spieleauswahl und deren Qualität ist es wohl klar, dass Atari an den nachfolgenden Tagen tausende Geräte zurücknehmen musste. Auf der Rückseite der Jaguar-Verpackung wurden zudem viele Spiele bereits bei Marktstart angekündigt und erst weit über ein Jahr später tatsächlich veröffentlicht. Wie frustriert viele Spieler waren und wie sie vor allem später über die Konsole und deren Hersteller dachten, kann an diesem Beispiel erahnt werden.

Auf Grund der schwierigen Programmierung der Konsole durch die Multiprozessor-Technologie gibt es eine überdurchschnittlich hohe Zahl an qualitativ schlechten Spielen, die besten Beispiele dürften hierbei die Atari-eigenen Spiele „Club Drive“ (Grafik) und „Supercross 3D“ (Spielbarkeit) sein, die beide in unabhängigen Wertungen die schlechtesten Wertungen einstecken mussten. Die besten Wertungen erhielten jeweils der Arcade-Port „Tempest 2000“ und die 1st-Person-Shooter „Iron Soldier“ und „Alien vs. Predator“, welche auch die erfolgreichsten Titel wurden. Letzteres gilt sogar als Killer-Applikation des Jaguars.

Von Drittanbietern wollte Atari von jedem verkauften Spiel 5 US-$ Lizenzgebühren haben - nur waren viele Firmen nicht bereit, diese Gebühr zu zahlen und entwickelten erst gar keine Jaguar-Spiele. Nach mehreren Monaten verzichtete Atari auf diese Gebühren, woraufhin bei den anderen Firmen die Entwicklungen begannen, von denen jedoch auch viele nicht fertiggestellt wurden, siehe Spieleliste. Atari lebte bis dahin aber immer gut von solchen Gebühren, was jetzt natürlich zur Folge hatte, dass das Geld noch knapper wurde.

Im September 1995 kam dann noch das bereits lange versprochene Jaguar CD-Laufwerk auf den Markt, mit dem auch Audio-CDs abgespielt werden konnten. Andere Zubehörteile wie das Jaguar VR wurden zwar angekündigt, aber wieder eingestellt. Zur Rettung des Jaguars war es bereits zu spät, da Sony bereits die PlayStation und Sega den Saturn veröffentlicht haben und der Nintendo 64 in den Startlöchern stand. Bereits seit dem Monat davor wurden keine neuen Produktionsaufträge des Jaguars mehr an IBM geschickt und die geplanten Nachfolgeprojekte Jaguar 2 und Jaguar Duo wurden ebenfalls eingestellt. Gerüchten zufolge soll Jack Tramiel sich im November 1995 bei seinen Entwicklern gezeigt haben, um zu sehen was denn in den zwei Jahren passiert ist und welche Erfolge damit erzielt wurden. Vor Wut soll er – nachdem seine Untersuchungen nach einer Woche beendet waren – einen Jaguar gegen die Wand gedonnert haben und gerufen „Ihr könnt alle eure Koffer packen - Euer Spielzeug nehme ich Euch weg!“. Die Jaguar-Entwickler wurden in diesem Zeitraum tatsächlich entlassen, wie der Finanzbericht für das Jahr 1995 zeigte. Im Frühjahr 1996 wurde dann die Auslieferung gestoppt und 1998 der Support eingestellt.

Die Rechte am Jaguar System lagen bis Februar 1998 bei JTS, danach bei Hasbro Interactive. Am 14. Mai 1999 wurden die Rechte komplett freigegeben, somit ist der Jaguar heute „Public Domain“. Auf der Website von Telegames kann man sich heute noch Spiele kaufen (unter anderem Iron Soldier 2). Auch heute erscheinen noch Spiele für das System, das derzeit neueste ist „Mad Bodies“ von Terance Williams und Scott Walters, welches 2009 erschien.

PS2 Controller und PowerPad
Größenvergleich PlayStation 2 DualShock-Controller und Jaguar PowerPad


Blockdiagramm des Jaguar
Blockdiagramm des Jaguar


Technische Daten

Prozessor 1 TOM 64-Bit RISC
beinhaltet den DRAM-Speichercontroller, den Objektprozessor, den Grafikchip mit 4 kB SRAM und den BLiTTER
Prozessor 2 JERRY 32-Bit
beinhaltet den DSP (Digitaler Signalprozessor) mit 8 kB SRAM, Timer, Zeitcontroller, Soundchip
Prozessor 3 Motorola MC68000 16/32-Bit CISC @ 13,3 MHz
Controller Jaguar PowerPad
Jaguar ProController
Jaguar VR (nicht veröffentlicht)
von Drittanbietern und privaten Herstellern gibt es auch andere Controller wie z.B. den Rotary Controller auf Basis des PowerPads speziell für Tempest 2000.
Arbeitsspeicher 2 MB
Auflösung 680×450
Farbpalette 16,7 Mio.
Farbtiefe bis 24 Bit
Sprites unbegrenzt
Soundkanäle variabel
verkauft ca. 225.000 Jaguar-Einheiten und ca. 10.000 Jaguar CD-Einheiten
(lt. Atari Finanzbericht vom Dez. 1995)
Start Ankündigung Juni 1991
Vorstellung Dezember 1992
Verkaufsstart in den USA  am 18. November 1993
Stopp Produktion August 1995
Auslieferung März 1996
Support Februar 1998
Einordnung5. Generation (1993-2002)

Atari Jaguar Mainboard
Mainboard 700026-002 Rev. P/R

VorgängerNachfolger
7800 ProSystem
(1984-1992)

Panther
(unveröffentlicht, 1991)
Jaguar
(1993-1996)
Jaguar Duo
(unveröffentlicht, 1995)

Jaguar 2
(unveröffentlicht, 1995)

Flashback
(indirekter Nachfolger, 2004-2005)


Spielkonsolen
Pong (1974-1979) - Video Pinball (1976-1978) - Stunt Cycle (1977-1979) - 2600 (1977-1992) - Touch Me (1978-1979) - 2800 (J, 1982-1983) - 5200 (USA/CDN, 1982-1984) - 7800 (1984-1992) - XE Game System (1987-1988) - Lynx (1989-1994) - Jaguar (1993-1996) - Flashback (2004-2005) - Flashback 2.0 (2005-2010)