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Die Geschichte von Atari
1962-1972: Vorgeschichte

1962
Steve Russell, Professor für Computerwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology (MIT), und zwei seiner Studenten entwickeln an einer DEC PDP-1 das Videospiel „Space War“. Nolan Bushnell (Bild; geb. am 5.2.1943 in Clearfield, Utah), Student an der University of Utah, ist begeistert von Space War. In den Semesterferien jobbt Bushnell in einer Spielhalle. Das bringt ihn auf die Idee, Space War als Münzspielautomat zu entwickeln. Allerdings fehlt es ihm an Geld und die benötigte Hardware brauchte etwa so viel Platz wie ein Kleinwagen. Es sollten noch neun Jahre vergehen, bis Bushnell sein Vorhaben realisieren kann.

1970
Bushnell schließt sein Studium zum Elektrotechniker nach eigenen Angaben als 197. von 197 ab und bekommt einen Job bei Ampex in Redwood City (Kalifornien). Hier arbeitet Ted Dabney, der vom Space War ebenso begeistert ist wie Bushnell.

1971
Bushnell kündigt bei Ampex und steckt seine ganze Kraft in „Computer Space“. Nutting Associates kauft es im August und stellt Bushnell und Dabney ein. 1500 Automaten werden produziert und ab Oktober ausgeliefert. Da dieses Spiel aber nur mit einem dicken Handbuch zu verstehen ist, bleiben die Verkaufszahlen deutlich hinter den Erwartungen von Nutting zurück. Bushnell erkennt das Problem und versucht jetzt, ein sehr einfaches Videospiel zu bauen. Im Oktober gründen Bushnell und Dabney zusammen mit dem ehemaligen Ampex-Ingenieur Larry Bryan „Syzygy Engineering“ innerhalb von Nutting. Bryan steigt jedoch aus, als es darum geht, hundert Dollar zum Startkapital beizusteuern. Daraufhin stocken Bushnell und Dabney ihre Anteile auf je 250 Dollar auf.


1972-1976: Die ersten Jahre

1972
Atari-Logo 1972 (SA = Syzygy Atari Engineered) Im Mai sieht Bushnell im „The Magnavox Profit Caravan“ im Flughafenhotel „Marina“ in Burlington, Kalifornien, das Fernseh-Tennisspiel Odyssey 100, ein einfaches Spiel mit zwei Drehreglern. So einfach, dass es erfolgreich werden musste. Nutting Associates, geprägt von den schlechten Zahlen des Computer Space, lässt Bushnell nicht mehr so arbeiten wie er wollte. Bushnell und Dabney steigen noch im Mai aus und gründen am 27. Juni eine eigene Firma. Fünf Namen werden vorgelegt: Syzygy (ein Begriff aus der Astronomie), den sie schon während ihrer Zeit bei Nutting verwendeten, aber bereits an einen örtlichen Dachdecker vergeben war; B.D. (abgeleitet von Bushnell und Dabney) wird abgelehnt, da man Verwechslungen mit dem Werkzeughersteller Black & Decker aus Baltimore befürchtet; Hanne, Sente (先手) und Atari (当たり), die letzten beiden Begriffe stammen aus dem japanischen Brettspiel Go (囲碁). Sente bedeutet „Vorhand“ und Atari etwa „Treffer“ oder „Erfolg“. Wenn bei Go Steine im „Atari“ stehen, können sie geschlagen werden, ähnlich wie „Schach“ im gleichnamigen Brettspiel. Ein weiterer Begriff des Spiels, Tengen (天元, „Mitte des Himmels“), wurde 1984 zum Namen der Atari Games-Tochter Tengen Inc. Schließlich einigt man sich auf Atari, wobei noch einige Zeit „Syzygy Engineering“ zusätzlich auf den Typenschildern stehen sollte. Im Juni vereinbaren sie noch mit Nutting den Bau einer Mehrspieler-Version von „Computer Space“. Die Rechte am Ein-Spieler-Automaten bleiben bei Nutting. Das erste „Büro“ befindet sich in Bushnells Haus im Zimmer einer seiner beiden Töchter.

Atari-Leitung 1972
Die Leitung 1972: ganz links am Bildrand Ted Dabney, in der Mitte Nolan Bushnell und rechts außen Al Alcorn - Bild © Atari

Atari Pong (1972)

Die Firma Atari, bestehend aus Bushnell, Dabney und einigen Mitarbeitern, zieht schon bald aus Bushnells Haus in ein Gebäude am 2962 Scott Boulevard in Santa Clara um. Anfangs stehen Atari nur rund hundert Quadratmeter zur Verfügung. Einer urbanen Legende zufolge sollen die Mitarbeiter so laut gewesen sein, dass die Nachbarfirma im selben Gebäude auszog und Atari dann seine Fläche mit einem Mauerdurchbruch verdoppelte. Al Alcorn, einst Bushnells Nachfolger bei Ampex und nun mit zehn Prozent an Atari beteiligt, baut die ersten Pong-Automaten - abgeleitet von dem Spiel, das Bushnell im Jahr zuvor in Burlington sah. Bushnell sucht Firmen, die bereit sind, das Gerät in größeren Stückzahlen zu produzieren. Er erhält aber nur Absagen. Also beschließt er, den Automaten selbst zu bauen. Im September stellt Bushnell einen Automaten in der Kneipe „Andy's Capps“ im Nachbarort Sunnyvale auf. Der Besitzer ruft ihn nach wenigen Tagen an, er solle das Gerät wieder mitnehmen, da es kaputt sei. Jedoch: Der Fehler lag aber nicht am Automaten selbst, sondern am Münzbehälter. Der war durch die vielen eingeworfenen Münzen bereits so voll, dass er schlichtweg keine Münzen mehr annehmen konnte. Pong geht daraufhin am 29. November in Serie (Bild) - mit riesigem Erfolg: Innerhalb eines Jahres werden rund zehntausend Spielgeräte verkauft. Im Dezember entscheidet man sich für einen stilisierten Fujiyama als Firmenlogo.

1973
Atari-Logo Es drängen immer mehr Pong-Nachbauten auf den Markt – einer davon auch von Nutting Associates, jener Firma, die Bushnell die Unterstützung für Pong verweigerte. Ein anderer wurde im April von Bally Manufacturing unter dem Namen „Winner“ veröffentlicht, dieser wurde von Atari lizensiert. Atari selbst baut auch immer mehr Automaten. Im Juli erscheint Space Race. Im August wird das bis 1984 gültige Firmenlogo festgelegt (Bild links). Im September kommt „Pong Doubles“ heraus, das in Frankreich (dem ersten europäischen Atari-Markt) „Coupe Davis“ heißt. Dabney sieht die stark wachsende Konkurrenz mit großer Sorge und verkauft im Herbst seinen Anteil an Bushnell – eigentlich ohne Grund, denn Atari ist und bleibt eine Zeit lang die stärkste Firma auf dem neuen, heißumkämpften Markt. Atari zieht um ins nahegelegene Los Gatos (14600 Winchester Boulevard), gründet eine Niederlassung in Japan und bringt im Oktober beide Gotcha-Versionen auf den Markt. Kee Games, eine in diesem Jahr gegründete Tochterfirma Ataris, veröffentlicht „Elimination“.

1974
Schon bald folgen „Super Pong“ (Februar), „QuadraPong“ (März), eine Cocktail-Variante von Pong im Mai, „Puppy Pong“ (August), „Dr. Pong“ (September) und „PinPong“ (Oktober) - die Varianten für Pong scheinen unerschöpflich. Aber auch andere Spiele wie „Rebound“, „Qwak“ und die „Trak“-Serie erscheinen. Die Firma Kee Games bringt unter anderem den Automaten „Tank“ (November auf der Messe „Music Operators of America“) heraus und damit ein völlig neues Spielprinzip. Der Angestellte Harold Lee kommt auf die Idee, Pong auch für den heimischen Fernseher zu bauen. Diese Heimversion von Pong wird von Lee, Alcorn und Robert Brown entwickelt. Die Händler lehnen aber nach den geringen Verkaufszahlen des Magnavox Odyssey 100 erst einmal ab. Am 17. April erhebt Magnavox Sammelklage gegen Atari, Bally, Empire Distributing, Chicago Dynamic Industries und Allied Leisure auf Grund von Patentrechtsverletzungen. Im Herbst verkauft Atari die japanische Niederlassung für 500.050 Dollar an Nakamura Manufacturing. Im Dezember fusionieren Atari und Kee Games und Joe Keenan wird Präsident von Atari an Stelle von John Wakefield, der diese Funktion seit 1973 wahrnahm. Bushnell bleibt CEO und Geschäftsführer. In diesem Jahr kauft Atari den kleinen Jukebox-Hersteller „Electro-Kicker“ in Frankreich und bringt dort Jukeboxen unter dem Namen Atari heraus.

1975
Atari Pong C-100 (1974-1976) Atari stellt die Heimversion von Pong (Bild) im Januar auf der Toy Fair in New York vor. Tom Quinn, Einkäufer der amerikanischen Kaufhauskette Sears, bestellt nach der Vorführung des Pong 150.000 Geräte und vertreibt sie ab Oktober unter dem Namen Tele-Games. Im Weihnachtsgeschäft wird Pong zum größten Renner, und Atari wird in den ganzen USA bekannt. Atari macht in diesem Jahr einen Umsatz von vierzig Millionen Dollar und einen Gewinn von drei Millionen Dollar. Im Januar wird die Flipper-Abteilung gegründet. Am 20. November wird das Logo ein eingetragenes Warenzeichen (®). Der erste Prototyp von Ataris neuester Spielkonsole mit austauschbaren Spielen (Codename „Stella“) wird im Dezember fertiggestellt. Außerdem wird die Flipper-Abteilung gegründet und es erscheinen in diesem Jahr fünfzehn Coin-Ops, zwei weitere werden im November der Öffentlichkeit vorgestellt.

1976
Atari bringt weitere Kassenschlager - darunter Night Driver und Breakout (welches von den späteren Apple-Gründern Steve Jobs und Steve Wozniak entwickelt wird) auf den Markt. Weiterhin wird an der „Stella“ (benannt nach der Marke eines Mitarbeiterfahrrads) gearbeitet, der Halbleiterhersteller Fairchild Semiconductor kommt Atari allerdings zuvor und bringt im August das Video Entertainment System (VES, später Channel F) heraus. Im selben Jahr wird Cyan Engineering von Atari gekauft und kurze Zeit später in Grass Valley umbenannt. Grass Valley dient Atari zu Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Die Produktion der Flipper wird aufgenommen und das Gebäude 1265 Borregas Avenue in Sunnyvale wird zur neuen Zentrale. Der Angestellte Steve Jobs versucht, die Entwicklung eines Heimcomputers bei Bushnell durchzusetzen. Als dieser ablehnt, kündigt Jobs, gründet mit seinem Freund Steve Wozniak, bislang bei Hewlett Packard angestellt, die Firma Apple und veröffentlicht mit dieser den Apple I. Die Jukebox-Abteilung wird an Europe Electronique SA verkauft, die Atari-Jukeboxen dort noch bis 1978 produziert. Atari macht in diesem Jahr einen Umsatz von dreißig Millionen Dollar.


1976-1984: Atari als Tochter von Warner Communications – Aufstieg und tiefer Fall

1976
Weil Atari langsam das Geld für die Entwicklung der Stella ausgeht, verkauft Bushnell die Firma im Oktober für 28,8 Millionen Dollar an den Medienriesen Warner Communications – fünfzehn Millionen davon gehen in Bushnells eigene Tasche. Keenan und Bushnell bleiben weiterhin die Geschäftsführer bei Atari. In einem Interview mit „Welt Online“ vom 2. Juli 2010 sagt er, dass der Verkauf sein größter Fehler gewesen sei. Zitat: „Ich hatte nie erwartet, dass das Unternehmen so heruntergewirtschaftet werden würde. Ich dachte, dass die Macher in den Chefetagen großer Firmen ziemlich kluge Menschen wären, sonst wären sie nicht so weit gekommen. Aber es stellte sich heraus, dass es genau andersherum ist: Je größer das Unternehmen, je dämlicher ist das Management.“

1977
Atari 2600 (1977-1991), hier die sog. "Heavy-Sixer"-Variante von 1977 Stella wird auf der Summer CES erstmals vorgestellt und im Oktober als „Video Computer System“ (kurz: VCS; Bild) vermarktet. Nakamura Manufacturing, der Eigentümer der ehemaligen japanischen Atari-Niederlassung, gibt sich den noch heute bekannten Namen „Namco Ltd.“



1978
Ray Kassar Der japanische Automatenhersteller Taito bringt „Space Invaders“ von Entwickler Toshihiro Nishikado auf den Markt. Atari erwirbt die Vermarktungsrechte und entwickelt eine Modulversion, die dem bislang schwach verkauften VCS zum Weihnachtsgeschäft beigelegt wird. Das VCS wird dadurch der Renner des Jahres – selbst Ataris Erwartungen an die Konsole werden weit übertroffen. Schon bald folgen weitere Spielehits wie „Asteroids“ oder „Missile Command“, und durch diese so erfolgreiche Vermarktung des VCS bescherte Atari sich selbst und der gesamten Branche ein steiles Wachstum. So erscheinen nach und nach weitere Konkurrenzkonsolen von Philips, Bally, Magnavox und Mattel, jedoch erreicht keins der Produkte die Marktanteile, die sich Atari schon erworben hat. Derweil wächst auch der Markt für Heimcomputer mittlerweile unaufhörlich. Auch Atari strebt nach den erfolgreichen Starts von Apple II, Tandy Radio Shack und Commodore PET einen Heimcomputer an – nur Bushnell ist, wie schon 1976, nicht sonderlich begeistert davon. Ataris Entwicklungsabteilung arbeitet trotzdem an den Computern „Candy“ und „Colleen“ – Atari wählte die Codenamen zu dieser Zeit meist nach weiblichen Angestellten. Diese Heimcomputer besitzen im Gegensatz zu den Konkurrenten auch einige Custom-Chips zur Entlastung des Prozessors. Diese wurden entwickelt von Jay Miner, dem späteren Amiga-Chefentwickler. Atari besitzt zu dieser Zeit bereits Fertigungsstätten in Taiwan, Irland und Hong Kong, wo das VCS gebaut wird. Im November verlässt Bushnell die von ihm gegründete Firma. Raymond Kassar (Bild), bislang Vizepräsident des Textilherstellers Burlington Industries, wird neuer CEO von Atari.

1979
Nach nur drei Jahren wird die wenig erfolgreiche Flipper-Produktion aufgegeben. Am 29. August erfolgt die erste kleine Lieferung der im Atari 800 (1979-1982) Januar vorgestellten Computer 400 (Candy) und 800 (Colleen; Bild) an die Kaufhauskette Sears, die die Geräte ab dem 1. September verkauft. Im Dezember folgt die erste Serienproduktion. Atari gibt bekannt, dass mittlerweile 400.000 VCS-Konsolen seit dem Start 1977 verkauft wurden. Die Spieleentwickler Alan Miller, Bob Whitehead, Larry Kaplan und David Crane verlassen nach einem Streit mit Kassar Atari und gründen am 25. April 1980 mit Activision den ersten Third-Party-Spielehersteller. Atari bringt mit „Lunar Lander“ den ersten Automaten mit Vektorgrafik auf den Markt und startet damit eine kleine Revolution.

1980
Es erscheinen „Adventure“ (Warren Robinett) für das VCS, das erste Spiel aus dem Genre Action-Adventure und das erste Videospiel mit Easter-Egg, und der Automat „Battlezone“ (Ed Rotberg) als erster First-Person-Shooter.

Hier mal eine Übersicht, welche Gebäude Atari Ende der 1970er Jahre in Sunnyvale belegte:



Atari-Gebäude in Sunnyvale auf einer größeren Karte anzeigen



1981
Atari ist zu dieser Zeit nur in Nordamerika und Frankreich ein Begriff, der Rest der Welt kennt Atari nicht oder kaum. Klaus Ollmann, stellvertretender Geschäftsführer der bundesdeutschen WEA Music – ebenfalls im Warner-Konzern – fliegt öfters zum Mutterkonzern nach New York. Ende 1979 bekommt der Geschäftsführer der WEA, Siggi Loch, ein Paket von Warner mit dem VCS. Loch, nicht begeistert vom Videospiel- und Computermarkt, gibt die Sache an Ollmann weiter. Dieser setzt sich für das Produkt ein und gründet am 1. März 1980 innerhalb der WEA die Atari Elektronik Vertriebsgesellschaft. Am 1. April 1981 wird diese Firma aus der WEA ausgegliedert und als Atari Deutschland mit Sitz in Hamburg-Winterhude gegründet. Von dort aus laufen über die nächsten drei Jahre die Geschäftsaktivitäten Ataris in der Bundesrepublik.

Im Mutterland kommen derzeit immer mehr VCS-Spielmodule auf den Markt, darunter auch der Megahit „Pac-Man“ – trotz der schlechten Umsetzung wurde dieses Spiel mehrere Millionen mal verkauft. Atari selbst baut bereits die dritte Version des VCS und arbeitet bereits an einem Nachfolger, dem Video System X. Der Grund: Mattel und Coleco liefern bereits technisch fortgeschrittenere Konsolen aus, außerdem stehen neue Konsolen von Smith Engineering und Sega Enterprises in den Startlöchern. Von Atari erscheint mit „Tempest“ (Dave Theurer) der erste Automat mit farbiger Vektorgrafik. Jay Miner steigt bei Atari aus und gründet die Firma Hi-Toro (später Amiga, Inc.), mit der er ungewöhnliche Spielsteuerungen und Konsolensoftware herstellt. Die Spieleentwickler Bill Grubb, Rob Fulop, Denis Koble, Mark Bradley und Bob Smith steigen ebenfalls aus und gründen zusammen mit den vormals bei Mattel angestellten Entwicklern Brian Dougherty und Jim Goldberger die Firma Imagic.

1982
Die Heimcomputer werden nach dem Erfolg des Commodore VIC 20 überarbeitet und der Prototyp des 1200, ein Vertreter der neuen Computerlinie 600/1000/1200, vorgestellt, die jedoch nie erscheinen sollte. Auf dem japanischen Markt erscheint das Atari 2800, eine speziell für den ostasiatischen Markt gestalteten Variante des 2600, sie floppt jedoch auf Grund der dortigen Dominanz von Nintendo, welches gerade erfolgreich den Family Computer (Famicom) auf den Markt brachte. Atari Deutschland ist zu dieser Zeit bereits der stärkste Auslandsmarkt von Atari und in den USA kommt im Oktober das 5200 Super System auf den Markt, gleichzeitig wird das VCS in 2600 umbenannt. Die Atari-Gruppe steuert mittlerweile ein Drittel des Gesamtumsatzes von Warner Communications bei und ist die am schnellsten wachsende Firma in den Vereinigten Staaten. Der Jahresumsatz 1982 liegt bei zwei Milliarden Dollar.

Gegen Ende des Jahres sorgt Atari für Börsenschlagzeilen: Am 7. Dezember um 14:41 EST verkauft Kassar 5.000 Warner-Aktien im Wert von 250.000 Dollar und macht dabei einen Gewinn von 81.000 Dollar. Um 15:04 EST gibt Warner eine Gewinnwarnung aus, wonach der Konzern im vierten Quartal wohl zehn Prozent weniger Gewinn einfahren wird. Tags darauf fallen die Warner-Aktien um ein Drittel, landesweit stornieren Händler massenweise Aufträge. Am 14. Dezember beginnen die Ermittlungen gegen Kassar und Vize Dennis Groth – beide stehen im Verdacht, Insider-Geschäfte betrieben zu haben. Die Investoren an der Wall Street in New York wenden sich ab. Dieses Ereignis ist eine von mehreren Ursachen für den Crash der gesamten Branche im folgenden Jahr.

1983
Im März wird der 1200 XL (Bild) als Nachfolger der Computer 400 und 800 vorgestellt, doch schon im Juni wird auf Grund von Kompatibilitätsproblemen die Produktion Atari 1200 XL (1982-1983) gestoppt und im September durch 600 XL und 800 XL abgelöst. Als die Öffentlichkeit die Probleme des 1200 XL mitbekommt, werden schnell die Restbestände der alten Computer 400 und 800 gekauft. Ebenso wird bereits am Nachfolger der erfolglosen 5200-Konsole gearbeitet. Atari schließt im April die Fabrik in El Paso (Texas), einer Legende nach wurden die dort verbliebenen Module sowie einige Prototypen der Spielsteuerung Mindlink auf vierzehn Lastern in die Wüste New Mexicos - nähe Alomorgordo - gekarrt, ausgekippt, mit Bulldozern plattgemacht und die Reste mit Beton übergossen.

Die Konsole 2600 erreicht ihren Höhepunkt und Niedergang zugleich – in diesem Jahr erscheinen die meisten Spiele, immer mehr Firmen liefern neue Titel. Doch das hat auch seine Schattenseiten: Immer mehr Firmen werfen immer schneller neue Spiele für immer weniger Geld auf den Markt - zum Teil werden Spiele für unter zehn Dollar regelrecht verramscht. Die Qualität dieser Spiele ist deutlich am Boden - nur wenige Hersteller liefern noch qualitativ hochwertige Spieletitel aus. Zusammen mit der größeren Leistungsfähigkeit von Heimcomputern bei sinkenden Preisen und dem Börsenskandal Ataris von 1982 mündet dies alles im großen Videospiel-Crash, bei dem zahlreiche Firmen teilweise im Jahr ihrer Gründung wieder schließen mussten und etablierte Hersteller wie Mattel und Coleco sich vom Videospielmarkt wieder abwandten. Erst ab 1985 erholt sich der Markt wieder. Auch die Heimcomputer 600 XL und 800 XL bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Und so ziehen dunkle Wolken an Ataris Horizont auf.

Am 7. Juli muss Kassar wegen der Börsen-Affäre zurücktreten, Nachfolger wird am 6. September James Morgan, bislang beim Tabakkonzern Philip Morris angestellt. Die Jahresbilanz: Atari macht 536 Millionen Dollar Verluste - was etwa zwei Millionen pro Tag entspricht. Schon im zweiten Quartal werden Verluste von 283,4 Millionen Dollar gemeldet. Das hindert Atari aber nicht daran, ständig neue Produkte anzukündigen. Im Februar wird „My First Computer“, ein Aufsatz für die 2600-Konsole, angekündigt, wenig später werden Pläne für die Computer 1400 XL, 1450 XLD „Dynasty“ und 1600 XL „Mickey“, im März für eine Tochterfirma namens „AtariTel“ bekannt. Keins dieser Produkte fand den Weg in die Regale. In einem Warenhaus werden einige Paletten mit 825-Druckern vorgefunden - dieser Nadeldrucker gilt seit 1981 als ausverkauft. Am 21. November schließen Atari und Amiga einen Vorvertrag ab, der Atari die Rechte an der Spielkonsole „Lorraine“, die zu einem Computer ausgebaut werden kann, zusichern sollte. Laut diesem Vertrag muss Amiga bis zum 30. Juni 1984 den Chipsatz der Lorraine an Atari liefern oder die komplette Firma samt aller Rechte an Atari abgeben.

1984
Nun werden die restlichen achtzehntausend nicht verkauften CX 53-Trackballs vom Markt genommen und zurück ins Werk transportiert. Dort werden sie auseinandergenommen, und die Kugeln als Schaltknaufe für Auto-Gangschaltungen verkauft, der Rest geschreddert. Am 21. Mai wird das 7800 ProSystem angekündigt und eine erste Testveröffentlichung erfolgt. Im Juni sucht Warner Communications einen Käufer für die angeschlagene Tochterfirma.


1984-1996: Atari unter den Tramiels – Von ST bis Jaguar

„Er sagt, er bringt Geschenke!“

1984
Jack Tramiel (Bild, geboren als Idek Tramielski, nach anderen Quellen Jacek Trzmiel, geboren am 13. Dezember 1928 in Łódź), polnischer Einwanderer und Überlebender des Jack Tramiel Mitte der 1980er Jahre Holocausts (interniert im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und später im Arbeitslager Ahlem), wanderte mit seiner Frau Helen 1947 aus dem besetzten Deutschland in die Vereinigten Staaten aus und gründete 1955 in Toronto, Kanada, die Firma Commodore Business Machines, anfangs zur Reparatur von Schreibmaschinen. Ende der 1970er Jahre brachte Commodore den PET auf den Markt, weitere Computer wie der VIC 20 oder der erfolgreiche Commodore 64 folgten. Ende 1983 kommt es zum Streit zwischen Tramiel und Mitinhaber Irving Gould. Tramiel befürchtet nach den anfänglichen Erfolgen der Apple Lisa und später des Macintosh, dass dies das Ende der 8-Bit-Linien einläuten würde und drängt darauf, einen 32-Bit-Computer zu entwickeln. Gould ist aber entschieden dagegen, da der Commodore 64 nach wie vor an der Spitze steht. Tramiel und seine Söhne müssen am 13. Januar 1984 die Firma verlassen und gründen Tramel Technologies Ltd. Die Schreibweise mit dem fehlenden „i“ wurde gewählt, um auf die richtige Aussprache des Familiennamens hinzuweisen. Greg Pratt wird Präsident von TTL, Jack Tramiel CEO, Leonard Schreiber Vizepräsident. Sie besuchen in den folgenden Wochen mehrere Computerfirmen, darunter Mindset und auch Jay Miners Firma Amiga, Inc., der Tramiel mitteilt, dass er sehr interessiert am Chipsatz von Lorraine wäre, aber nicht an der Belegschaft. Zwischenzeitlich beauftragt er seinen Entwickler Shiraz Shivji, der schon den Commodore 64 entwickelte und mit Tramiel bei Commodore ausgeschieden war, mit dem Bau eines High-End-Computers zu einem niedrigen Preis.

Dieses Projekt, aus dem ein halbes Jahr später der Atari ST wird, ist im Juni beinahe fertig, als Tramiel mitbekommt, dass Warner Communications einen Käufer für die angeschlagene Firma Atari sucht. Sam Tramiel ersetzt währenddessen Pratt als Präsident, der als Finanzbuchhalter weiter bei der Firma bleibt. TTL schlägt am 2. Juli um 5:30 bei Atari zu und kauft die Computer- und Videospielabteilungen gegen Schuldscheine. Die Tramiel-Familie erhält 51 Prozent der Aktien, 25 Prozent bleiben bei Warner, darunter die Automatensparte, die in Atari Games umbenannt wird. TTL wird in Atari umbenannt und in eine Corporation (Aktiengesellschaft) umfunktioniert. Als die Tramiels drei Stunden nach dem Kauf in der bisherigen Forschungsabteilung und neuen Zentrale an der 1196 Borregas Avenue in Sunnyvale ankommen, soll der Pförtner „The stormtroups arrived!“ (Die Sturmtruppen sind gekommen!) gerufen haben. Tramiel und seine Söhne reisen um die ganze Welt und schließen einige Niederlassungen, darunter das 2600-Werk in Irland. Auch Klaus Ollmann von Atari Deutschland wird entlassen. Die Tramiels entlassen zwei Drittel der gesamten Belegschaft weltweit. Atari Deutschland zieht aus der Niederlassung in Hamburg aus und bezieht sein neues Hauptquartier in der Stadt Raunheim bei Frankfurt/Main. In Sunnyvale wird derzeit die Produktion sämtlicher laufender Serien (mit Ausnahme der Modelle 800 XL, 2600 A und einiger Peripheriegeräte wie dem Diskettenlaufwerk 1050) eingestellt sowie alle laufenden Entwicklungen gestoppt und AtariTel an Mitsubishi verkauft. Die gerade veröffentlichte Konsole 7800 wird sofort vom Markt genommen.

Nintendo of America fragt bei Atari an, ob Interesse bestünde, die Konsole „Famicom“ unter dem Atari-Label in den USA zu vermarkten. Tramiel lehnt ab, Nintendo nennt das System 1985 in „Nintendo Entertainment System“, kurz NES, um und vermarktet es selbst sehr erfolgreich. Amiga geht das Geld für „Lorraine“ aus und sucht Käufer. Tramiel bietet nur 98 Cent pro Aktie. Commodore schlägt kurz vor Ende der zwischen Amiga und Atari vertraglich vereinbarten Lieferfrist am 30. Juni zu und kauft die Firma für 4,25 Dollar pro Aktie. Commodore zahlt eine halbe Million Dollar an Atari aus, die Summe, die Atari in Lorraine investiert hatte. Aus Lorraine, welche ursprünglich das Atari-Modell 1850 XL werden sollte, wird wenig später der Computer Amiga. Währenddessen entdecken die Tramiels den Vertrag mit Amiga in den Unterlagen und streben daraufhin ein Gerichtsverfahren gegen Commodore an, welches das Projekt Lorraine den gesamten Sommer über lahmlegen sollten. Amiga wird zwar am 13. August 1984 vollwertige Tochterfirma von Commodore, aber kann auf Grund des laufenden Verfahrens nicht produzieren, erst im Herbst läuft die Entwicklung wieder an. Atari und Commodore einigen sich erst im März 1987 außergerichtlich. Im September kauft Warner für rund zehn Millionen Dollar einige Anteile von der Atari Corporation zurück. Im Herbst erscheint mit „Track & Field“ das erste Videospiel unter den Tramiels für 2600 und XL. Am 13. November kündigt Atari Nachfolger für die XL-Computer an.

1985
Auf der Winter Consumer Electronics Show in Las Vegas werden im Januar neben der neuen XE-Serie die Computer 130 ST und 520 ST vorgestellt. Diese Rechner besitzen den Motorola 68000 Prozessor (erst war der National 32032 geplant, die Lieferfähigkeit dessen wurde allerdings bezweifelt), der 520 ST mit 512 kB für diese Zeit unglaublich viel Arbeitsspeicher, eine mit der Maus zu bedienende GEM-Oberfläche und die Fähigkeit Farbauflösungen darzustellen, was der ein Jahr zuvor erschienene Apple Macintosh nicht konnte. Mit der Vorstellung der XE-Computer wird gleichzeitig die Produktion des 800 XL eingestellt. Am 6. Februar kauft Namco alle Vermögensteile, Patente, Marken- und Urheberrechte von Atari Games auf. Der 520 ST (Bild) wird Spätsommer erstmals ausgeliefert Atari 520 ST (1985-1989) - der 130 ST geht dagegen nie in Serie. Der ST erscheint nur wenige Monate vor dem Amiga, der seine Premiere auf der Sommer-CES hat. In Deutschland wurde der ehemalige Commodore-Deutschland-Chef Alwin Stumpf zum neuen Chef der Atari Computer GmbH. Im Juni stellt Atari auf der Sommer-CES mit dem CDAR 504 sein erstes CD-ROM-Laufwerk vor. Am 15. November wird die Electronic Entertainment Division gegründet, die Leitung übernimmt Michael Katz, bisher CEO bei Epyx.

1986
Der 1040 ST erscheint und auch die 7800-Konsole wird seit Juni nun erneut ausgeliefert, etwas zu spät allerdings - Nintendo hat mit dem NES bereits beachtliche Marktanteile erobert. Das 2600-System geht in der sechsten Version in Serie. Mitte des Jahres macht das Gerücht, Atari würde einen 32-Bit-Computer entwickeln, die Runde. Als erstes schreibt die deutsche Zeitschrift „Data Welt“ über den EST.

1987
Der immer lauter werdende Ruf nach einem professionellen ST wird erhört - Atari bringt den Mega ST mit abgesetzter Atari XE Game System (1987-1988) Tastatur heraus. Auch die XE-Computer sind noch nicht tot, im Januar kündigt Atari das XE Game System (Bild) an. Das XEGS besitzt eine abgesetzte Tastatur und ist hauptsächlich als Spielkonsole und damit als direkter Konkurrent zum ebenso erfolglosen Commodore 64GS konzipiert, es erscheint im November. Anfang des Jahres kauft eine Gruppe Atari Games-Mitarbeiter einige Anteile ihrer Firma von Namco zurück. Im Juli werden von der Atari Corporation neue Spiele für das 2600 angekündigt. Außerdem steigt Atari mit der PC-Serie in den Markt der IBM-Kompatiblen ein, die zu dieser Zeit immer erfolgreicher werden. Hartech USA bringt die unter Lizenz gebauten Atari-Taschenrechner auf den Markt. Außerdem kauft Atari mit „Inmos“ eine kleine englische Firma, die einen Transputer entwickeln. Dieser Transputer arbeitet mit bis zu siebzehn Prozessoren. Er wird als Atari Transputer Workstation 800 in kleinen Stückzahlen gebaut. Am 4. Oktober kauft Atari alle verfügbaren Anteile der Elektromarkt-Kette „The Federated Group“. Atari Games gründet zwischenzeitlich den Publisher „Tengen“, dessen Name – ein Spielertitel – aus dem japanischen Go stammt. Tengen vermarktet die nächsten Jahre viele Atari Games-Spiele für die Konsolen von Nintendo (Game Boy, NES), Atari (Lynx), NEC (Turbo Grafx-16) und Sega (Mega Drive/Genesis, CD, Master System, Game Gear) sowie die Computer Atari ST und Commodore Amiga.

1988
Atari kauft die Rechte am „Handy“, einer Handheld-Konsole des Spielherstellers Epyx. Das 2600 geht in der letzten Version in Serie, dieser Konsole wird das 32-in-1-Modul beigelegt. Am 19. April wird die Atari Computer Corporation unter Leitung von Charles Babbit gegründet. Jack Tramiel gibt im Mai den Posten des CEO an seinen Sohn Sam ab, der auch weiterhin Präsident bleibt. Jack bleibt nach wie vor im Vorstand. Unter dem Motto „The Fun is Back!“ werden die Konsolen 2600, 7800 und XEGS auf der Sommer-CES ausgestellt. Am 14. November erscheint der PC 5 und auf der COMDEX wird ein früher Prototyp eines portablen ST gezeigt.

1989
Am 4. Januar lösen Atari und Hartech ihre Lizenzvereinbarung, Atari stellt die Taschenrechner nun in Eigenregie her. Am 19. Januar wird erstmals die Hotz Box und der Hotz MIDI Translator auf der Winter-NAMM in Anaheim gezeigt. Am 31. Januar erhebt Atari Klage wegen Monopolstellung gegen Nintendo, dieser Prozess wird jedoch erst im Jahr 1992 verhandelt. Auf der COMDEX in Las Vegas werden am 10. April erstmals der 1040 STE, der Pocket-PC „Portfolio“ und der Portable „Stacy“ gezeigt. Auch ein Prototyp eines Computers namens TT/X wird vorgeführt. Am 9. Mai beschließt Atari die komplette Auflösung der „The Federated Group“-Märkte, im selben Monat wird die STE-Serie erstmals in den Handel gebracht. Die kleinen STs sowie der 1040 STF werden daraufhin eingestellt. Im Juni wird die Handheld-Spielkonsole Lynx Atari Lynx I (1989-1992) (Bild) vorgestellt. Das Spielesortiment dafür stammt größtenteils aus der Time-Warner-Tochter Atari Games (unter der Marke „Tengen“) und beinhaltet meist Automaten-Umsetzungen. Nintendo und Atari Games/Tengen bringen gleichzeitig eine Umsetzung des russischen Spiels Tetris heraus – und jeder behauptet die Rechte daran zu haben. Ein Gericht entscheidet im November zugunsten Nintendo. Am 30. August hält der Time-Warner-Konzern 24,6 Prozent der Atari-Corporation-Aktien. Im September wird auf der Atarimesse in Düsseldorf erstmals der TT 030 gezeigt – dieser arbeitet mit einer 68030-CPU, 16 MHz Takt und dem Betriebssystem UNIX, welches man zu dieser Zeit für das Betriebssystem der Zukunft hält – und im Oktober erstmals der Portfolio ausgeliefert. Am 9. November kauft Silo Inc. aus Philadelphia 21 Federated-Group-Märkte in Los Angeles und weitere fünf in San Diego. Atari besitzt jetzt noch 14 Märkte in den Bundesstaaten Texas, Kansas und Arizona, die bis Jahresende 1990 geschlossen werden. Der Lynx wird im Dezember erstmals ausgeliefert, die gesamte Produktion reicht aber gerade einmal für das Weihnachtsgeschäft in New York und Tokyo. Am 7. Dezember erhebt Atari Klage gegen Nintendo und Pepsi auf Grund eines Werbespots, in dem ein farbiger Mario auf dem GameBoy-Bildschirm eine Pepsi trinkt, obwohl der GameBoy keinen Farbbildschirm besitzt. Atari und Pepsi einigen sich einen Tag später außergerichtlich, Pepsi übernimmt die Verantwortung für die Anzeige.

1990
Die Stacy wird im Januar erstmals in den USA ausgeliefert und die Serienproduktion des TT 030 beginnt. Im März werden fünfzehn Prozent der Belegschaft entlassen. Die Umsatzzahlen sind wieder rückläufig. Am 21. März, nur drei Monate nach Auslieferung der ersten Lynx-Geräte, wird bereits der Lynx II auf der CeBIT vorgestellt, außerdem wird der TT in drei Versionen angekündigt: TT 030/2, TTX und TT 030/X. Am 26. Juni kündigt Atari Games (nach wie vor bei Time-Warner) den Rückkauf der 43 Prozent Anteile an, die noch von Namco gehalten werden. Im Gegenzug soll Namco vollständige Eigentümerschaft über die Atari Games-Tochter Atari Operations erhalten. Die diesjährige Atarimesse im August in Düsseldorf hat 43.000 Besucher. Am 12. November wird der Mega STE samt dem Laserdrucker SLM 605 auf der COMDEX vorgestellt und bereits im Folgemonat zusammen mit dem ST-Book ausgeliefert. Die Mega ST-Baureihe samt der Megafile-Laufwerke wird eingestellt, ebenso fallen alle Zwölfzoll-Monitore aus dem Sortiment.

1991
Am 12. Januar werden sechs weitere Spiele für das 7800-System angekündigt und im März auf der CeBIT der Tablet bzw. Pentop ST-Pad vorgestellt. Im April machen Gerüchte über eine neue 32-Bit-Spielkonsole namens Panther die Runde. Atari bestätigt die Gerüchte im Mai, doch schon im Juni wird der Panther gestoppt. Parallel zum Panther wird an einer 64-Bit-RISC-Konsole namens Jaguar entwickelt. Das Prinzip des Jaguar, mit mehreren Prozessoren zu arbeiten ist nicht neu - 1986 wird dies schon von Flare2 entwickelt, Atari erwirbt 1990 die Rechte daran. Mit der ABC-Serie wagt Atari am 21. Oktober einen erneuten Start im Sektor der IBM-Kompatiblen. Ende Dezember wird die Produktion der Konsolen 2600 und 7800 sowie des XE Game Systems endgültig eingestellt.

1992
Zu Jahresbeginn wird die Produktion aller übrigen Geräte der XE-Baureihe gestoppt. Am 11. Februar kommt der von Atari seit 1989 angestrebte Prozess gegen Nintendo vor Gericht. Nintendo gewinnt diesen am 1. Mai, in der Urteilsbegründung sahen die Richter keinen Beleg dafür, dass Nintendo Atari mit einer angeblichen Monopolstellung geschadet hätte. Atari kündigt am gleichen Tag Berufung an, zieht diese jedoch am 3. Juli zurück. Währenddessen wird am 10. März auf der CeBIT der FX-1, ein Prototyp des Falcon 030, gezeigt. Bereits wenige Monate später, am 21. August, wird der Falcon 030 in Düsseldorf auf der Atarimesse vorgestellt.

1993
Am 3. Juni wird der Start des Jaguars für den Sommer verkündet - dieser erfolgt jedoch erst im Oktober, nachdem das System am 18. August in der Firmenzentrale vorgeführt wurde. Die Produktion des Jaguars übernimmt IBM. Atari selbst ist bereits wieder in den roten Zahlen. Zum Jahresende gibt Atari überraschend die Produktion der Computerbaureihen ST, TT, Falcon, Portfolio und ABC auf und steigt damit vollständig aus dem Computermarkt aus. Nicht mehr erschienene Computer dieser letzten Phase sind der Falcon 040 und die Microbox 030.

1994
Die Rechte am Falcon gehen an die deutsche Firma C-Lab über, die den Computer als C-Lab MK vermarktet. Alle übrigen Bestände an ST-, Konsolen- und 8-Bit-Hardware werden abgeschrieben. Die ersten TOS-Clones machen vor allem im deutschsprachigen Raum die Runde - die Schweizer Firma Medusa bringt den T40 und später den Hades auf 68040-Basis heraus. 1998 folgt von Milan Computer in Kiel der Milan 040, der auch ab 2000 einen Nachfolger auf 68060-Basis erhalten sollte. Aktuellster Clone ist derzeit das Coldfire-Projekt. Am 13. April wird erstmals „Tempest 2000“ für den Jaguar ausgeliefert. Am 5. Mai wird eine Steckkarte für x86-PCs angekündigt, die einen kompletten Jaguar enthalten soll, die Entwicklung übernimmt die Firma Sigma Designs. Der Lynx wird im September gestoppt, Atari konzentriert sich von nun an voll auf den Jaguar. Im gleichen Monat wird ein Jaguar-Modem angekündigt, welches nie erscheinen wird. TimeWarner schließt derweil den Publisher Tengen.

1995
Atari Jaguar Duo (1995) Das Virtual Reality System wird im März auf der CeBIT und im Mai auf der Electronics Entertainment Expo (3E) vorgestellt, es geht wie das meiste an angekündigter Jaguar-Hardware nie in Serie. Im September erscheint dennoch der lang versprochene CD-Aufsatz. Zu spät aber, da die deutlich leistungsfähigere Sony PlayStation bereits auf dem Markt war. Gegen Ende des Jahres macht wieder das Gerücht einer neuen Spielkonsole die Runde - Jaguar 2 (Bild) ist das Stichwort. Die technischen Daten stellen die Sony PlayStation in den Schatten und kommen dem noch nicht erschienenen Nintendo N64 sehr nahe. Atari selbst arbeitet aber seit der Entlassung der Entwicklermannschaft durch Jack Tramiel – dieser hatte die Führung des Unternehmens nach einer Herzattacke seines Sohnes Sam wieder übernommen – im September nicht mehr an dem Projekt. Sämtliche Auslandsniederlassungen werden geschlossen, im Zentrallager in den Niederlanden beginnt die große palettenweise Versteigerung von Neuware, von einer Palette SF 354-Laufwerken über tausende Portfolio-Speicherkarten bis zu Dutzenden ST-Books ist alles dabei, und zum Schluss der Resteverkauf – ein nagelneuer 800 XL kann schon für zwanzig Mark gekauft werden. Nachdem alles verkauft war, wird auch das Zentrallager geschlossen und Atari Europa existiert nicht mehr. Zum Jahresende wird die Produktion der Jaguar-Hardware aufgegeben.

1996
Am 2. Januar gibt Atari den Start des Labels „Atari Interactive“ bekannt, unter dem einige Spiele für die Windows 95-Plattform erscheinen sollten. Der offizielle Start erfolgt im März. Jugi Tandon, Entwickler einiger Disketten- und Festplattenlaufwerke in den 1980ern, tritt im Februar an seinen Freund Jack Tramiel heran, da es seiner Firma JT Storage wirtschaftlich nicht gerade gut geht und bei Atari noch einige Millionen vorhanden sind. Am 13. Februar wird die bevorstehende Fusion der Atari Corporation mit JT Storage angekündigt. Im Frühjahr zieht Atari aus den verbliebenen Gebäuden in der Borregas Avenue aus und bezieht mit nur noch 120 Mitarbeitern ein leerstehendes Bankgebäude der Bank of America an der 455 South Matilda Avenue in Sunnyvale. Gleichzeitig endet auch der Verkauf der Jaguar-Geräte. Die Homepage JagWire geht online. Williams-Midway übernimmt in diesem Jahr Time-Warner und damit auch Atari Games.


1996-2000: Bei JTS und Hasbro

1996
Atari Interactive Die Firmen JT Storage und die Atari Corporation fusionieren am 30. Juli, die Firma wird als JTS Corporation weitergeführt, Atari Interactive als Marke aufrechterhalten und Tramiel im Vorstand aufgenommen. Einige geplante Jaguar-Titel werden an die britische Firma Telegames verkauft. Die technische Unterstützung der Jaguar-Plattform wird noch bis 1998 aufrechterhalten.

1997
Activision kauft im September von JTS die Rechte an Asteroids und Battlezone und beginnt, auf der Basis dieser Spiele eigene Portierungen zu entwickeln.

1998
Die Atari-Rechte werden am 23. Februar für ganze fünf Millionen Dollar in bar an HIAC XI, einer hundertprozentigen Tochter von Hasbro, verkauft. Hasbro selbst hat bereits neun Jahre zuvor die Überreste von Ataris ehemaligem Konkurrenten Coleco aufgekauft. HIAC XI wird in Atari Interactive, Inc. umbenannt. Jack Tramiel geht in den Ruhestand und zieht mit seiner Frau nach Monte Sereno unweit des Silicon Valley, wo er bis heute lebt. JTS meldet am 11. Dezember Insolvenz an und wird am 28. Februar 1999 zerschlagen.

1999
Das Jaguar-System wird von Atari Interactive am 13. Mai zur offenen Plattform erklärt. Atari bringt einige alte Titel wie Pong und Frogger für Windows 9x-PCs und die Sony PlayStation auf den Markt.


2000-2009: Atari als Marke von Infogrames und das Ende von Atari Games

2000
Atari-Logo seit 2003 Am 6. Dezember wird Atari wiederum aufgekauft, diesmal ging sie für hundert Millionen Dollar an den franko-amerikanischen Spielehersteller Infogrames. Auch Infogrames bringt unter dem Atari-Label anfangs nur einige Spiele für derzeit gängige Computer- und Konsolensysteme heraus



2001
Erstmals seit 1996 erscheint am 23. Oktober mit dem PlayStation 2-Titel „MXrider“ eine Neuentwicklung von Atari.

2003
Am 7. Mai benennt sich ein Teil von Infogrames in Atari um, die Dachgesellschaft läuft aber weiter unter dem alten Atari Games-Logo Namen. Seither sind etliche Spiele für die Konsolen der sechsten und siebten Generation sowie Windows-basierte PCs erschienen. Im selben Jahr entschließt sich Williams-Midway, die seit Mitte der 1990er Jahre nur noch selten genutzte Marke Atari Games endgültig aus dem Sortiment zu streichen.

2004
Im September bringt Atari eine Retrokonsole namens Flashback unter eigenem Label auf den Markt.

2005
Im August erscheint bereits Flashback 2.

2007
Im April wird ein Fünftel der Belegschaft auf Grund rückläufiger Umsätze entlassen, im November des selben Jahres gibt es erstmals Pläne, sich auf Nordamerika zu konzentrieren. Atari bzw. Infogrames versucht juristisch gegen die Berichterstattung in Online-Medien vorzugehen. Atari Europe steht zu diesem Zeitpunkt finanziell gut da.


2009-heute: Atari SA

Atari SA

2009
Am 29. Mai ändert die Dachgesellschaft Infogrames Entertainment SA den Firmennamen in Atari SA und zieht sich gleichzeitig vom europäischen Markt zurück, um sich auf den nordamerikanischen Online-Markt zu konzentrieren. Atari Europe wird von Namco Bandai Games gekauft, umbenannt und zum Vertrieb eigener Spiele verwendet.

2010
Im Februar wird die Flashback 2-Konsole leicht überarbeitet und als Flashback 2+ in den Handel gebracht. Nolan Bushnell ersetzt David Gardner nach dessen Rücktritt als CEO im April, damit ist Bushnell fast 32 Jahre nach seinem Ausstieg wieder an Bord, wenig sp&aauml;ter wechselt er auf einen Beraterposten, um Jim Wilson als CEO Platz zu machen. Am 21. Dezember verliert Atari vor dem OLG Düsseldorf einen Prozess, in dem sie die Firma Rapidshare dazu zwingen wollte, Maßnahmen zu ergreifen, um Urheberrechtsverletzungen durch User der Plattform auszuschließen.


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