Atari Corporate Research Laboratories 


1981 wurde Alan Kay vom Xerox Palo Alto Research Center (Xerox PARC) von Atari als leitender Wissenschaftler eingestellt. Atari wollte mit den Atari Corporate Research Laboratories (ACRL) eine Forschungsgruppe mit den klügsten Köpfen der Branche aufbauen. Ihre Aufgabe bestand im Wesentlichen darin, die Möglichkeiten von Videospielen, der elektronischen Datenverarbeitung und der menschlichen Interaktion miteinander zu vergleichen und auszubauen, und dies nicht auf den in der Industrie üblichen kurzfristigen Zeitraum von von ein, zwei Jahren, sondern mit Weitblick auf das nächste Jahrzehnt. Zu diesen Ideen zählen zu dieser Zeit interaktive Medien, Virtual Reality, Roboter, tragbare Computer, Netzwerklösungen und so weiter. Nach der Auflösung der Forschungsgruppe im Jahr 1984 wechselte Kay zu Apple Computer, wo er bis 1997 in der Advanced Technology Group arbeitete. Zwei der im Lauf der Jahre bekannt gewordenen Projekte der ACRL werden hier kurz vorgestellt.


Project Victoria, Atari Sunnyvale Research Laboratories
Victoria beschreibt einen Einsteigercomputer in Format eines heute sogenannten Tablets, der die Möglichkeit bieten sollte, leicht Informationen mit einem Programm auf einem Heim- oder Bürocomputer auszutauschen (heute bezeichnet man das als Synchronisieren) – mehr als 25 Jahre vor dem Durchbruch der Tablets auf dem Markt. Die Herstellungskosten eines solchen Tablets sollten etwa 25 Dollar betragen. Das Projekt wurde jedoch eingestellt, als Tim McGuinness, der das Projekt leitete, die Firma verließ. Vier Prototypen sollen hergestellt worden sein, mindestens einer davon wurde lange Zeit benutzt und ist bereits verschrottet.


Projekt ALAN-K, Atari Los Angeles Laboratories
Die Netzwerklösung ALAN-K (Atari Local Area Network, Model K; gleichzeitig ein Wortspiel auf Alan Kay) besteht aus zwei Modulen, die in einem 850-Gehäuse Platz finden und mittels SIO-Schnittstelle an einen Atari-Computer angeschlossen werden können. Zudem stellt ALAN-K zwei neunpolige serielle Schnittstellen zur Verfügung. Die Computer sollen ringförmig mit ALAN-K vernetzt werden können, bei jedem Gerät kann die Adresse mit Hilfe von acht DIP-Schaltern eingestellt werden. Im Inneren arbeiten pro Modul ein EPROM, das Gerät benötigt allerdings eine Bootdiskette, ist also im Gegensatz zum 850 nicht autobootfähig. Installiert wurde ALAN-K seinerzeit versuchsweise in einem Club Med Resort in Mexiko, wo damit Verkaufs- und Informationsstände miteinander vernetzt wurden. Eingestellt wurde ALAN-K durch die Marketingabteilung, da befürchtet wurde, dass Vertrieb und Installation zu zeitaufwändig sein könnten, um wirklich rentabel zu sein.

Atari 850
Atari 850 – in einem solchen Gehäuse fand ALAN-K während der Entwicklung Platz

Letzte Bearbeitung: 9. März 2019