Lage und heutige Nutzung
Das riesige Areal liegt auf der Kuppe des Michelsbergs. Erreichbar ist
die Wilhelmsfeste im ÖPNV mit den Linien 7 und 46 (Haltestelle
Wilhelmsburgkaserne), allerdings ist das Betreten der Anlage nicht
möglich, da sich dort der militärische
Sicherheitsbereich der
Bundeswehr befindet. Seit 1956 ist
die Feste ein Teil der Wilhelmsburgkaserne, seit 2005 Heimat eines der
höchsten Kommandos der Bundesrepublik, dem Kommando Operative
Führung Eingreifkräfte (abgekürzt
KdoOpFüEingrKr), einem Feldjägerbataillon sowie des
Heeresmusikkorps 10. Jedoch ist es möglich, auf einem
Schotterweg um die gesamte Wilhelmsburgkaserne herumzulaufen.
Festungsteile in der
Umgebung:
Werke der Bundesfestung:
•
Werk XII
Wilhelmsburg
(südlich direkt anschließend)
•
Werk XXXIV Fort Unterer
Eselsberg (1 km südwestlich)
•
Werk XXXV Nebenwerk
Oberer Eselsberg (2 km nordwestlich)
•
Werk XXXVI Hauptwerk
Oberer Eselsberg (2,1 km nordwestlich)
•
Werk XXXVI Lehrer Turm
(200 m nördlich)
•
Werk XXXVII Fort Prittwitz
(500 m nördlich)
•
Werk XXXVIII
Örlinger Turm (630 m östlich)
•
Werk XXXIX Fort Albeck
(1,2 km östlich)
Armierungsbauwerke 1914:
• Munitionsraum 6 (1 km westlich)
• Pumpstation Buchbrunnen (900 m nordöstlich)
• Pumpstation Lehrer Tal (600 m westlich)
Aufbau und Baugeschichte des Werks
Das größte Werk, bestehend aus fünf
einzelnen Werksteilen, wurde zwischen 1842 und 1857 auf dem Michelsberg
vor der Wilhelmsburg unter den Württembergern Hauptmann von
Finsterlin, Oberleutnant Berger, Oberleutnant von Gaisberg und
Oberleutnant Arlt errichtet. Die fünf Werke sind im einzelnen:
- Werk XIII linke Courtine: bestehend aus Wall, Escarpe und
Glacis, nicht belegbar
- Werk XIV linker Stützpunkt: bestehend aus
zweiseitigem Wall, Escarpe, Reduit, Halbcaponniere an der linken
Schulter, Bonnetkasematte im Saillant, Secondeflanke an der rechten
Schulter. Konnte mit 766 Mann belegt werden
- Werk XV Courtine: bestehend aus großem Wall,
Escarpe, Graben und der riesigen Hauptgrabencaponniere sowie einem
Glacis und einem Kriegspulvermagazin. Belegbar mit 286 Mann.
- Werk XVI rechter Stützpunkt: wie XIV, jedoch
Flankenturm statt Caponniere und vierseitiger Wall. Belegbar mit 555
Mann.
- Werk XVII rechte Courtine: wie XIII, auch nicht belegbar.
Außerdem ein Kriegspulvermagazin
Die Wallanlagen wurden bei der Modernisierung der Festung um 1880
radikal umgebaut, so erhielt der Wall von Werk XV drei riesige
gewinkelte Erdtraversen und fünf Hohltraversen, der von Werk
XIV eine, der von Werk XVI zwei gewinkelte Erdtraversen. Die
Halbcaponniere XIV sowie die Hauptgrabencaponniere XV wurden um ein
Stockwerk erniedrigt Die Kriegspulvermagazine wurden ummantelt. Im Lauf
der Zeit kamen mehr und mehr Kasernengebäude und Schuppen
hinzu. Nach der Vereinigung der Wilhelmsburg- mit der nördlich
gelegenen Flandernkaserne 1967 wurde der Standort weiter ausgebaut,
dabei wurden alle Wälle zum Teil geschmälert und die
rechte Kehlmauer von Werk XIV durchtrennt. Insgesamt jedoch ist die
Feste nahezu vollständig erhalten. 1970 wurde der im zweiten
Weltkrieg zerstörte Flankenturm XVI vollständig
wieder aufgebaut und die Escarpen mit neuen Dächern versehen.
Nutzungsgeschichte
Die Wilhelmsfeste wurde ebenso wie die angrenzende Wilhelmsburg wurde
im Lauf der Zeit von vielen Truppen genutzt. So
zogen bei Fertigstellung die österreichische
Festungsartillerie und das 6. Württembergische
Infanterieregiment dort ein. 1866 zogen die Österreicher nach
der Auflösung des Deutschen Bundes aus. 1871 zog das
Württembergische Grenadierregiment „König
Karl“ Nr. 123 dort ein, welches 1898 vom 2.
Württembergischen Infanterieregiment „Kaiser
Wilhelm“ Nr. 120 und dem 9. Württembergischen
Infanterieregiment Nr. 127 abgelöst wurde. Nach dem 1.
Weltkrieg zogen die 10., 11. und 12. Kompanie des III.
Jägerbataillons des Infanterieregiments Nr. 13 der Reichswehr
dort ein, 1935 das I. und II. Bataillon und die 13. Kompanie des
Infanterieregiments Nr. 56 der Wehrmacht. Es gibt Hinweise auf die
Pionier-Ersatzkompanie Nr.
35 im Jahr 1939, das Infanterie-Ersatzbataillon Nr. 56 (1940 und 1941),
das Bau-Ersatzbataillon Nr. 15 (1941) und das Grenadier-Ersatzbataillon
Nr. 460 (1942). Nach dem 2. Weltkrieg zog erst einmal die U.S. Army in
die Feste ein, 1956 die Bundeswehr mit dem II. Korps und den
Feldjägern, 1960 kam das Heeresmusikkorps 10 dazu. 1967 wurden
Wilhelmsburgkaserne und Flandern zur heutigen Wilhelmsburgkaserne
vereinigt. 2005 wurde das II. Korps, das schon seit 1993 ein
deutsch-amerikanisches Korps war, vom Kommando Operative
Führung Eingreifkräfte (KdoOpFüEingrKr)
abgelöst, dessen Auflösung von der Strukturkommission
unter Frank-Jürgen Weise 2010 gefordert wurde.
Weitere Bilder
Gang zu den Minenstollen der Wilhelmsburg unter Courtine
XIII

Reduit des Stützpunkts XIV hinter den Bäumen des
Glacis

Flankenturm des Stützpunkts XVI

Blick in den rechten Frontgraben des Stützpunkts XVI

Reduit von Werk XVI

Kehlmauer des Werks XVI, im Hintergrund der Flankenturm

Reduit von Werk XVI, vom Innenhof des Werks aus gesehen

Courtine XVII, im Hintergrund der rechte Flankenturm der Wilhelmsburg