Lage und heutige Nutzung
Die 200 × 130 Meter große Anlage hat die Adresse
Prittwitzstraße 100 und liegt unmittelbar hinter der
Wilhelmsburgkaserne auf der Kuppe des Michelsberg am Rande eines
Wohngebiets. Die Firma High Solar nutzt einen Teil des Kehlturms und
der rechten Kehle sowie das Dach der Front, ansonsten wird der Innenhof
und ein Teil der Kasematten gelegentlich vom Ulmer Theater für
Freilichtaufführungen genutzt. Die Bundeswehr nutzt den
Innenhof bei hohen Besuchen oder wichtigen Anlässen, zu diesen
Zeiten weht vom Kehlturm auch die deutsche Flagge statt der
üblicherweise angebrachten Ulmer Stadtflagge. Der
Förderkreis Bundesfestung Ulm e.V. bietet an jedem dritten
Sonntag im Monat um 11:00 eine kostenlose Führung dort an.
Festungsteile in der
Umgebung:
Werke der Bundesfestung:
-
Werk XI Courtine zur
Wilhelmsburg
(südwestlich direkt anschließend)
-
Werk XIII linke Courtine
(nordwestlich direkt anschließend)
-
Werk XVII rechte Courtine
(nordöstlich direkt anschließend)
-
Werk XVIII Courtine am Gaisenberg
(östlich direkt anschließend)
-
Werk XXXIV Fort Unterer Eselsberg
(1,4 km westlich)
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Werk XXXVIII Örlinger Turm
(1 km nordöstlich)
Friedensbauwerke 1901–1910:
- Infanteriestützpunkt Weinberge (2,3 km westlich)
Armierungsbauwerke 1914:
- Munitionsraum 6 (1,6 km nordwestlich)
- Pumpstation Lehrer Tal (1 km westlich)
Aufbau und Baugeschichte des Werks
Das stärkste Werk der gesamten Bundesfestung steht auf der
Kuppe des Michelsbergs und wurde zwischen 1842 und 1849 unter
dem württembergischen Major von Erhardt aus 300.000 Tonnen
Kalkstein errichtet. Die Burg konnte mit bis zu 6.951 Mann belegt
werden und diente gleichzeitig als Reduit der vorgelagerten
Wilhelmsfeste. Das Werk ist aufgebaut aus zwei kurzen Flanken, einer
langen Kehle mit Kehlturm (30 m Höhe, Grundfläche
1.800 qm), einer leicht geknickten Front sowie an deren Schultern je
einem Flankenturm, insgesamt befinden sich etwa 570 kasemattierte
Gewölbe in dem Gebäude, dessen 1,3 ha große
Innenhof bequem Platz für das Ulmer Münster bieten
würde. Das Werk ragt bis zu 30 m in die Höhe und
steckt bis zu 25 m tief in der Erde, unter die Front sind
etliche Gegenminenstollen gegraben. Die Erdbedeckung wurde in den
1920ern gegen ein Ziegeldach ausgetauscht. Im zweiten Weltkrieg wurde
es auch von Bomben getroffen, woraufhin der Dachstuhl an einigen
Stellen ausbrannte. Das Dach wurde nach dem Krieg zur
Baumaterialgewinnung vollständig abgetragen, was dazu
führte, dass die nun dachlose Wilhelmsburg sich mit Wasser
vollsaugte. 1986 wurde ein Dach aus Zink-Titan-Blech errichtet und seit
der Mitte der 1990er Jahre ist das Werk nahezu vollständig
trocken. Der rechte Flankengraben wurde 2009 freigelegt und in den
Festungsweg integriert.
Nutzungsgeschichte
Die Wilhelmsburg wurde im Lauf der Zeit von vielen Truppen genutzt. So
zogen bei Fertigstellung die österreichische
Festungsartillerie und das 6. Württembergische
Infanterieregiment dort ein. 1866 zogen die Österreicher nach
der Auflösung des Deutschen Bundes aus. 1871 zog das
Württembergische Grenadierregiment „König
Karl“ Nr. 123 dort ein, welches 1898 vom 2.
Württembergischen Infanterieregiment „Kaiser
Wilhelm“ Nr. 120 und dem 9. Württembergischen
Infanterieregiment Nr. 127 abgelöst wurde. Nach dem 1.
Weltkrieg zogen die 10., 11. und 12. Kompanie des III.
Jägerbataillons des Infanterieregiments Nr. 13 der Reichswehr
dort ein, 1935 das I. und II. Bataillon und die 13. Kompanie des
Infanterieregiments Nr. 56 der Wehrmacht. Ab 1939 wurde die
Wilhelmsburg nur noch wenig militärisch genutzt, im Jahr zuvor
war der Ulmer Festungsstatus von der faschistischen Regierung
aufgehoben worden. Es gibt Hinweise auf die Pionier-Ersatzkompanie Nr.
35 im Jahr 1939, das Infanterie-Ersatzbataillon Nr. 56 (1940 und 1941),
das Bau-Ersatzbataillon Nr. 15 (1941) und das Grenadier-Ersatzbataillon
Nr. 460 (1942). 1944/45 produzierte die Firma Telefunken dort und
beschäftigte dabei polnische Zwangsarbeiter, für die
Baracken im Innenhof errichtet wurden. Zum Gedenken an diese Nutzung
wurde 1999 von der Stadt Ulm eine zweisprachige Gedenktafel neben dem
Werkstor angebracht:
Zum Gedenken
August 1944 bis April 1945:
Über 1500 Frauen und
Männer aus Polen, davon
viele noch Kinder, wurden
unter dem nationalsoziali-
stischen Sonderrecht für
Zwangsarbeiter aus Lodz
in die Wilhelmsburg ver-
schleppt. Sie wurden in
Lodz und Ulm zur Kriegs-
produktion elektronischer
Röhren für die Firma
Telefunken gezwungen.
1. September 1999, Stadt Ulm |
Pamięci
Ponad 1500 polskich robot-
ników przymusowych - dzie-
ci, kobiet i mężczyzn - upro-
wadzonych w sierpniu 1944
na mocy narodowo-socjali-
stycznego prawa specjalne-
go z Łodzi do Ulm i więzio-
nych w Wilhelmsburgu do
kwietnia 1945. Tak w Łodzi
jak i w Ulm zmuszano ich
do produkcji lamp elektrono-
wych dla potrzeb wojennych
w zakładach Telefunken
1 września 1999, Miasto Ulm |
Nach dem zweiten Weltkrieg diente die Wilhelmsburg bis 1956 als
Notunterkunft für ausgebombte Ulmer und für
Flüchtlinge. Es entstand schon bald eine eigene Gesellschaft
mit eigener Infrastruktur (neben dem nördlichen Werkstor gab
es beispielsweise einen „Konsum“-Laden), in der
zeitweise über 3.000 Menschen lebten. Wohn- und
Geschützkasematten wurden in dieser Zeit notdürftig
zu Wohnungen umfunktioniert, in einer Kasematte schliefen bis zu zehn
Menschen auf engstem Raum. 1956 wurden die restlichen Bewohner in die
ehemalige Gaisenbergkaserne umgesiedelt und die Bundeswehr zog mit dem
II. Korps dort ein. Soldaten wurden bis Mitte der 1970er Jahre dort
untergebracht, bis die Räume auf Grund der Feuchtigkeit
endgültig unbewohnbar wurden. 1986 ließ die
Bundeswehr ein neues Dach aufsetzen und verkaufte die bis dahin zur
Wilhelmsburgkaserne gehörende Burg für den
symbolischen Preis von 1 DM an die Stadt Ulm. Seitdem steht sie
weitestgehend leer.
Weitere Bilder
Blick vom Ulmer Münster zum Michelsberg, in der
oberen Bildmitte die Wilhelmsburg

Alte Uhr an der Innenseite der Front. Die Welle, die die Uhr antrieb,
verschwand nach dem
zweiten Weltkrieg spurlos.

Innenhof Richtung Südosten mit dem massiven Kehlturm

Ehemaliger „Konsum“ in der Front

Abgang zu den Gegenminen-
stollen unter der linken Front

Gegenminenstollen

Im linken Kehlgraben

Blick auf den rechten Kehlgraben und
den Kehlturm mit der Stadtflagge

Kehlturm vom Innenhof

Innenhof des Kehlturms. Die Betonstreben
dienten einst dem Halt eines Wasserbehälters

Rechtes Kehleck und rechte Flanke mit Flankenturm

„Bitte eintreten“ war aber anders
gemeint…
Blick in eine nach dem Krieg als Wohnung genutzte
Geschützkasematte

Rampe im Kehlturm, diese konnte
mit Zweispännern befahren werden, so
wurden alle Stockwerke mit Waffen und
anderen Sachen versorgt.

Waschraum, die Duschen und der Boiler stammen aus der Zeit, als die
Reichswehr die Burg nutzte

Nördliches Werkstor

Südliches Werkstor

Wohnkasematte

Galerie, links eine Geschützkasematte

weitere Galerie in der Kehle

Noch ein Blick in eine Wohnkasematte, hier mit Fenstern statt
Holzverschlag

Kehlturm von Südosten im Winter

Kehlturm vom Aussichtsturm aus gesehen

Abschlusstürmchen mit Schlussstein auf dem Kehlturm

Holzverschlag eines Bogens der oben liegenden Wurfbatterien

Kehlturm und rechter Kehlgraben