Have You Played Atari Today? 

Das war das ursprüngliche Geschäftsfeld von Nolan Bushnells Atari. 1972 wurde Pong aus Ralph Baers Brown Box, einem Tennisspiel für den heimischen Fernseher, entwickelt und zum Test in Andy Capp's Tavern in Sunnyvale aufgestellt. Wenige Tage später rief der Wirt an, man möchte das Teil abholen, es sei defekt. Es stellte sich aber heraus, dass der Münzbehälter übergelaufen war, dass kein Spiel mehr freigeschalten werden konnte. Das war schließlich der endgültige Startschuss für die heute milliardenschwere Videospielbranche.

Atari präsentierte den ersten Trackball als Spielsteuerung von Football im Jahr 1978, mit Lunar Lander 1979 den ersten Vektor-Automaten sowie 1981 mit Battlezone den ersten Farb-Vektor-Automaten und First-Person-Shooter. Um den noch jungen Markt zusätzlich anzuheizen, wurde die Firma Kee Games im Jahr 1973 als Mitbewerber gegründet, beide Firmen entwickelten aber zum Teil gemeinsam und standen unter der gemeinsamen Führung Ataris. 1975 „fusionierte“ Kee Games mit Atari, 1978 wurde die Marke schließlich eingestellt. Atari war einer der führenden Spieleproduzenten während der sogenannten Goldenen Ära der Arcade-Spiele von den späten 1970er Jahren bis Mitte der 1980er Jahre. Die größten Hits dieser Zeit sind sicherlich Asteroids, Pole Position, Centipede, Tempest und Missile Command.

1975 erschien die erste Spielkonsole von Atari, basierend auf dem ersten Atari-Arcadespiel Pong. Diese wurde in Nordamerika ein Riesenerfolg, an dem die Kaufhauskette Sears großen Anteil hatte. Schließlich hat sie die Exklusivrechte zum Erstverkauf des Home-Pong unter dem Namen Tele-Games bekommen. Die Zusammenarbeit mit Sears hielt bis zum Videospielcrash in Nordamerika 1983 an. Von Pong wurden noch mehrere Versionen herausgebracht. Später kamen dann auch andere Spiele wie Video Pinball oder Stunt Cycle dazu. Der erste Handheld Touch Me kam 1979 heraus, von Space Invaders und Breakout existieren nur Prototypen. 1981 wurden die holografische Spielkonsolen Cosmos und Spector vorgestellt, jedoch nie auf den Markt gebracht. Diese erste Konsolengeneration wurde 1981 eingestellt.

Bereits seit 1975 wurde an einer Konsole mit austauschbaren Spielen gearbeitet. Fairchild Semiconductor kam Atari jedoch zuvor und brachte 1976 das Channel F auf den Markt. Im September 1977 tauchte die im Juni 1977 vorgestellte Konsole Video Computer System zum ersten Mal im Handel auf. Der Siegeszug des VCS war durch nichts aufzuhalten, auch nicht von den Nachfolgern aus dem eigenen Hause.

1982 kam einer dieser Nachfolger unter dem Namen 5200 SuperSystem heraus - leider großteils inkompatibel zum VCS. Bei Markteinführung des 5200 wurde der Name des VCS offiziell in 2600 geändert. 1983 gab es in Japan die Einführung des durch die japanische Konkurrenz von Nintendo ebenfalls wenig erfolgreichen 2800, das in den USA als Sears Tele-Games Video Arcade II erschien. Atari hatte groß am Video Game Crash in diesem Jahr zu leiden und machte 536 Millionen Dollar Verlust. Die Firma GCC arbeitete seit Anfang 1983 an einer 2600-kompatiblen Spielkonsole mit verbesserten Grafik- und Toneigenschaften, diese kam im Juni 1984 als 7800 ProSystem auf den Markt. Ex-Commodore-Chef Jack Tramiel kaufte im Juli 1984 das Endverbrauchergeschäft Ataris und stoppte alle laufenden Serien und Entwicklungen, von den Spielkonsolen wurden lediglich die groß:e schwarze Version des 2600 weiter verkauft. Erst 1986 wurde die Konsole 7800 wieder ausgeliefert, sie wurde zusammen mit dem 2600 jr. bis Ende 1991 produziert. Ein ungelöstes Rätsel ist die Konsole Mirai, die gegen Ende der 1980er Jahre entwickelt wurde, aber nie auf den Markt kam. Bis heute ist unklar, was es mit dieser Konsole auf sich hat.

Zwei Major Deals ließ sich Atari jedoch entgehen: Im April 1983 trat Nintendo an Atari heran und schlug vor, dass Atari die Family Computer-Konsole in Nordamerika unter dem Atari-Logo vertreiben solle. Nachdem allerdings CEO Ray Kassar im Juli 1983 gefeuert wurde und der ab September eingesetzte neue CEO James Morgan eher damit beschäftigt war, das Schlachtschiff Atari wieder auf Kurs zu bringen, brach Nintendo die Verhandlungen ab. Sechs Jahre später gab es Gespräche zwischen der Atari Corporation und Sega Enterprises zu einem ähnlichen Deal, diesmal sollte Atari das Genesis-System (in Europa als Mega Drive bekannt) unter dem Atari-Logo auf den Markt bringen. Dies scheiterte allerdings daran, dass Atari-Boss Jack Tramiel der von Sega angepeilte Verkaufspreis des Systems nicht niedrig genug war.

Am 2. Juli 1984 wurde die Heimcomputer- und Konsolen-Division von Warner Communications an Ex-Commodore-Boss Jack Tramiel verkauft, die Arcadeproduktion verblieb vorerst bei Warner unter dem Firmennamen Atari Games, bis sie 1985 von Namco aufgekauft wurde. Ab 1987 war die Firma eigenständig, nachdem Namco seine Anteile wieder verkauft hat. Tochter dieser Firma war ab 1987 Tengen, die die Spiele auf andere Systeme wie beispielsweise den Handheld Lynx der Schwesterfirma und diverse Sega-Konsolen übertragen hat. Bis Mitte der 1990er Jahre blieb Atari Games eine der innovativsten Spieleschmieden, aus dieser Zeit stammen unter anderem die Spiele Paperboy, Gauntlet und KLAX.

1993 kaufte Time Warner Mehrheitsanteile an Atari Games und benannte sie 1994 in Time Warner Interactive um, die Tochter Tengen wurde geschlossen. 1996 wurde TWI dann an Midway verkauft und wieder in Atari Games umbenannt. 1995 nutzte man erstmals die auf der Spielkonsole Jaguar basierenden CoJag-Hardware für den Automaten Area 51. Die Marke Atari Games wurde noch bis 1999 aufrechterhalten. 2001 beendete Midway West seine Arcadeproduktion, 2003 wurden alle Aktivitäten eingestellt. 2009 kaufte Time Warner die Marke Atari Games von Midway West wieder auf, nutzte sie bisher aber nicht. Time Warner wiederum wurde 2018 von AT&T aufgekauft.

Dass die neueren Arcadespiele ab Mitte der 1980er Jahre in Deutschland relativ unbekannt sind, hat einen einfachen Grund: Das Jugendschutzgesetz wurde 1985 verschärft, elektronische Bildschirmspielgeräte dürfen nur dann auf Kindern und Jugendlichen zugänglichen öffentlichen Flächen, außerhalb von gewerblich oder anderweitig geschäftlich genutzten Räumen oder in deren unbeaufsichtigten Zugängen etc. aufgestellt werden, wenn ihre Programme für Kinder ab sechs Jahren freigegeben und gekennzeichnet sind (§13 JuSchG). Was zur Folge hatte, dass 1985 nahezu alle Arcadespiele aus der Öffentlichtkeit verschwanden, da eine solche Kennzeichnung nicht vorlag und in den allermeisten Fällen auch nicht zu bekommen war. Das sogenannte Goldene Zeitalter fand in Deutschland damit ein eher abruptes Ende (in den USA ging diese Ära erst Mitte bis Ende der 1990er Jahre zu Ende), hierzulande kennt man daher die neueren Arcadespiele eher als Konsolenversion. Durch die immer leistungsfähigeren Spielkonsolen und Computer spielt der Arcademarkt heute selbst in den USA kaum noch eine Rolle – in Japan ist die Beliebtheit dagegen nach wie vor ungebrochen.

Die nächsten Produkte von Atari waren der Handheld Lynx sowie die Konsolen Panther (unveröffentlicht) und Jaguar. Leider war beiden veröffentlichten Systemen kein großer Erfolg beschert - die Verkaufszahlen des Jaguars liegen bei nur etwa 135.000 Stück in zwei Jahren, so ein Bericht von Atari im Dezember 1995 – zu diesem Zeitpunkt waren die Lager noch mit 90.000 weiteren Jaguar-Konsolen prall gefüllt.. Zu erklären ist dies mit dem schlechten Marketing seitens Atari - es wurde einfach zu wenig bis gar keine oder falsche Werbung gemacht. Als der Jaguar erschien, gab es nur ein Spiel. Der Lynx war teuer und hatte einen horrenden Batterieverbrauch, im Gegensatz zum Game Boy, dem erfolgreichsten Handheld seiner Zeit. Später wurden Pläne bekannt, nach denen der Jaguar zwei Nachfolger bekommen sollte: Den Jaguar Duo, der einfach eine Jaguar-Konsole mit eingebautem CD-Laufwerk ist, und den Jaguar², die erste echte 64-Bit-Konsole, die in Konkurrenz zu Sonys PlayStation und dem Nintendo 64 treten sollte. Die Pläne für die Produkte wurden gestoppt, nachdem im November 1995 die gesamte Entwicklermannschaft entlassen wurde. 1994 wurde der Lynx aus dem Programm geworfen und ab Sommer 1995 keine neuen Aufträge für den Jaguar mehr an IBM geschickt. Der technische Support wurde noch bis 1998 aufrechterhalten, danach wurden die kompletten Rechte freigegeben, das heißt, der Jaguar ist heute eine Public-Domain-Plattform.

Am Rande sei noch die Flashback-Serie erwähnt, da diese Retrokonsolen auf den klassischen Spielkonsolen von Atari basieren: Im November 2004 brachte Atari (vormals GT Interactive, Tochter von Infogrames SA) das Plug'n'Play-System Flashback unter die Leute, mit 20 fest eingebauten Spielen. Im August 2005 folgte Flashback 2, diesmal mit 40 Spielen und der Möglichkeit einen Modulport selbst nachzurüsten. Ab 2006 befanden sich Flashback 3 (im Atari 5200-Look) und Flashback 2 Portable in Entwicklung, wurden aber nicht veröffentlicht. Flashback 2 wurde im Februar 2010 leicht überarbeitet und unter dem Namen Flashback 2+ auf den Markt gebracht. Die Flashback-Serie wurde vom neuen Hersteller AtGames fortgesetzt mit den Modellen Flashback 3 bis Flashback 8. Diese Serie wird aber auf den Seiten des Atarimuseums nur stichpunktartig behandelt. 2017 wurde mit der AtariBox (im Jahr 2018 in Atari VCS umbenannt) eine neue Spielkonsole angekündigt. Was und ob was daraus wird, wird die Zukunft zeigen.
Letzte Bearbeitung: 27. August 2018